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23 Stolpersteine zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger

Von: hewi
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Bevor Stolpersteine gegen das
Bevor Stolpersteine gegen das Vergessen an verschiedenen Stellen in Erkelenz in die Erde gemauert wurden, trugen Hauptschüler an der Burgstraße ihre Gedanken vor und zündeten Kerzen am Judenstern an. Foto: Koenigs

Erkelenz. „Wir wissen, dass wir noch zu wenig wissen.” Was im ersten Moment enttäuscht klingen mag, waren in Lob und Anerkennung für die Arbeit der Schüler. Das betonte die Schulseelsorgerin Maria Bubenitschek angesichts der Arbeit der Erkelenzer Hauptschüler, auf deren Engagement hin am Mittwoch 23 Stolpersteine im Gedenken an die jüdischen Mitbürger vor deren letzten Wohnhäusern in den Bürgersteig versenkt wurden.

Vorangegangen war eine intensive Recherche über das Leben und Schicksal der Erkelenzer, die dem Rassewahn der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen waren. Trotz intensiver Arbeit waren ein paar Fotos und fragmentarische Biografien alles, was man heute über diese Menschen weiß. Dass zumindest die Namen nicht vergessen werden, dazu sollen die Steine beitragen, die von dem Kölner Künstler Gunter Demnig angefertigt und verlegt wurden.

Zunächst habe man sich auf die Innenstadt konzentriert, wie der Lehrer Josef Adams erklärte. Er leitet die Gruppe von Schülern, die sich im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts um die Pflege des jüdischen Friedhofs an der Neusser Straße kümmern. An sechs Stationen wurden die Steine verlegt und der 23 jüdischen Bürger gedacht, die dort einmal gewohnt hatten.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Astrid Wolters erklärte an der Burgstraße, sie sei dankbar, dass auch Angehörige der Verstorbenen den Weg nach Erkelenz gefunden hatten, um an der Gedenkfeier teilzunehmen. Eva Weyl war aus Amsterdam angereist. Die Eltern der 76-Jährigen stammten aus Erkelenz und flohen in den 30er Jahren in die Niederlande.

Dort wurde die Familie ab 1942 im Lager Westerborg bei Groningen interniert und überlebte „wie durch ein Wunder” den Krieg. Heute engagiert sich Weyl und hält Vorträge an Schulen, um einen Beitrag gegen das Vergessen zuleisten.

„Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen”, zitierte Demnig einen Schüler und dessen Begründung, weshalb die Gedenksteine „Stolpersteine” genannt werden. Einen weiteren Aspekt, der für ein Versenken der Steine in den Bürgerstein spricht, sei die Tatsache, dass man sich vor den Opfern verbeugen muss, um die Inschrift des Steins lesen zu können. Seit 1993 hat Demnig in ganz Europa rund 33.000 Stolpersteine verlegt.

Gestört wurde die Gedenkveranstaltung von einem Bürger, der Zettel verteilte, in denen er von den Juden als Menschen sprach, „die vor vielen Jahren aus dem Morgenland zu uns gekommen” seien. Darüber hinaus geißelte er die israelische Gaza-Politik und bezeichnete das Gebiet als Gefängnis.

Eva Weyl bezeichnete es auf dem Weg zur Station am Johannismarkt als „Aktion eines Einzelgängers”, der ihr leid tue.
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