Kreis Heinsberg - Alzheimer-Gesellschaft: Emotionen spielen eine ganz große Rolle

Alzheimer-Gesellschaft: Emotionen spielen eine ganz große Rolle

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Die Chance zum Dialog wurde ge
Die Chance zum Dialog wurde genutzt bei der Auftaktveranstaltung der Alzheimer-Gesellschaft Kreis Heinsberg in der Hückelhovener Aula: Im Foyer gab es an den Informationsständen einen regen Gedankenaustausch. Viele Pflegeeinrichtungen, aber auch die AOK und der Zeitungsverlag Aachen waren dort vertreten. Auf großes Interesse stieß ebenfalls ein Bücherstand. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. „Eine Demenz betrifft nicht nur den Erkrankten selbst. Nein, sie bedeutet auch für die Familie sowie das nähere soziale Umfeld immer auch einen einschneidenden Lebenswandel, der mit vielerlei Emotionen einhergeht.” Das sagte Birgit Kerski als Erzählerin zum Abschluss eines Rollenspiels.

Dabei ging es um die Lebensgeschichte von Gerda Meier, einer an Alzheimer erkrankten Frau. Wie angekündigt, informativ, aber auch emotional aufrüttelnd war die Auftaktveranstaltung, mit der sich die im Frühjahr gegründete Alzheimer-Gesellschaft Kreis Heinsberg in der Aula des Hückelhovener Gymnasiums der Öffentlichkeit vorstellte. Der Zeitungsverlag Aachen (Heinsberger Zeitung / Heinsberger Nachrichten / Geilenkirchener Zeitung) begleitete als Medienpartner diese Aktion mit dem Titel „Leben mit Herrn und Frau Alzheimer”. Rund 150 Gäste konnte Regionalredakteur Dieter Schuhmachers als Moderator der Veranstaltung willkommen heißen.

Schon im Foyer wurde den Besuchern ein umfassendes Informationsangebot präsentiert. Viele Pflegeeinrichtungen, aber auch AOK und Zeitungsverlag waren vor Ort vertreten. Großes Interesse fand ebenfalls ein Büchertisch mit Fachliteratur zum Thema des Tages.

Die Bedeutung der Gründung der Alzheimer-Gesellschaft Kreis Heinsberg kam in den Ansprachen des Vorsitzenden, Dr. Christian Isensee, des stellvertretenden Bürgermeisters der Stadt Hückelhoven, Dieter Geitner, des Vorsitzenden vom Landesverband der Alzheimergesellschaften Nordrhein-Westfalen, Dr. Wilhelm Stuhlmann, sowie von Christine Riesner vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zum Ausdruck. Sie schlüpfte später auch in die Rolle der demenzkranken Gerda Meier.

In seinem Vortrag „Leben mit Demenz” wählte Björn Cranen, Heimleiter von Pro 8, zu Beginn eine außergewöhnliche Definition von Demenz: Es sei wie mit einer Lexikon-Reihe, in der jedes Buch einen Lebensabschnitt darstelle. Ein Buch nach dem anderen falle um. Und der Inhalt des jeweiligen Buches gehe weitgehend verloren... Cranen stellte aber auch fest, dass Emotionen und Antriebe selbst bei weit fortgeschrittener Demenz noch erhalten blieben: Gefühle würden gezeigt, sei es Freude, sei es Wut. Normen und Werte wie Ordnungssinn, Sparsamkeit oder Fürsorge spielten weiterhin eine Rolle. Der Heimleiter stellte die Validation vor. Sie gilt als eine Methode, die Zugang zu dementen Menschen ermöglicht, auf einen wertschätzenden Umgang mit ihnen setzt und die Lebenswelt der Betroffenen akzeptiert und annimmt. Gefühle wahrzunehmen, sie anzusprechen und zu bestätigen, Verhalten nonverbal in Gestik und Mimik zu spiegeln, ohne nachzuäffen ? all dies ist in der Validation wichtig. Wobei Cranen betonte: „Jede Demenz ist anders.”

Emotionsgeladen dann zum Abschluss von Cranens Vortrag Szenen aus dem Film „Demenz erleben - Ich verlier den Verstand”, in dem eine Erkrankte erzählt: „Was du für mich tun kannst”. Szenen, die betroffen machten und viele auch an eigene Erlebnisse mit Demenzerkrankten erinnerten.

