Projekt für Schulverweigerer wird fortgeführt

Von: niko
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„Der Schulabschluss ist die E
„Der Schulabschluss ist die Eintrittskarte in eine spätere Qualifizierung”, sagte Thomas Rachel (3.v.r.) bei der Übergabe der Förderzusage des Ministeriums an den Vorsitzenden des Sozialwerkes Dürener Christen Kurt Schröder (4.v.r.). Simone Hacker (r.) und Karina Umlauf (l.). Foto: Bellgardt

Kreis Düren. Gute Nachrichten aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend überbrachte Staatssekretär Thomas Rachel (CDU) dem Sozialwerk Dürener Christen. Das im Jahr 2008 gestartete Projekt „Schulverweigerung - zweite Chance” wird für weitere drei Jahre mit 314.000 Euro bis Ende 2013 gefördert.

Bei diesem Projekt kümmern sich sechs Sozialarbeiter an kreisweit 19 Haupt-, Gesamt- und Förderschulen um Schüler ab zwölf Jahren, die die Schule schwänzen oder im Unterricht sitzen, diesem aber nicht mehr folgen. In enger Abstimmung mit Eltern, Lehrern und Trägern der Jugendhilfe wird versucht, die Schüler wieder an das Lernen heranzuführen. Ziel ist es, dass die Jugendlichen einen Schulabschluss machen. Künftig soll sich die „zweite Chance” auch um Schulabbrecher aus Berufsschulen kümmern.

„Die Frage, ob junge Leute ihren Platz in unserer Gesellschaft finden, entscheidet sich über die Frage der Bildung. Insofern kann es uns nicht zufriedenstellen, wenn es Jugendliche gibt, die aus dem Bildungsprozess herausfallen”, sagte Thomas Rachel. Im Blick des Programms sind Jugendliche, die sich in der ganz großen Gefahr befinden, überhaupt keinen Schulabschluss zu bekommen.

Die Idee, dass Schüler während der Schulzeit über Einblicke in Berufe besser motiviert werden, auch das Notwendige zu lernen, damit sie ihre Berufsziele erreichen können, ist beim Sozialwerk schon länger gängige Praxis. „Unser Angebot folgte der Notwendigkeit, die sich bei den Schulen ergab. Wir brauchen eine Ergänzung zum Kennenlernen von Lebensmöglichkeiten”, bedankte sich Professor Dr. Kurt Schröder, Vorsitzender des Sozialwerks Dürener Christen, beim Überbringer der guten Nachricht.

Warum Schüler dem Unterricht fern bleiben? Meist seien es familiäre und schulinterne Probleme. Migrationshintergründe und Suchtprobleme könnten auch eine Rolle spielen. „Gerade die älteren Schüler leiden oft an Perspektivlosigkeit. Was passiert eigentlich nach der Schule? und Habe ich überhaupt noch eine Chance? sind Fragen, die die Jugendlichen bewegen”, berichtete die pädagogische Leiterin des Projekts, Karina Umlauf. Sie ist froh, dass das Projekt fortgeführt werden kann. Der Bedarf sei vorhanden.

Das Angebot ist genauso vielfältig wie die Probleme der Schüler: die Suche nach Praktikumsplätzen, das Aufzeigen der Alternativen oder auch der kombinierte Unterricht von Praktikum und Schule in einer „Busklasse” für Schüler, die im letzten Schulbesuchsjahr sind. In den vergangenen drei Jahren gab es 199 intensive Betreuungsfälle, und es wurde erfolgreich ein Netzwerk der Hilfe aufgebaut. „Wir haben auch festgestellt, dass Schulverweigerung kein typisches männliches Problem ist. Knapp die Hälfte der betreuten Schüler waren Mädchen, die Probleme hatten”, berichtete Karina Umlauf. „Unsere Arbeit ist eine Motivationsleistung und dauerhafte Beziehungsarbeit”, erklärte Simone Hacker. Sie wird mit ihren drei Kolleginnen und einen Kollegen aktiv, wenn ein Lehrer oder auch Eltern auffälliges Verhalten beobachten.

Mitarbeiter des Sozialwerks gehen direkt an die Schulen und unterstützen und betreuen Schüler ab der Klasse 5 und 6 sowohl einzeln als auch in Gruppen. Dabei vereinbaren sie mit den Schülern Pläne, wie sie wieder in den Unterricht integriert werden können, und kontrollieren die Umsetzung. Weiteres wesentliches Element des Projekts ist die Arbeit mit den Eltern und den Lehrern. Zusätzlich gibt es das Angebot der Werkstattgruppe, wenn es um die Frage der Lernortverlagerung für Schüler geht, die nicht mehr an der Schule gehalten werden können.

„Das ist wirklich das Neue an diesem Projekt vor drei Jahren gewesen. Vorher haben wir immer nur noch versucht zu reparieren, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen war. Jetzt kommen wir sofort rein, wenn sich Probleme im Vorfeld zeigen”, ist Geschäftsführer Günther Kirschbaum froh, auch in Zukunft eingreifen zu können.
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