Verbot von Killerspielen ist keine Lösung des Problems

Von: bel
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Dr. Frank Robertz referierte anschaulich über Gefahren von Killerspielen im Netz und gab Erzieherinnen, Lehrern, Polizeibeamten und Sozialarbeitern Anregungen, wie das Problem anzugehen sei. Foto: Elberfeld

Kreis Düren. „Unsere Jugend hat keine Manieren.” Sozialpädagoge und Kriminologe Dr. Frank Robertz aus Berlin, aufgewachsen in Huchem-Stammeln, verblüffte bei einer Veranstaltung zum Thema Medienkompetenz des Netzwerks zur Gewaltprävention im Kreis Düren einige Gäste in der Aula des Berufskollegs Düren mit diesem Zitat.

Robertz verriet, dass dieser Spruch von einem der größten Philosophen stamme, von Sokrates. Der Referent wartete noch mit vielen ähnlichen Aussagen über die Jugend im Laufe der Jahrhunderte auf. Bis heute hat sich in diesen Aussagen Erwachsener über die Jugend offenbar nichts geändert.

Shakespeare gar wollte das Alter zwischen elf und 21 Jahren ganz abschaffen, weil diese Zeit dem Menschen nur Verdruss und Ärger, aber keinen Nutzen einbringe. „Unsere heutige Jugend”, stellte Robertz fest, „ist nicht schlechter und nicht besser als frühere Generationen. Sie ist wohl mit größeren technischen Möglichkeiten ausgestattet.” Größere technische Möglichkeiten wozu?

Robertz führte zur Veranschaulichung ein Dreieck ein. Kinder und Jugendlichen leben in einer Realität, die alle Menschen umgibt. Wird diese Realität zu langweilig - und das war auch vor den neuen Medien so - flüchten sie in eine Fantasiewelt, verstärkt von Büchern und Filmen.

Doch als dritten Eckpunkt gibt es eben seit Jahren die so genannte „virtuelle Realität”, die die Fantasie eines Heranwachsenden voll beschäftigen kann. Aus dem pubertierenden Jungen, der in der realen Welt nur wenig Anerkennung finde, werde im Netz ein waffenstrotzender Held. „Die große Gefahr besteht hier”, erklärte Robertz, „dass der junge Mensch sich in der virtuellen Welt verliert.”

Killerspiele spielen im Übrigen nicht nur Jugendliche. Laut Statistik liege das Durchschnittsalter bei 31 Jahren. Betroffen seien alle Bildungsschichten. Jungen seien bei Gewaltspielen allerdings in der Überzahl, Mädchen bevorzugten eher Singspiele oder Videos, die das richtige Leben in der Praxis zeigen. Jungen „spielten” dann eher die „Landung der Alliierten” in der Normandie nach. Bizarr werde es, „wenn der US-Armee die Soldaten ausgehen und sie deshalb mit Kriegsspielen Werbung für neue Rekruten machen muss”.

Gefährlich werde es, meinte der Referent, wenn die Benutzer des Internets noch sehr jung und wankelmütig seien und in einer gewalttätigen Umgebung aufwachsen. Diese Menschen könnten dann Gewaltfantasien entwickeln, wobei Rache, Selbstüberhöhung und Nachahmung des jeweiligen Helden eine Rolle spielen. Verbote und straffere Gesetze würden nur bedingt helfen. Die Erfahrung zeige: An verbotene Spiele ist leicht dranzukommen.

Lösungen des Problems liegen für Robertz in einer sachlichen Diskussion und in einer klaren Grenzsetzung für Hersteller von Gewaltspielen. „Was jedoch am besten hilft, ist die Stärkung der Medienkompetenz.” Weder Verniedlichung noch Übertreibung seien hilfreich.

Robertz führte zahlreiche Möglichkeiten für Lehrer auf, wie sie mit ihren Schülern ins Gespräch kommen könnten. Jugendliche und Erwachsene, so lautete die Forderung des Kriminologen, müssten miteinander reden. „Die Prävention mit Hilfe von Kommunikation ist die große Möglichkeit, der Folgen der Gewalt im Netz Herr zu werden.” Allen Betroffenen empfahl der Referent, unbedingt die Webseite www.Klicksave.de anzuklicken, damit sie ihren Kindern helfen können.

Organisiert wurde die Veranstaltung von „Cool im Konflikt”, dem Netzwerk zur Gewaltprävention im Kreis. Gefördert wurde das Projekt von „Medien NRW”.
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