Emotionsgeladen ging es nach der Pause weiter ? mit dem Rollenspiel um Gerda Meier. Die szenische Lesung wurde von Christian Ernst am Klavier begleitet. Auf der Bühne flackerten viele kleine Kerzenlichter. Im Hintergrund waren Fotos von Hans-Josef Jansen aus der auch im Foyer gezeigten Ausstellung „Glücklich trotz Demenz?” zu sehen. Gelesen wurde das Stück von Christine Riesner (Frau Meier), Anton Schleicher (Ehemann), Björn Cranen (Sohn), Dr. Günter Mertens (Arzt), Volker Kratz (Einrichtungsleiter) sowie Birgit Kerski als Erzählerin. Von den ersten Symptomen über die Diagnose bis hin zur Tagespflege und schließlich zur Heimunterbringung: gefühlsbetont, packend, zugleich aber viele Informationen vermittelnd. Eindrucksvoll wurde das Schicksal von Frau Meier und ihrer Familie erzählt. Verdienter Applaus belohnte die Akteure dieses Rollenspiels.

In einer Talkrunde betonte Björn Cranen noch einmal die Bedeutung der Emotionen. Dr. Günter Mertens, einer der Chefärzte vom Heinsberger Krankenhaus, unterstrich, wie wichtig frühzeitige Diagnosestellung und Behandlung seien. Volker Kratz, Mitarbeiter im Sozialen Dienst von St. Josef, erklärte, welchen Mix an Angeboten es heutzutage in den Pflegeeinrichtungen sowohl für Demenzkranke wie für die anderen Bewohner gebe, speziell für die einen oder für die anderen oder für alle gemeinsam, wie im Fall der geschulten Demenzclowns. Sie erfreuen alle, wie Rosa alias Carmen Hörter (St. Josef) und Kika alias Karin Katemann (Pro 8) am Rande der Veranstaltung in Hückelhoven unter Beweis stellten.

Extra-Applaus gab es für Anton Schleicher, der ehrenamtlich in der Tagespflege von St. Josef engagiert ist. Dies war Beifall, der ihm - stellvertretend für alle Ehrenamtler - galt. Er formulierte zugleich einen Appell vor allem an Ältere, sich auch ehrenamtlich zu engagieren. Dies sei nur ein kleiner Schritt, so Schleicher. Und dies bereite Freude. Extra-Applaus gab es ebenso für Birgit Kerski, die - selbst mit der Diagnose Demenz in der Familie konfrontiert - quasi als „Pionierin” schon vor vielen Jahren die erste Selbsthilfegruppe für Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen in der Region initiiert hatte (und heute ausgebildete Pflegefachkraft ist). „Ich kann gar nicht in Worte fassen, was dieser Tag für mich bedeutet”, sagte die stellvertretende Vorsitzende der neuen Alzheimer-Gesellschaft.

Vorsitzender Dr. Christian Isensee, Chefarzt der Geriatrischen Klinik im Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz, kündigte als einen der ersten Schwerpunkte an, dass es gelte, die Situation von Demenzkranken in den Krankenhäusern zu verbessern. Da bestehe Nachholbedarf, räumte er ein.

Auf die Bedeutung der Netzwerkarbeit sowie die vielfältigen Angebote für an Alzheimer und Demenz erkrankte Menschen und deren Angehörige im Kreis Heinsberg wies Gesundheitsamtsleiter Dr. Karl-Heinz Feldhoff hin: von Café Vergissmeinnicht und Selbsthilfegruppe über Beratungsstellen und Pflegetelefone bis zu Tagespflegeeinrichtungen und Altenheimen. Wer Hilfe benötige, könne sich auch an das Gesundheitsamt wenden, das dann Kontakte vermittele. Lob für die Netzwerkarbeit im Gesundheitswesen des Kreises Heinsberg gab es zum Schluss aus dem Mund von Christine Riesner. Sie habe noch nicht wissenschaftlich ergründet, warum sie im Kreis Heinsberg so gut funktioniere, wo sie sich doch in ländlichen Regionen häufig sehr schwierig gestalte, sagte sie anerkennend.
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