Auf Höhenflug mit zwei außergewöhnlichen Künstlern

Von: sche
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Gehör zu den gefragtesten Git
Gehör zu den gefragtesten Gitarren-Größen: der Darmstädter Tilman Foto: Wolters

Heinsberg. Zwei begnadete Gitarrenvirtuosen setzten am Donnerstag die Meisterkonzerte des 4. Internationalen Gitarrenfestivals fort. Den jungen Polen Marcin Dylla feierte die internationale Presse bereits als „formidabel”.

Der 35-Jährige verfügt schon heute über eine stattliche Sammlung von Preisen. Die Washington Post und der Herald Tribune überschlugen sich mit ihren Urteilen und bezeichneten Dyllas Spiel als „unglaublich” und „sagenhaft”.

Seine Spielweise wie Erscheinung sind mit einem Wort zu beschreiben: ästhetisch. Bei einem angesehenen Label zählte er wochenlang zu den Top Ten. Das will was heißen.

Nach nur einer Zugabe räumte er rasch die Bühne, um den Zeitplan nicht durcheinander zu bringen. Sein Programm zuvor überzeugte: „Introduction et Caprice”, mit dem er schon auf ganzer Linie glänzte, folgten außergewöhnliche Klänge mit aisatischem Einschlag und vom feinsten Gewebe eines Toru Takermitsu, betitelt „In the woods”. Was dann kam, war ein richtiger Knaller: „Tres pezas espagnolas”, diesmal vom großmeister Rodrigo statt von Pujol wie am Vorabend. Der blinde Wahlfranzose traf hier noch genauer den spanischen Nerv.

Tilman Hoppstock aus Darmstadt zählt schon seit langem zu den gefragtesten Gitarren-Größen. Spätestens seit er die Lautenwerke Bachs Mitte der 90er Jahre eingespielt hat, die einen Ruf als Standardwerk erlangt haben, kommt man nicht an ihm vorbei. Er ist Preisträger der Deutschen Schallplattenkritik für „Lieder, die um Liebe und Tod kreisen”. Im vergangenen Jahr wurde er mit dem spanischen „Chitarra doro” ausgezeichnet.

Im Auftreten entspricht Hoppstock allen Erwartungen. Er gibt kurze Hinweise, mit deren Hilfe man ihm auf den Höhenflügen besser folgen kann. Fantasien und Chorale aus Bachs Passionen, darunter „Wenn ich einmal soll scheiden”, mischte er gekonnt mit Werken des Renaissancekomponisten Francesco da Milano.

Emotional und furios

Sein gegenwärtiger Lieblingskomponist ist der vom Impressionismus beeinflusste Engländer Allan Willocks. Hoppstock kann aber auch ganz anders: emotional und furios. Dazu diente ihm das andalusische „Taranta” von Paco de Lucia, nachdem er sich zuvor an und mit Francisco Tarrega souverän gemessen hatte. Hoppstock beherrschte auch das leichte Fach vollkommen, von dem man sich zur Auflockerung und Entspannung etwas mehr gewünscht hätte. De Fallas „Dreispitz” mit dem Tanz des Müllers war einfach stark.

Es ist beinahe überflüssig zu erwähnen, dass beiden Virtuosen die Herzen der Zuhörer nur so zuflogen. So mancher Nachwuchs-Gitarrenspieler im Plenum träumte wohl davon, auch einmal eine ähnliche Stufe des Spiels zu erreichen. Das Meisterkonzert von Dylla und Hoppstock hat in jedem Fall Eindruck hinterlassen.
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