Alliander sieht viele Vorteile für die Stadt

Von: Petra Wolters
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„Das sind doch nette Demonstr
„Das sind doch nette Demonstranten”, merkte auch die Polizei an: Aus Solidarität mit den in Heinsberg tätigen Kollegen nahm auch Timo Klintworth mit seiner Frau Daniela Kirch und Söhnchen Max an der Demonstration auf dem Platz vor dem Rathaus teil. Foto: Petra Wolters

Heinsberg. „Wir sind enttäuscht!” Das sagte Udo Becker nicht nur so. Die Enttäuschung schwang deutlich hörbar mit in den Worten des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden der Stolberger EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH.

Er erfuhr am Mittwochabend von der in nicht öffentlicher Sitzung getroffenen Entscheidung des Heinsberger Stadtrates erfuhr. Demnach wird (wie aktuell berichtet) nach 40 Jahren nicht mehr sein Unternehmen für den Betrieb des Erdgasnetzes im Heinsberger Stadtgebiet zuständig sein, sondern für die nächsten 20 Jahre die Alliander Netz Heinsberg AG, die in Heinsberg bereits seit 2001 das Stromnetz betreibt und nun auch die Erdgaskonzession erhält.

„Aber jetzt ist es so”, fühlte auch er die Endgültigkeit der Entscheidung. „Wir haben alles getan, was wir konnten. Es bleibt nix über”, blickte er vor allem auf die Demonstration zurück, die er während der Stadtratssitzung vor dem Heinsberger Rathaus organisiert hatte. 330 der insgesamt 470 Mitarbeiter von EWV waren mit Bussen und Pkw nach Heinsberg gekommen, alle in gleiche, weiße T-Shirts gekleidet und mit grünen und weißen Luftballons sowie mit Sonnenblumen ausgestattet.

„Nette Demonstranten”

Auch Timo Klintworth (32) aus Stolberg, der als Lagerverwalter in Eschweiler-Weisweiler tätig ist und von dort aus lange Zeit das Heinsberger Nebenlager versorgt hat. „Die Solidarität gebietet doch, hier zu sein”, betonte er. Seine Trillerpfeife nutzte er dann allerdings nur, um seinem kleinen, elf Monate alten Max damit etwas vorzuspielen. Denn die Demonstration verlief ruhig. So zogen auch die anwesenden Polizeibeamten und die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes ein positives Resümee. „Das sind doch nette Demonstranten”, bemerkte einer der Polizeibeamten. „Die können noch mal kommen”, pflichtete ihm ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei.

Gekommen waren die Demonstranten auch in Sorge um die Arbeitsplätze des achtköpfigen Heinsberger Monteurteams. Obwohl Becker sicher ist, dass keiner der acht Beschäftigten zu Alliander wechseln möchte, wiederholte dessen Vorstand Jakob Wöllenweber am Donnerstag sein Angebot: „Alle, die bei uns anfangen wollen, können dies ohne Veränderungen in ihren bisherigen Beschäftigungsbedingen tun”, erklärte er. „Da geht es nicht um gesetzliche Bestimmungen, sondern um unsere ethische Einstellung!”

Die EWV-Vorwürfe, dass Alliander im Ausschreibungsverfahren keine gesetzliche Genehmigung zum Betrieb eines Erdgasnetzes und keine Referenzen habe vorweisen können, lässt Wöllenweber nicht gelten. Die Muttergesellschaft Alliander bediene in den Niederlanden Millionen von Kunden mit Strom und mit Gas. „Da kann man doch nicht hingehen und behaupten, Alliander könne in Deutschland kein Gasnetz betreuen.”

Für die Stadt Heinsberg sieht Wöllenweber über den eigentlichen Gasnetzbetrieb hinaus viele Vorteile, „denn die Betreuung von Strom- und Gasnetz aus einer Hand ist einfach effizienter. Die Kunden haben nur noch einen Ansprechpartner”, so Wöllenweber. Nicht unerwähnt ließ er, dass sich Alliander als ortsansässiges Unternehmen auch in vielfältiger Weise für die Kultur in der Kreisstadt und für die Jugendarbeit engagiere. Es gebe einen „ganzen Blumenstrauß” mit Beispielen einer guten Kooperation mit der Stadt, nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf kulturellem Gebiet.

EWV will Verwaltungsgericht Aachen mit Prüfung beauftragen

Das Unternehmen EWV will jetzt das Verwaltungsgericht Aachen beauftragen, die Rechtmäßigkeit des Konzessionsvergabe-Verfahrens der Stadt Heinsberg zu prüfen. „Wir haben erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens, da im laufenden Verfahren wesentliche Vergabekriterien zugunsten der Wettbewerberin Alliander Netz Heinsberg ausgetauscht oder geändert wurden”, erklärte am Donnerstag EWV-Pressesprecher Andreas Ihrig. So sei beispielsweise weit mehr als ein Jahr nach Beginn des Ausschreibungsverfahrens plötzlich auf das Erfordernis verzichtet worden, dass die Bieter bei Angebotsabgabe im Besitz einer gültigen Netzbetreiber-Genehmigung sein müssten. „Unser Ziel ist es, dass das Gericht die Vergabeentscheidung der Stadt überprüft und die Stadt verpflichtet, das Angebot der EWV anzunehmen oder wenigstens die vorliegenden Angebote der beiden Bieterunternehmen in einem rechtmäßigen und fairen Verfahren aufgrund der ursprünglich für die Ausschreibung aufgestellten Spielregeln neu zu bewerten”, so Ihrig.

Angesprochen auf diese Vorwürfe erklärte Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder am Donnerstag, dass während des Vergabeverfahrens ein Leitfaden der Energieagentur erschienen sei, dem entsprechend man das Verfahren dann ausgerichtet habe. Bei einem Fachanwalt habe man sich rückversichert, dass man dies auch während eines laufenden Verfahrens tun könne. „Wenn es Leitlinien einer übergeordneten Behörde gibt, dann sollte man sich doch auch danach richten”, erklärte er.
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