Heinsberg-Dremmen - Anne Grambuschs Auto erreicht Rekordkilometerstand

Anne Grambuschs Auto erreicht Rekordkilometerstand

Von: Dettmar Fischer
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Sieht fast aus wie neu, dennoch hat Anne Grambuschs liebevoll Schatzi getaufter Honda Civic schon eine rekordverdächtige Kilometerleistung in seinem 14-jährigen Autoleben absolviert. Foto: Dettmar Fischer

Heinsberg-Dremmen. Als ihr Schatzi eine mit einem Gullydeckel verplättet bekam, musste Anne Grambusch weinen. Heute steht Schatzi im Schaufenster von Auto Conen in Dremmen, und Anne Grambusch aus Hückelhoven, Chefsekretärin und leidenschaftliche Gewerkschafterin, nahm dort Abschied von ihrem Schatzi: nach 14 Jahren und erstaunlichen 437.621 gemeinsam gefahrenen Kilometern.

Der neue kommt aus dem gleichen Stall und hat (Schatzi mal weghören) ein unbestritten schickeres Hinterteil. Schatzi ist mit 14 Jahren für ein Auto schon ziemlich in die Jahre gekommen, aber Ehre wem Ehre gebührt: Seine imposante Kilometerleistung sieht man dem dunkelgrün lackierten Honda Civic, 1,4i Comfort, Erstzulassung beim Straßenverkehrsamt des Kreises Heinsberg am 31. März 1998, absolut nicht an.

Sein Fahrpensum absolvierte der von außen etwas unscheinbar wirkende Japaner mit dem Originalmotor ohne größere Reparaturen (von der Konfrontation mit dem Gullydeckel mal abgesehen), lediglich mit den üblichen Wartungsarbeiten. Den Ölstand kontrollierte Anne Grambusch regelmäßig selbst. Sie übernahm ihr Auto mit „jugendlichen” 6700 Kilometern.

Die 14 gemeinsamen Jahre verliefen überaus harmonisch. Anne Grambusch, eine der vielen „Leidtragenden” der Zechenschließung Sophia Jacoba Hückelhoven, hatte weite Strecken zu fahren, zu den mit den Jahren wechselnden, fusionierenden und sich umtaufenden Arbeitsstellen wie der IG Bergbau, Chemie, Energie, der Wohnbau Auguste Viktoria über Evonic bis zur Viva West Wohnen.

Im April 1998 trat Schatzi in das Leben von Anne Grambusch. „Jeden Morgen ging ich zu meinem Auto, klopfte ihm aufs Heck und sagte, so Schatzi, dann wollen wir mal zur Arbeit fahren”, erinnert sie sich an die vielen Autobahnkilometer zwischen Hannover, Gelsenkirchen-Buir und Hückelhoven. Grambusch: „Schatzi hat mich nie im Stich gelassen, selbst im strengsten Winter, wenn andere auf der Autobahn liegen blieben, bin ich sicher an mein Ziel gelangt.”

Bei Kilometerstand 294 325 ereignete sich die „Tragödie”. Grambusch war ehrenamtlich für die Gewerkschaft mit dem Zug in die Eifel gereist, hatte ihr Auto am Bahnhof Baal geparkt, im tiefsten Winter. Grambusch kommt heute noch ein Tränchen, wenn sie an diesen Tag denkt: „Ich kann nur jedem raten, niemals sein Auto am Bahnhof Baal abzustellen!” Scherzend hatte sie zu ihrem Begleiter auf der Rückreise gesagt: „Mein armes kleines Auto ist bestimmt schon alleine in die Garage gefahren bei der Kälte.”

Und dann war der dunkelgrüne Honda tatsächlich nicht mehr dort, wo Grambusch ihn abgestellt hatte. Wie sich später herausstellte, hatte die Polizei den Wagen sichergestellt, nachdem Unbekannte mit einem Gullydeckel die Seitenscheibe eingeworfen und gleich die Fahrertür mit demoliert hatten. Die „Wunden” sind überlackiert und bei Auto Conen bekommt Schatzi nun sein „Gnadenbrot”. Waldemar Bader vom Autohaus Conen, der Anne Grambusch den „Neuen” verkauft hat, hat bislang noch kein Fahrzeug mit solch einer Kilometerleistung zu Gesicht bekommen. Bader: „Die 500 000 Kilometer werden wir auf jeden Fall noch irgendwie voll kriegen.”

Hätte Anne Grambusch gewusst, wie in Amerika „One Million Mile Joe” gefeiert wurde, der mit seinem Auto die Ein-Millionen-Meilen-Tachomarke knackte - mit einem Volksfest ähnlich einem Rosenmontagszug - hätte sie ihrem Schatzi vielleicht noch etwas länger die Treue gehalten. Die letzte Investition tätigte sie am 20. Januar bei Kilometerstand 435 387. Sie spendierte Schatzi einen neuen Auspuff für 280 Euro. Anne Grambusch: „Ich habe den Leuten zwar immer gesagt, das sei ein Sportauspuff, aber geglaubt hat es wohl keiner.”
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