Sprachrohr für die, die kein Gehör finden

Von: Stephan Johnen
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Kreis Düren. Zwei Weltkriege, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und Zuwanderung - seit 100 Jahren stellt sich der Caritasverband Düren-Jülich den sozialen Veränderungen der Gesellschaft. Der runde Geburtstag wird am kommenden Mittwoch mit einem Festgottesdienst in der Dürener Annakirche gefeiert.

Während aller Krisen, Kriege, Aufschwünge, Abschwünge und Veränderungen hat sich die Kernaufgabe des katholischen Verbandes kaum gewandelt: „Not sehen und handeln” lautet das offizielle Motto.

Anwalt für die Menschen

„Die Caritas war und ist ein Sprachrohr für Menschen, die kein Gehör finden”, sagt Geschäftsführer Lothar Frank. „Wir beschränken uns nicht darauf, Almosen zu verteilen. Es geht darum, die Grundlagen zu ändern”, beschreibt er die gesellschaftliche Aufgabe der Caritas. Der Verband sei neben allen modernen Dienstleistungsangeboten in der Alten- und Krankenpflege, der Drogenberatung und Pädagogischen Familienhilfe auch als Anwalt für die Menschen tätig, die in den vergangenen 100 Jahren auf der Verliererseite standen.

In den Jahreskampagnen setzt der Verband dabei immer wieder neue thematische Schwerpunkte und macht auf Missstände aufmerksam. „Es steht der Caritas gut an, immer auf der Seite der Verlierer zu stehen”, findet Frank. Sich auf die Nöte der Menschen einzulassen, die Menschen in schwierigen Lebensphasen zu begleiten und stets die „Hoffnung zur Veränderung” zum Leitbild der Arbeit zu machen gehöre zum Anspruch des Verbands an sich selbst und zum Anspruch an die Mitarbeiter.

Im Gründungsjahr 1911 war die Caritas zunächst nur gesellschaftspolitisches Sprachrohr. Die soziale Arbeit fand in den Pfarrgemeinden statt, den Stiften und in den Einrichtungen der kirchlichen Orden und Wohlfahrtsverbände. Während des Ersten Weltkriegs übernahm der Verband die Versorgung von Soldatenfamilien und half in Lazaretten und Kriegsküchen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es die erste Zäsur: Während Wiederaufbau und Wirtschaftswunder setzte sich der Verband für die Schaffung von Wohnraum ein, in den Pfarren entstanden Nähstuben, in denen Hausfrauen lernten, alte Kleidung aufzuarbeiten. Auch das Kochen mit minimalen Mitteln stand auf dem Programm. Hauptaufgabe des Verbandes, berichtet Lothar Frank, seien die Erholungsmaßnahmen für Mütter und Kinder gewesen.

„Erst in den 70er und 80er Jahren ist die Caritas zu dem geworden, was heute alle als Caritas kennen”, erklärt Frank. Pflegten bis dato vor allem Gemeindeschwestern und Mitglieder der Orden alte und kranke Menschen, stellte der Verband hauptamtliche Laien ein. Die Caritas wurde zum Schritt für Schritt zum sozialen Dienstleister; die Dienstleistungen wurden in Rechnung gestellt. Neue Aufgabenfelder wie die Pädagogische Familienhilfe, die Drogenberatung und die Offene Jugendarbeit wurden beackert. Auch in der Aids-Vorsorge war der Verband tätig, es wurde ein Spritzen-Automat für Suchterkrankte aufgestellt und Kondome ausgegeben. „Das waren keine Themen der katholischen Kirche. Aber es waren Themen für uns, da Menschen in akuter Not waren”, sagt Lothar Frank.

Auf Veränderungen reagieren

Die gesellschaftlichen Entwicklungen gingen auch am Verband nicht spurlos vorüber. „Es ist ein Widerspruch in sich, dass wir beispielsweise Arbeitsbedingungen anprangern, bei denen Menschen kein ausreichendes Auskommen erhalten und selbst geringfügig Beschäftigte einstellen”, beschreibt Frank den Spagat zwischen Dienstleistung und Nächstenliebe.

Die Arbeit werde der Caritas wohl auch in Zukunft nicht ausgehen. „Es gibt Veränderungen in der Gesellschaft, bei denen wir uns selbst noch nicht bewusst sind, welche Aufgaben auf uns zukommen werden”, sagt Frank. Die Zahl der alten Menschen und die Zahl der Menschen mit Behinderung wachse beispielsweise, aber auch bei den Familienhilfen sieht der Geschäftsführer noch viel Bedarf. „Wie leben Familien zukünftig, wenn nur jeder dritte Mensch verheiratet ist und jede zweite Ehe geschieden wird? Und wer erzieht die Kinder?”, fragt Frank. Antworten auf offene Fragen zu finden, sei auch in Zukunft Aufgabe des Caritasverbandes.

850 Mitarbeiter und über 600 Ehrenamtler

Der Festgottesdienst zum 100. Geburtstag des Caritasverbandes Düren-Jülich wird am Mittwoch, 2. Februar, 9 Uhr, in der Dürener Annakirche gefeiert.

Aus den ehemals zehn Mitarbeiten des Verbandes sind mittlerweile über 850 Vollzeit- und Teilzeitkräfte sowie 600 ehrenamtliche Helfer geworden. Drei Altenheime beherbergen rund 360 Bewohner, täglich werden mehr als 1000 Menschen in den Pflegestationen betreut.

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