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Begas Hauses präsentiert spektakuläre Neuerwerbungen

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
Reinhold Begas „Pan als Lehr
Reinhold Begas „Pan als Lehrer des Flötenspiels” von 1868, geschaffen aus Carrara-Marmor, ist eine Dauerleihgabe der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung in München. Foto: Gigliola di Piazza, Mailand

Heinsberg. Noch bevor es nach aufwendigen Umbau- und Erweite-rungsmaßnahmen eröffnet wird, lässt das künftige Begas Haus als Museum für Kunst und Regionalgeschichte in Heinsberg schon aufhorchen.

Der Museumsleitung gelang es, mehrere herausragende Neuerwerbungen zu tätigen; dazu gehören drei spektakuläre Neuankäufe im Bereich Skulptur.

Es handelt sich um drei Werke von Reinhold Begas (1831-1911), den drittältesten Sohn des preußischen Hofmalers und gebürtigen Heinsbergers Carl Joseph Begas, der nach Ausbildung im Atelier des Vaters zum wohl bedeutendsten Bildhauers des Wilhelminischen Kaiserreiches aufstieg. Zu seinen noch heute vorhandenen Hauptwerken in Berlin zählen der Neptunbrunnen am Alexanderplatz, das Schillerdenkmal am Gendarmenmarkt und das Bismarckdenkmal im Tiergarten.

„Da die bildhauerisch tätigen Söhne von Begas d. Ä., Reinhold und sein jüngerer Bruder Carl, bisher nur mit einem einzigem oder gar keinem skulpturalen Werk in der Sammlung vertreten waren, zeigte sich die Notwendigkeit, den Bestand um qualitativ hochwertige Werke dieser Künstler zu ergänzen”, erklärt Dr. Wolfgang Cortjaens, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Begas Hauses.

Im renommierten Berliner Auktionshaus Villa Grisebach sei am 23. November die Marmorgruppe „Pan als Lehrer des Flötenspiels” von Reinhold Begas zur Auktion gelangt, die sich zuletzt im Besitz einer Mailänder Galerie befunden hatte.

Durch Vermittlung der Kulturstiftung der Länder habe die Möglichkeit bestanden, eine Komplettfinanzierung durch die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung aus München zu erwirken. „Für insgesamt rund 150.000 Euro ging der Zuschlag an das Begas Haus, das sich nun eines seltenen Frühwerks von Reinhold Begas in edlem Carraramarmor rühmen darf”, freut sich Cortjaens.

Die bezaubernde mythologische Zweiergruppe, die den bocksbeinigen Hirtengott Pan und den kleinen Amor darstellt, wird nach Wiedereröffnung des Museums als unbefristete Dauerleihgabe der Siemens-Kunststiftung einen zentralen Platz im neuen Rundgang erhalten und stellvertretend für die Beeinflussung Begas durch den römischen Barockstil stehen.

Der Erwerb habe bereits überregionale Beachtung in der Presse gefunden, so in der FAZ und im Tagesspiegel Berlin. „Er ist zugleich ein wichtiges Statement für den künftigen Museumsstandort Heinsberg und die Qualität der Ausstellung und als solcher kaum hoch genug zu bewerten.”

In einem weiteren Coup gelang dem Museum der Ankauf zweier Reliefmedaillons aus Gips von Reinhold Begas, die dem vormaligen Museumsleiter Leo Gillessen bereits 1990 aus Berliner Privatbesitz angeboten worden waren. Es handelt sich auch hier um mythologische Szenen aus der römischen Antike: „Venus auf dem Taubenwagen” und „Die Tränkung Amors (Nackter Ganymed, Mundschenk der Götter)”, je 90 cm im Durchmesser.

Ein Ankauf fand seinerzeit nicht statt. Mit dem veränderten Themenschwerpunkt erhielten die beiden Stücke jedoch für das Begas Haus eine ganz neue Relevanz. „Tatsächlich konnte - nach 21 Jahren und anhand einer alten Faxnummer - der damalige Eigentümer ausfindig gemacht werden”, beschreibt der Kunsthistoriker eine geradezu detektivische Arbeit. Das Resultat: Die Reliefs waren wohlbehalten noch immer in seinem Besitz und fachkundig gelagert.

In Begleitung einer erfahrenen Steinrestauratorin besichtigte Cortjaens die Stücke vor Ort. „Per Handschlag wurde der Kauf zu einem enorm günstigen Preis besiegelt”, lässt er zwar die genaue Summe im Dunkeln, wirkt aber dennoch überaus zufrieden. Auch dieser Erwerb wurde durch die Kulturstiftung der Länder großzügig gefördert.

Dass es sich bei den Werken „nur” um Gipse handelt, tut ihrer Qualität offenbar keinen Abbruch. „Abgüsse waren im 19. Jahrhundert ein beliebter Zimmerschmuck in großbürgerlichen Haushalten und begehrte Handelsobjekte”, sagt Cortjaens. Die Reliefs waren ehemals im Besitz der Familie des mit dem Architekten Schinkel verschwägerten Bau-Kondukteurs Wilhelm Berger in Berlin-Tegel.

Bis etwa 1970 seien sie in die das Bergersche Grundstück umgebende Umfassungsmauer eingebaut gewesen und hätten mit weiterem, heute nicht mehr vorhandenem Relief- und Mosaikschmuck den Außenbereich geziert. „Ein Leimanstrich schützte sie vor schädlichen Witterungseinflüssen, was den hervorragenden Erhaltungszustand erklärt.”

Gipsabgüsse alter und zeitgenössischer Kunstwerke stellten im 19. Jahrhundert ein im gehobenen Bürgertum beliebtes Medium dar, sich im privaten Bereich mit den Werken großer Meister zu schmücken, wie Cortjaens erläutert. Die beiden Begas-Abgüsse seien 1867 vom Künstler selbst in Marmor für den Speisesaal im Wohn- und Bankhaus Mendelssohn ausgeführt worden. Diese sind allerdings verschollen.

Insofern sind die beiden Heinsberger Neuerwerbungen singuläre Zeugnisse dieses bedeutenden privaten Auftrags; bundesweit besitzt einzig die Berliner Nationalgalerie noch einen weiteren Abguss der „Tränkung Amors”. „Gipse dieser Größe und Schönheit sind wegen ihrer Fragilität selten; ihr Auftauchen ist daher als wahrer Glücksfall zu bezeichnen”, ist Cortjaens begeistert. Beide Reliefs sind im Begas Haus in den Raum, der die Entstehungsprozesse von Malerei und Skulpturen anhand des Aktstudiums und der akademischen Ausbildung thematisieren wird, an prominenter Stelle eingeplant.

Thematisch ergänzt werden diese Ankäufe durch einen weiteren Neuankauf: Der Bildhauer Carl Begas d. J., Jahrgang 1845, stand zeitlebens im Schatten seines älteren Bruders Reinhold. Beide porträtierten jedoch eindrucksvoll den „Eisernen Kanzler” Otto von Bismarck. Aus dem Wiener Kunsthandel konnte das Begas Haus dank der großzügigen Unterstützung des „Vereins zur Förderung des Kreismuseums Heinsberg” eine 41 cm hohe Bronze mit dem Bildnis Bismarcks erwerben, die 1894 in limitierter Auflage erschien.

Sie wird als erstes bildhauerisches Werk von Carl Begas d. J. in Heinsberger Museumsbesitz die Abteilung zum Denkmalskult im Deutschen Kaiserreich abrunden.
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