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2016 ein „Superjahr“ für das Handwerk im Kreis Heinsberg

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Er spricht von einem „traumhaften“ Jahr: Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Foto: Udo Stüßer

Kreis Heinsberg. Den Baufirmen geht es sehr gut, Fleischer und Bäcker machen gute Geschäfte, und auch die Friseure sind zufrieden: Die Handwerker im Kreis Heinsberg sind mit einer großen Portion Optimismus ins neue Jahr gestartet.

„Bereits das Jahr 2016 war ein Superjahr für das Handwerk“, erklärt Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg. Haben im vergangenen Jahr 90 Prozent der 3431 Handwerksbetriebe mit 18 300 Beschäftigten im Kreis Heinsberg ihre Auftragslage als gut oder befriedigend bezeichnet, so rechnen bereits jetzt 85 Prozent der Betriebe auch für 2017 mit einer guten bis befriedigenden Auftragslage.

„So ein Jahr wie 2016 hatten wir seit der Wiedervereinigung nicht. Einfach traumhaft“, schwärmt Vondenhoff. „Anfang des Jahres ist man im Handwerk immer noch etwas pessimistisch, im Laufe des Jahres werden die Handwerker dann optimistischer“, erklärt der Geschäftsführer die gesunkene Zahl von „nur“ 85 Prozent.

Dass überhaupt kein Grund für Pessimismus besteht, macht Vondenhoff deutlich: „Die Konjunkturdaten sind gut. Die Zinsen sind niedrig, die Konsumbereitschaft ist hoch. Den Menschen geht es subjektiv gut. Sie sorgen sich um ihr Geld und investieren es in Betongold oder Sachwerte“, sagt er. Die Auftragsbücher der Betriebe seien durchschnittlich für die nächsten 5,6 Wochen gefüllt, im Baugewerbe sogar für die nächsten 9,2 Wochen. „So haben die Firmenchefs Planungssicherheit. Die Preise sind erfreulicherweise ebenfalls stabil.“

Fachkräfte fehlen

Allerdings herrscht im Handwerk nicht nur eitel Sonnenschein: „Die Betriebe könnten noch mehr leisten, wenn sie mehr Fachkräfte hätten. 40 Prozent der Betriebe suchen Fachkräfte. Das könnte bald dramatisch werden“, fürchtet Vondenhoff.

Der Geschäftsführer nennt die Gründe: „Alte Handwerker scheiden aus, die Firmen finden keinen Nachwuchs. Immer mehr junge Menschen machen Abitur und studieren.“ 30 Prozent der Studenten würden ihr Studium abbrechen, weiß Vondenhoff. Aber: „Die sind gealtert und nur schwer in eine Handwerksausbildung zu bekommen. Ein 16-Jähriger lässt sich natürlich leichter formen, ein 23-Jähriger lässt sich nichts mehr sagen.“

Ein weiterer Beweis für die gute Konjunkturlage im Kreis Heinsberg ist auch die gestiegene Anzahl der Betriebe. „Obwohl viele Handwerker aus Altersgründen aufgehört haben, ist die Anzahl der Betriebe um 20 gestiegen.“

Qualifizierte Jugendliche seien künftig im Handwerk gefragt, hat Vondenhoff in den Firmen erfahren. „Wir haben derzeit Vollbeschäftigung. Ich hoffe, dass sich künftig Flüchtlinge qualifizieren. Sie wären eine Hilfe für das Handwerk. Aber das ist noch ein langer Weg, das wird noch ein paar Jahre dauern.“

Was der Hauptgeschäftsführer sich für die Handwerker im Kreis Heinsberg wünscht, wäre eine größere Investitionsbereitschaft von Bund, Land und Kommunen in die Infrastruktur. „Da brauchen wir mehr Investitionen. Straßen, Schulen und die anderen öffentlichen Gebäude dürfen nicht verkommen. Aber die öffentliche Hand tut sich da schwer.“

Vondenhoff hat für die Handwerker noch einen weiteren Wunsch: „Neben den asphaltierten Autobahnen brauchen wir bessere Datenautobahnen.“ Viele Aufträge würden heute über das Internet abgewickelt. Da müssten umfangreiche Planungen und komplexe Zeichnungen via Internet verschickt werden. „Da sind wir derzeit auf einem guten Weg. Leider werden diese Leitungen nicht von Firmen aus dem Kreis Heinsberg verlegt, sondern von Firmen aus Rumänien, Polen und Bulgarien“, bedauert er.

Bis ins Ruhrgebiet

Bis ins Ruhrgebiet fahren die Handwerker aus dem Kreis Heinsberg zu ihren Auftraggebern. „Wir haben im Kreis Heinsberg viele große Baufirmen und überdurchschnittlich viele Handwerksbetriebe. Sie haben einen guten Ruf und sind meist günstiger“, erklärt Vondenhoff. Ursache für die überdurchschnittlich große Zahl von Handwerksbetrieben seien die früheren Zechen in der Region.

„Die Zechen brauchten auch Handwerker, deshalb wurde hier besonders viel ausgebildet.“ Große Bauunternehmer im Kreis Heinsberg würden nicht nur ihre Handwerksdienste anbieten: „Sie verfügen über große Sand- und Kiesgruben und über Recyclinganlagen. Sie bieten dem Kunden alles aus einer Hand an.“

Handwerk ist krisenfest

Vondenhoff richtet einen Appell an die Handwerksbetriebe: „Bildet weiter aus, auch wenn es schwer ist, die Ausbildungsplätze zu füllen.“ Haben die alten Handwerksmeister früher nur Bewerbungen sichten müssen, um Ausbildungsstellen zu besetzen, werben die Innungen nun schon in den Schulen für sich.

So will die Kfz-Innung in diesem Monat noch mit einem Lkw und einem repräsentativen Pkw für sich Werbung in der Realschule machen. „Viele Jugendliche können sich unter einem Handwerksberuf nichts mehr vorstellen. Wir müssen sie künftig da abholen, wo sie sind“, hat Vondenhoff festgestellt. Deshalb stellt sich das Handwerk auch am 4. Februar in den Berufsbildenden Schulen in Geilenkirchen vor.

Blickt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft auf die politische Großwetterlage, so treibt diese ihm keine Sorgenfalten ins Gesicht: „Die Weltpolitik hat nur Auswirkungen auf die Großindustrie. Das Handwerk ist krisenfest“, sagt er.

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