Auch ein Banker braucht Balsam für die Seele

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Hans-Hubert Hermanns auf dem B
Hans-Hubert Hermanns auf dem Balkon der Raiffeisenbank an der Siemensstraße und im Hintergrund der Selfkantdom - beides aus Heinsberg nicht wegzudenken. Foto: Fischer

Heinsberg. Manche Dinge sind mit anderen so untrennbar in den Köpfen der Menschen verbunden, dass man sie sich alleine oder in einer anderen Umgebung kaum vorstellen kann. Der Eiffelturm in Paris, die Freiheitsstatue in New York, der Opernball in Wien, Wagner in Bayreuth - oder Hans-Hubert Hermanns in der Vorstandsetage der Raiffeisenbank Heinsberg.

Zugegeben, international betrachtet wird dies für Letzteren wohl nicht der Fall sein, doch in der Heinsberger Region dafür umso mehr. Er hat nicht nur seit beinahe fünf Jahrzehnten im Bankgeschäft seine Meriten erworben. Sogar er selbst wurde für viele zu einer Bank. Zahlreiche Vereine, Organisationen und Kommunen können dies bestätigen. Denn ohne „seine” Raiffeisenbank und ohne seine Bereitschaft, gesellschaftliche Verantwortung zu tragen und kulturelle oder am Gemeinwohl orientierte Vorhaben voranzubringen, wären viele Ideen gleich in den Kinderschuhen steckengeblieben. Zum 31. August verabschiedet sich der langjährige Vorstandssprecher der Raiffeisenbank in den Ruhestand. Redakteur Rainer Herwartzsprach mit ihm über Erinnerungen, Gefühle und Zukunftspläne.

Hand aufs Herz, als Sie heute morgen aufgestanden sind, machte sich da nicht ein bisschen Wehmut breit vor unserem Interview zum nahenden Ruhestand?

Hermanns: Neben Freude natürlich auch Wehmut, aber die schon seit einigen Monaten, weil es schon des Öfteren galt, sich von treuen, lieben und liebgewonnenen Wegbegleitern und Mitstreitern zu verabschieden.

Mit über 46 Dienstjahren auf dem Rentenkonto übertrumpfen Sie sogar den deutschen „Eckrentner” um ein Jahr. Die meisten Arbeitnehmer erreichen eine solch stolze Zahl heute gar nicht mehr, vor allem nicht beim selben Arbeitgeber. Ist die Bank mittlerweile für Sie so etwas wie ein zweites Zuhause geworden?

Hermanns: Die Liebe zum Beruf und die Verantwortung für ein Unternehmen lassen die Grenzen zwischen erstem und zweitem Zuhause manchmal schwinden.

Wo wir gerade bei den Superlativen sind. Sie waren 33 Jahre lang Vorstandsmitglied. Das ist freilich mehr als Ihr halbes Leben als Chef im Job. Eigentlich sollte ich das jetzt Ihre Familie fragen, aber mal ehrlich, färbt das nicht auch ein klein wenig aufs Private ab?

Hermanns: Wenn Sie damit die Eigenschaften wie Verantwortung, Ehrlichkeit und Achtung des anderen meinen, dann ja! Abgefärbt hat mein Berufsleben wohl auch schon ein wenig auf meine Enkelin Gina, denn ich habe mal gehört wie sie zu meiner Frau gesagt hat: Wenn ich groß bin, möchte ich die gleiche Arbeitsstelle haben wie Opa.

Sympathisch, freundlich, bodenständig - das sind drei Begriffe, die wohl viele Menschen spontan mit Ihnen verbinden werden. Sie wirken so gar nicht wie ein aalglatter Karrierist. Dennoch braucht es einiges an Potenzial, um sich so lange in einer Spitzenposition zu behaupten. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis?

Hermanns: Neben meinem rheinischen Ursprung sind mir auch hanseatische Eigenschaften mitgegeben. Das sind: gut und interessiert zuhören, klar denken und dann reden. Wichtig ist mir aber auch, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen.

Aufgrund Ihrer stattlichen Erscheinung wirken Sie auf den ersten Blick wie ein gemütlicher Zeitgenosse, der sich lieber beim Bierchen auf der Couch entspannt als energisch und schweißtreibend in die Fahrradpedale zu treten. Ich weiß jedoch aus eigenem Erleben, dass Letzteres bei Ihnen durchaus der Fall ist. Sind Sie in Ihrem Leben oft unterschätzt worden?

Hermanns: Für mich erkennbar nein, wobei Unterschätzung mehr Freiraum für positive Überraschungen lässt.

Hätte es am Beginn Ihrer beruflichen Laufbahn eigentlich auch noch gangbare Alternativen gegeben, oder war der Bankberuf das unumstößliche Wunschziel?

Hermanns: Der Einstieg in einen Verwaltungsberuf wäre möglich gewesen. Da hatte ich auch schon Aufnahmeprüfungen bestanden. Nach verschiedenen Bewerbungsgesprächen stand für mich aber fest: Du wirst Bankkaufmann bei der Spar- und Kreditbank in Dremmen. Großen Anteil an dieser Entscheidung hatte übrigens der damalige Leiter dieser Bank, Franz-Gerd Sevens.

Wieso?

Hermanns: Es war seine offene, auf den Menschen zugehende Art, die mich im Bewerbungsgespräch beeindruckt hat.

Inwiefern wurde der „kleine Hans-Hubert” denn in puncto Berufswahl durch das Elternhaus geprägt?

Hermanns: Meine Eltern, eine Handwerkerfamilie, hatten mir als einzigem Spross alle schulischen Möglichkeiten geboten, um zu lernen. Wer ging damals schon zu einer weiterführenden Schule? Der Beruf sollte sicher sein, und ich sollte einmal zu den Schlipsträgern gehören.

Wann haben Sie denn zum ersten Mal aus tiefster Überzeugung gespürt, dass Sie die richtige Wahl getroffen hatten?

Hermanns: Es war immer wohltuend, wenn das, was man erreichen wollte, ankam und die Kunden und Mitarbeiter das positiv bestätigen konnten. Es ist Balsam für die Seele. Unvergessen ist für mich natürlich das Jahr 1979, als der Aufsichtsrat der Bank mir das Vertrauen zum Vorstandsmitglied schenkte. Ich habe das immer als Belohnung und natürlich auch Bestätigung für die Fähigkeiten und Motivation zum Beruf und als großes Vertrauen in meine Person betrachtet.

Gabs auch mal einen Tag, an dem Sies bedauert haben?

Hermanns: Vielleicht schon mal an einem Tag - aber längstens bis zum anderen. Ansonsten weiß man als Führungskraft, dass das berufliche Leben nicht nur Höhen bietet. Man stellt sich den Herausforderungen, auch wenns mal weh tut. Ich finde, dass das alles auch mit der persönlichen Lebenseinstellung zu tun hat.

Es ist kaum vorstellbar, dass Sie nach dem 31. August einfach so die Hände in den Schoß legen. Gibt es schon Pläne für das Leben nach der Bank?

Hermanns: Meine Pläne für den Erhalt der körperlichen und geistigen Fitness sind noch nicht so konkret gefasst. Zunächst möchte ich die Wünsche meiner Familie annehmen, die im beruflichen Alltag manchmal zu kurz kamen. So steht zum Beispiel das Reisen auf dem Plan. Vor allem den deutschen Osten möchte ich noch besser kennen lernen.
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