Kreis Düren - Schulden sind schwierig, aber keine Schande

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Schulden sind schwierig, aber keine Schande

Von: jan
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Die Mitarbeiter der Schuldnerb
Die Mitarbeiter der Schuldnerberatung sowie die Träger überreichten ihren Bericht für das Jahr 2011 an Landrat Wolfgang Spelthahn. Foto: Guido Jansen

Kreis Düren. Darf es vielleicht noch ein bisschen mehr sein? Beim freundlichen Fleischereifachverkäufer ist die Antwort auf diese Frage meist nicht sehr kostspielig. An anderer Stelle kann sie schwerwiegende Folgen haben.

Beispielsweise, wenn ein Flachbild-Fernsehgerät gekauft wird, dass noch einmal zehn Zentimeter mehr Bildschirmdiagonale bietet, obwohl die Haushaltskasse ein großes Loch hat.

Kreditgeber, die solche Bedürfnisse befriedigen, findet der Kunde immer. Wenn das Verlangen nach dem Neuen größer ist als das Augenmaß für das vorhandene Geld, dann sprechen die Experten von den Schuldnerberatungsstellen im Kreis Düren von mangelnder Finanzkompetenz. Und die ist immer häufiger der Grund, warum Menschen vor dem Ruin stehen. Das haben die Mitarbeiter der Schuldnerberatung am Montag erklärt.

In den Räumen des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Jülich überreichten sie ihre Jahresbilanz an Landrat Wolfgang Spelthahn. Der Kirchenkreis und die evangelische Gemeinde Düren sind die Träger, bei denen die acht hauptamtlichen Schuldenberater arbeiten. Finanzielle Unterstützung kommt vom Kreis Düren, dem Land NRW, dem Sparkasse- und Giroverband, der Sparkasse, der IG Metall und der Post AG.

Das Problem der mangelnden Finanzkompetenz hat einen Kurswechsel bei der Schuldnerberatung verursacht. Bis Ende 2011 lief das vom Kreis Düren finanzierte Projekt Schuldnerberatung mit integrierter Sozialberatung. Drei Jahre lang investierte der Kreis darin, dass die Berater die verschuldeten Bürger nachhaltig betreuen konnten. Sie stellten nicht nur eine Musterrechnung auf, mit der der Weg aus den Schulden gelingen sollte.

Auch das Abstellen der Fehler und des Verhaltens, die zu roten Zahlen geführt haben, waren Themen. Der Kurswechsel jetzt strebt eine rechtzeitige Aufklärung an, die Wirkung zeigt, bevor das Minus erdrückend groß wird. Die nachhaltige Betreuung muss deswegen zurückgefahren werden, weil die Mittel in die Vorsorge investiert werden.

„Wir würden gerne mehr Zeit für die Ratsuchenden haben. Das würde helfen”, erklärte Beraterin Stefanie Richter. Aber mehr Geld als für 6,3 Planstellen, mit denen acht Mitarbeiter finanziert werden, ist nicht vorhanden. Die acht Mitarbeiter und sechs Ehrenamtler machen laut Spelthahn einen guten Job. Der Landrat berichtete von einem Mann, der sich bedankt habe, weil die Berater ihm in einer scheinbar ausweglosen Situation neuen Lebensmut vermittelt hätten.

Der Bedarf ist da. 1903 Menschen aus dem Kreis haben das Beratungsangebot 2011 in Anspruch genommen. Damit steigen die Zahlen weiter. Drastisch verschärft hat sich die Lage beim Blick auf die Höhe der roten Zahlen. 41.000 Euro hoch waren die Schulden im vergangenen Jahr im Schnitt. 2010 lautete diese Zahl 30.000. Deutlich mehr geworden sind die Privatinsolvenzen.

288 Menschen haben einen solchen Antrag 2011 gestellt, 69 mehr als 2010. Der größte Teil der Ratsuchenden stammte aus der Altersgruppe der 30- bis 50 Jährigen. Trotzdem soll die Aufklärungsarbeit schon bei jüngeren Menschen beginnen. Zwar sei die Zahl der Ratsuchenden unter 20 Jahren verschwindend gering. Sechs Menschen meldeten sich im vergangenen Jahr, das sind 0,3 Prozent.

„Das hat einerseits damit zu tun, dass man erst mit 18 Jahren Schulden machen kann”, sagte Beraterin Stefanie Richter. „Andererseits springen oft die Eltern ein.” Die Probleme seien jedoch da. Ein weiteres ist die falsche Scham. Darauf wies Liesel Koschorreck, die Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses des Kreises hin. Die Scham, sich Schulden einzugestehen, sei nicht nur bei jungen Menschen besonders groß. Das gelte vor allem für ältere. Denn die Altersgruppe der über 60-Jährigen nimmt die Beratungstermine am zweithäufigsten in Anspruch.

„Es ist keine Schande, Hilfe beim Staat zu beantragen. Diese Hemmschwelle müssen wir überwinden”, sagte Wolfgang Spelthahn. Ein Teil der Hemmungen liege, so die Berater, in der Angst vor dem Antrag. Beispiel Teilhabepaket, das unter anderem die Mitgliedsbeiträge für Kinder bei Sportvereinen auffangen soll. „Der Antrag ist oft zu kompliziert”, sagte Beraterin Claudia Ritter.” Deswegen kommt das Paket nicht an.”
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