Düren - „Windenergie & Artenschutz“: Priggen setzt auf Kompromisse

„Windenergie & Artenschutz“: Priggen setzt auf Kompromisse

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Beim Thema Windenergie scheiden sich die Geister. Der Bund für Umwelt und Naturschutz hatte zu einer Podiumsdiskussion geladen.
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Die Energiewende ist nicht nur heiße Luft. Reiner Priggen und Walter Jordans standen in einer Diskussionsrunde Rede und Antwort. Foto: han

Düren. Eine Märchenstunde wurde es nicht, obwohl der Wind im Mittelpunkt stand. Hänsel und Gretel bezeichneten ihn noch als „das himmlische Kind“, in der Diskussionsrunde in der Fabrik Becker und Funck im Dürener Osten wirbelte der Luftstrom Gegensätzliches auf.

Die Kreisgruppe Düren im BUND hatte zum Thema „Windenergie & Artenschutz“ den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, Reiner Priggen, eingeladen, der auf fast jede Frage eine Antwort hatte und dem Fragesturm trotzte. Die Moderation des Abends hatte Walter Jordans, der die Diskussionsrunde geschickt leitete und Einfühlungsvermögen bewies, wenn Konträres sich zu einem Sturm aufzubauen drohte. Gerade das Thema Windenergie ließ so manches schneidige Lüftchen entstehen: „Windenergie Ja – aber nicht vor meiner Haustür!“

Reiner Priggen hatte zu Beginn der Veranstaltung klar gestellt, dass die Energiewende in NRW ohne den Ausbau von Windanlagen nicht möglich sei. Er sprach von ehrgeizigen Zielen, dass in Nordrhein-Westfalen bis 2025 Strom bis zu 30 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern, davon bis zu 15 Prozent aus Windkraft gewonnen werden könnte.

Konflikte aushalten

Nach Jahren des Stillstandes müssten Ausbauziele stärker in Angriff genommen werden. Klar war dem Politiker, dass mit den Standortfragen, wo Windkraftanlagen entstehen sollten, die Konfliktpotenziale sich steigerten. „Wenn wir den Weiterausbau wollen, müssen wir aber diese Konflikte aushalten“, sagte der Aachener.

Bestens informiert war er über die Probleme im Kreis Düren, die auch dadurch entstünden, dass jede Kommune ihre „Windparks“ an den Gemeindegrenzen plane. Problemzonen gäbe es in Hürtgenwald, Nideggen, Vettweiß, Nörvenich, wo die Bundeswehr mit ihrem Flugplatz Bedenken habe. Heftig attackiert wurde von Diskussionsteilnehmern der Hürtgenwalder Bürgermeister Axel Buch dem „Halbwahrheiten“ unterstellt wurden. So soll er mit Blick auf Anlagen im Hürtgenwald „mit Zwänge durch das Land“ argumentiert haben, das mindestens zwei Prozent der Gemeindefläche als Vorranggebiet fordere. Den Vorwürfen will Priggen nach gehen, der allerdings deutlich machte, dass von Düsseldorf aus kein Einfluss genommen werde. „Die Planungshoheit für solche Flächen liegt allein bei der Kommune.“

Es wäre unmöglich, die rund 300 Kommunen im Land auf Landesebene zu steuern, meinte der Politiker, der die Autonomie der Gemeinden unterstrich. Er zeigte allerdings auch auf, dass, wenn eine Kommune keine Konzentrationsfläche ausweise, jeder Einzelne im Bereich Energie etwas machen könne. Die Ausweisung einer Vorrangfläche wäre ein Ausschließungsgrund für Eigenunternehmungen. Würden „unsachgemäße Vorranggebiete ausgewiesen, hätten Betroffene Klagegründe.

Bis 2030 hofft der Landtagsabgeordnete stünden im Durchschnitt auf zwei Prozent der Landesfläche Windkraftanlagen, wobei natürlich zu berücksichtigen sei, dass in manchen Kommunen mehr Anlagen gebaut würden, da in Ballungszentren und Großstädten kein Platz wäre. „Wir machen also Strom für Köln“, empörte sich ein Anlagengegner.

Die vielen Fragen und Diskussionsbeiträge offenbarten das Dilemma der Energiewende. Planungsgegensätze, die zu Spannungen führte, Bürgerinitiativen, die sich gegen Standorte wehren, sei es um den Wald zu retten oder Eigeninteresse durch zu setzen. So wurden erneut Forderungen nach einer kreisweiten Planung laut, die aber schon einmal scheiterte, weil die Gemeinden nicht mitzogen.

Reiner Priggen plädierte für Kompromisse. Im Blick hatte er auch die Naturschutzverbände, die zwar die Nutzung der Windkraft begrüßten, allerdings nur, wenn die Standorte mit den Anforderungen des Naturschutzes und der Landschaftspflege übereinstimmten. Welche Forderungen erhoben wurden, machten Vertreter deutlich. Weg vom Nationalpark, freier Flug für Fledermäuse und Abendsegler.

Tragbare Kompromisse müssten erarbeitet werden, forderte er und die Naturschutzverbände zur Zusammenarbeit auf. Notwendige Wege sah der Landtagsabgeordnete in der Energieeinsparung und pochte auf ein Überdenken der EEG-Umlage, damit „abartige Befreiungen“ eingedämmt würden. Wer den Atomausstieg wolle und die Verknappung herkömmlicher Energieträger sähe, komme an der Energiewende und der Windkraft nicht vorbei, machte er deutlich.

Blieb zum Schluss die Einsicht eines älteren Diskussionsteilnehmers, der eine chinesische Weisheit zitierte. „Kein Wind ist nur dem günstig, der nicht weiß, wohin er segeln soll.“

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