Kreis Düren - Vier Schiedsschüler warten auf Arbeit

Vier Schiedsschüler warten auf Arbeit

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Samet Koc, Nikithan Thanabalas
Samet Koc, Nikithan Thanabalasingham, Cara Frenzel, Mergim Haxhija (vorne, von links) sind ausgebildete Schiedsschüler. Sie können ab sofort angerufen werden, wenn das Fehlverhalten von Schülern geahndet werden soll.

Kreis Düren. Seit ihrem Besuch im Kreishaus sind Cara Frenzel (Gymnasium Kreuzau), Nikithan Thanabalasingham (Hauptschule Birkesdorf), Samet Koc und Mergim Haxhija (beide Hauptschule Aldenhoven) keine einfachen Schüler mehr.

Aus den Händen von Landrat Wolfgang Spelthahn nahmen sie ihre Zertifikate entgegen, die sie nun als „Schuschies” ausweisen, was für Schulschiedsschüler steht.

Ihre Aufgabe ist es ab sofort, sich in ihrer Freizeit mit dem Fehlverhalten anderer Schüler auseinander zu setzen. Raufereien, Pöbeleien, Beleidigungen, Sachbeschädigungen - jeder Verstoß gegen das Schulgesetz oder die Schulordnung, der von Jugendlichen der Sekundarstufe I in einer Schule im Kreis Düren begangen wird, kann zu einem „Fall” der vier Schulschiedsschüler werden.

Auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe sind Cara, Nikithan, Samet und Mergim gründlich vorbereitet worden. In Seminaren haben sie die Grundzüge des Straf- und Schulrechts kennen gelernt, haben Gesprächsführung trainiert und wissen, wie man Regelverletzungen angemessen sanktioniert.

Verfehlungen ahnden

Um aktiv werden zu können, müssen Schulleitung und „Täter” der Verhandlung des Falls vor der Schulschiedsstelle zustimmen. Dann wird ein Termin im Schulamt des Kreises angesetzt, zu dem der Täter und der Leidtragende eingeladen werden, eventuell auch deren Eltern. Ihre Fälle verhandeln die „Schuschies” stets zu dritt (aber nie, wenn eigene Mitschüler betroffen sind), immer unterstützt von der in Birkesdorf tätigen Sozialpädagogin Petra Engels-Kersting.

Zunächst heißt es, Gespräche führen, um sich ein Bild vom Sachverhalt zu machen. Ist das rund, folgt die Bewertung. Verfehlungen können mit einer Entschuldigung aus der Welt geschafft werden, es kann aber auch tätige Reue im Ableisten von bis zu 20 Sozialstunden gefordert werden. Bei der Urteilsfindung berät die Sozialpädagogin die Jugendlichen; das letzte und damit ausschlaggebende Wort sprechen allerdings die „Schuschies”.

Ist der Vorgeladene mit dem Schiedsspruch nicht einverstanden, kann er ihn zurückweisen. Dann wird die Angelegenheit seiner Schulleitung übertragen. Die „Schuschies” selbst protokollieren ihre Verhandlungen, über die sie nach außen striktes Stillschweigen bewahren müssen. Lediglich die einem Schüler auferlegte Sanktion wird der Schulleitung mitgeteilt.

Die NRW-Landesregierung hat das Pilotprojekt „Schulschiedsstelle” ins Leben gerufen, weil Forschungen gezeigt hatten, dass Gleichaltrige bei Jugendlichen mit Problemen oftmals mehr erreichen als Erwachsene. Auf Initiativen von Schulamtsdirektor Josef Lemoine wurde das Konzept im Kreis Düren umgesetzt. Nach der Auftaktveranstaltung im Frühjahr 2011 begannen 16 Jugendliche aus dem Bezirk Köln mit der Ausbildung.

Auch die vier aus Düren sind nun zertifiziert und warten auf Arbeit. Schulen, die das Modellprojekt näher kennen lernen möchten, können Infomaterial beim Schulamt für den Kreis Düren, Bismarckstraße 16, 52348 Düren anfordern.
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