Akrobatik im alten Kastanienbaum

Von: Karin Klimmeck
Letzte Aktualisierung:
Beim Limburg-Festival: Tänzer
Beim Limburg-Festival: Tänzerische Akrobatik von den Amsterdamern Original Fake in Birgelen. Foto: Pütz

Wassenberg/Roerdalen. Die äußeren, nicht beeinflussbaren Voraussetzungen für ein Gelingen des Limburg-Festivals in Roerdalen und Wassenberg stimmten: Das Wetter war super, nicht zu heiß, als Zugabe ein leichter Wind. Die eifrigen Mitarbeiter der Verwaltungen in St. Odilienberg und in Wassenberg hatten alles perfekt vorbereitet.

Die Idee für das Festival hatte die niederländische Seite. Die Kombination von Straßentheater, Naturerlebnis und Radfahren kann als typisch niederländisches Angebot eingestuft werden, das im Grenzraum erst einmal Fuß fassen musste. Straßentheater mit Musik hat in Wassenberg gewissermaßen Tradition: Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es auf dem Roßtorplatz holländische Musikanten und später auch kleine Straßenmusikantengruppen aus dem Jülicher Land. Das ist längst eingeschlafen, aber die Einbettung von volkstümlicher Musik in das Festival ist geblieben.

Mehr als 1000 Besucher auf beiden Seiten der Grenze nutzten den Spielplan, dessen Stationen radelnd erreicht werden konnten. Allein in Birgelen waren es mehr als 700 Teilnehmer, die sich am Meldestand erkundigten. Auf holländischer Seite sollen es einige mehr gewesen sein.

In Birgelen wurde eine Naturkulisse mit Schulbau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts geboten, mit herrlichem Baumbestand und einer verlockenden großen Wiese. „Original Fake” nennt sich ein sympathisches junge Ehepaar aus Amsterdam, das eine akrobatisch angelegte Tanznummer zu fantastisch passender Klaviermusik bot. Was die junge Dame an einem dicken Querast der riesigen Kastanie des Schulhofes zeigte, war filmreif. Die Zuschauer waren gebannt und spendeten am Ende reichlich Applaus. Das Dollste kam aber noch: Der Förderkreis der Nachmittagsschuleltern hatte eine für unsere Heimat typische Kaffeetafel auf dem Rasen an langen Tischen und Bankreihen vorbereitet. Alles war selbst gebacken worden.

Herrliche „Fla” - auf beiden Seiten der Grenze identisch - schmeckten richtig lecker. Die Einnahmen flossen in die Fördervereinskasse. Dazu gab es frischen Kaffee und viele nette Gespräche, bei denen das gemeinsame Platt immer noch das ideale Verständigungsmittel ist. Schulleiter Heinz Pütz und Ortsvorsteher Karl-Heinz Dohmen waren wieder einmal kommunikationsfördernd mit von der Partie.

Auf dem Martinusplatz in Effeld warteten schon eine viele Radlerfamilien und einheimische Interessenten auf den Straßenmaler „Jon Hicks”. Der Mann ist ein großer Könner, ein moderner „Vincent van Gogh”, der seinen großen Vorfahren aus den Niederlanden auch heute noch Ehre macht. Jon Hicks malte zweiseitig gleichzeitig. Die Zuschauer waren verblüfft: Beide Gemälde auf einer Leinwand „stimmten”.

Leicht bergan fuhren viele Radler anschließend zum Heckentheater an den Wassenberger Bergfried. „Back up Theater” nannte sich die Dreiergruppe hochkarätiger Bodenakrobaten im Kellnerkostüm. Alles wirkte federleicht, was die Drei in ihrer Arbeitspause als Ausgleich zu ihrem ständigen Stehen als Kellner im Edelrestaurant veranstalteten, damit ihnen Arme und Beine nicht einschliefen. Es war eine tolle Nummer, die den Beifall verdiente.

Im Varenhof in Posterholt, im Garten des Kasteels Daelenbroeck bei Herkenbosch und an der Git-stapper Molen gleich hinter der Grenze Effeld/Vlodrop gab es weitere, tolle Vorführungen mit Musik, Akrobatik und Spaß. Das war für Kinder wie Erwachsene einmalig.

Danach fuhr man nochmal so gern mit dem „fiets” weiter über die gut ausgebauten Landstraßen und Radwege, die das Erholungs- und Naturgebiet Meinweg zu bieten hat. Es gibt kaum eine Region im Grenzgebiet, die im Terrassenland entlang der Rur und im Heidegebiet gerade um diese Zeit der zu Ende gehenden Heideblüte so reizvoll ist - für Radfahrer genauso wie für Wanderer. Unterwegs trifft man Salamander oder andere Tiere unberührter Natur.

Den Bediensteten der beiden Verwaltungen gehörte aufrichtiger Dank für eine sorgfältige Vorbereitung und Begleitung dieses Festivals der ganz besonderen Art. Die Anregung „Biergelen” quittierten die Frauen von der Roerstreek voller Anerkennung „Wat, datt habt ihr alles selbst gebacke? Donnerwetter!”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert