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Auch die „Generation Facebook” nimmt den Streik ganz locker

Von: gs/nosch
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Die 81-jährige Maria Senger a
Die 81-jährige Maria Senger aus Ratheim fährt regelmäßig Bus. Mit der Senioren-Aktiv-Karte. Die 31-jährige Loretta Iwanow (r.) aus Hückelhoven pendelt täglich nach Krefeld. Am Mittwoch hatte sie Urlaub. Foto: N. Schuldei

Kreis Heinsberg. Vertrauensmann Jörg Deußen sammelt im Aufenthaltsraum der Werkstatt im Geilenkirchener West-Betrieb noch die letzten Unterschriften der Streik-Teilnehmer. Schnell noch ein belegtes Brötchen und eine Tasse Kaffee, und schon ziehen sich die drei Frauen und rund 40 Männer die scherzhaft „Müllsäcke” genannten Plastiküberhänge über.

Der in Rot auf weißem Untergrund gehaltene Slogan „Wir sind es wert” deutet auf die Forderung nach einer Lohnerhöhung der im öffentlichen Dienst tätigen Busfahrer und Werkstatt-Mitarbeiter der West-Verkehr hin.

Die Busse der West und der Kreisverkehrsdienst Heinsberg (KVG) blieben am Mittwoch in der Halle. „Wir wollen mehr Kohle”, meldet sich Vertrauensmann Martin Hoffmanns zu Wort. Der Busfahrer geht davon aus, dass die verdi-Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn nicht durchgesetzt werden kann, aber „wenn wir vier Prozent kriegen, ist es gut”. „Busfahrer sind Mangelware”, verleiht er seinem Protest Nachdruck.

Während die Busse der RVE fahrplanmäßig am Geilenkirchener Bahnhof vorfuhren, versuchten private Busunternehmer die Hauptlinien der West aufrecht zu erhalten. Das hatte man Maria Senger am Mittwochabend auch gesagt: „Ich hab von dem Streik in der Zeitung gelesen und wollte wissen, ob ich nach Hückelhoven komme”, sagt die 81-jährige Ratheimerin. Sie ist auf den Bus angewiesen, ihr Mann darf nach einer schweren Operation nicht mehr fahren, sie selbst hat keinen Führerschein. Ja, sagt sie, sie habe Verständnis für die Busfahrer, die die Arbeit niederlegen.

Loretta Iwanow gehört zur „Generation Facebook”. Die 31-Jährige hat sich im Internet erkundigt, wie es mit Bussen nach Baal aussieht. „Ich pendle jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Krefeld. Zuerst mit dem Bus nach Baal und von dort weiter mit dem Zug.” Ihr Verständnis für den Streik hält sich in Grenzen - aber sie nimmt es locker. „Ich mache ein Foto von dem Streikhinweis, poste ihn dann in Facebook mit dem Vermerk: Danke, verdi.”

Die meisten Menschen, die auf den Bus - sei es zur Arbeitsstätte oder in die Schule - angewiesen sind, hatten sich auf den Streik eingestellt und sich anderweitig mobil gemacht. Selbst an den Schulen lief am Mittwoch der Betrieb fast überall in gewohntem Rahmen ab. Vereinzelt fehlten Schüler oder erschienen verspätet zum Unterricht. „Ja, wir hatten ein paar, die Probleme mit dem Bus hatten”, sagt Rita Hündgen.

Die Leiterin des Erkelenzer Cusanus-Gymnasiums schiebt nach: „Das wurde durch die Bildung von Fahrgemeinschaften oder auf andere Art aufgefangen.” Auch am Kreisgymnasium in Heinsberg und am Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz gab es keine Ausfälle.
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