Düren - „Santiano“: Bombastischer Sound, Schlager und Trinklieder

„Santiano“: Bombastischer Sound, Schlager und Trinklieder

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Björn Both, der Bassist von „Santiano“, und Fiddler Peter David Sage, der musikalische Spiritus Rector, begeisterten das Publikum in der Arena Kreis Düren. Foto: Hannes Schmitz

Düren. „Zwischen den Gezeiten“ segelte Santiano, flutete die ausverkaufte Arena Kreis Düren mit nicht unbedingt neuen Melodien und sinnentleerten Texten, coverte genüsslich und ließ keinen Zweifel daran, dass bei den musikalischen Einfällen wohl Ebbe herrschte.

Die Gruppe aus dem hohen Norden, die nach einem sagenumwobenen Segler benannt wurde, waren „Freibeuter“ der Noten, bedienten sich bei meist englischsprachigen Evergreens, Shantys und keltischem Folk. Eine deutscher Text dazu, und fertig war das Schlager-Produkt, das mal nach den Pogues oder Peter Maffay klang. Ein Live-Auftritt in einem bombastischen Sound, der die Gehörgänge zudröhnte und die Augen durch die Pyrotechnik blendete. So wurde von musikalische Schwächen abgelenkt.

Schon der Beginn der Veranstaltung war von einem merkwürdigen Flair. Da tauchte vor dem Vorhang eine Sängerin im wallenden Hängerchen auf, entpuppte sich als Popsternchen Oonagh, ließ sich von einer Windmaschine Luft ins Kleid und Haar blasen und hatte im Rücken, quasi wie ein Schatten, eine dunkelhäutige Backgroundsängerin und driftete in esoterischen Konservenpop ab.

Dann ertönte zunächst endlos erscheinendes lärmendes, nerviges Rauschen und Nebelhörner, Möwengekreische und eine Stimme aus dem Off, die die Legende vom 27-Master „Santiano“ erzählt und von Verwegenheit, Erbarmungslosigkeit, Mut, Entschlossenheit, Hoffnung, Sehnsucht und Unbeugsamkeit sprach. Und als dann der Vorhang nach 25-minütigem Vorspiel fiel, standen Musiker auf der zu einem Vorderdeck aufgebauten Bühne, die diese Gnadenlosigkeit, Robustheit und Rauheit, beseelt von einem unwahrscheinlichen Freiheitsdrang, verkörpern sollten und auf „harte Kerle“ in Lederhosen getrimmt waren, die nicht nur Frauen anzogen.

Das Musikprojekt

Das Musikprojekt „Santiano“, von einem Mediengiganten (Universal Musik) und einem privaten Fernsehsender (ProSiebenSat.1) vermarktet, hatte seine Fans in der Arena, segelte auf einer riesigen Erfolgswelle. Sie sangen die Lieder mit, standen meistens während des Konzertes, obwohl sie Sitzplätze bezahlt hatten, lauschten, wenn Seemannsgarn gesponnen wurde oder der Klabautermann polternde umher ging und aus dem Segler plötzlich ein Geisterschiff wurde. Die Mannen auf der Bühne boten für jeden Geschmack etwas, wenn man sich es denn vorstellen wollte, gaben Phrasen über Freiheit und Treue zum Besten („Wir sind uns treu bis zum Tod, bis uns der Teufel holt“).

Da gab es den Draufgänger und einen albernen Hippie-Geist auf der Bühne. Fast alles drehte sich jedoch Björn Both. Der Bassist war die Seele des Ganzen und hatte den Fiddler Peter David Sage als musikalischen Spiritus Rector an seiner Seite.

Gut geschauspielerte Freiheitsliebe und schon war der überwiegende Teil des Publikums aus dem Häuschen, erlebte freudig einen Gesangsmarathon ohne Pause mit Trinkliedern, Schlagern und dem zum „Walhalla“ umgedichteten Hit „All you Zombies“. Das Phänomen „Santiano“, die Gruppe besteht seit drei Jahren, war nicht zu erklären.

Vielleicht war es der Wunsch nach Seefahrer-Romantik, und manch Älterer hätte sich wohl aufgrund der fast unerträglichen Lautstärke in der Halle Freddy mit seinem leisen „Junge komm bald wieder“ zurück gewünscht.

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