Kreis Düren - Olympia in Deutschland? Ja, aber...

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Olympia in Deutschland? Ja, aber...

Von: Axel Keldenich
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„Ja, aber...“ lautete das Fazit der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zum Thema Olympia in Deutschland. Foto: Axel Keldenich

Kreis Düren. Die Podiumsteilnehmer waren sich schon zu Beginn einig. „Ist Olympia in Deutschland für Sie ein Traum?“ hatte Moderator Bastian Rudde gefragt und alle antworteten :Ja, aber...“ beziehungsweise „Trotz allem ja.“

Um die ‚Abers‘ ging es im Folgenden bei der öffentlichen Mitgliederversammlung der Zweigstelle Kreis Düren der Deutschen Olympischen Gesellschaft. Neben dem WDR-Redakteur diskutierten im Dürener Kreishaus Julius Brink (Beachvolleyball-Olympiasieger London 2012), Harald Denecken (Präsident Deutsche Olympische Gesellschaft), Christian Breuer (Athletensprecher und Vorstandsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes), Bernd Werscheck (Dozent Deutsche Sporthochschule Köln, Olympia-Teilnehmer 2004 und Ex-Trainer der Dürener Bundesliga-Volleyballer), Michael Scharf (Leiter Olympiastützpunkt Rheinland Köln) sowie Hausherr Landrat Wolfgang Spelthahn, der auch Vorsitzender der hiesigen DOG-Zweigstelle ist.

Sie alle sahen die Problematik, dass viele Bürger gerade nach den Winterspielen in Sotschi sportlichen Großereignissen generell kritisch gegenüberstehen. Dabei sprachen sie auch kritisch an, dass das Internationale Olympische Komitee genau wie die FIFA bei Fußball-WMs sehr dominant auftritt und beispielsweise im Gastgeberland keine Steuern zahlt. Das macht es für die Bewerber- und spätere Ausrichterstädte noch schwerer, die immensen Investitionen aufzubringen. Deshalb diskutierte das Podium auch die Idee, die Spiele in Zukunft an Regionen zu vergeben. Dabei sahen die Fachleute aber die Gefahr der „Zerfaserung der Spiele“, wenn Wettkampfstätten hunderte Kilometer voneinander entfernt sind.

Generell war man der Meinung, dass man mitunter etwas durchziehen müsse, auch wenn im Vorfeld eine starke Ablehnung zutage tritt. „Viele wissen doch gar nicht, was da wirklich passiert“, argumentierte Harald Deneken „und wenn Ihnen dann alles gefällt, wissen sie gar nicht mehr, warum sie vorher dagegen waren. Da gibt es zu viele Ewig-Nein-Sager.“

Während er dafür plädierte, sich in diese Leute hineinzuversetzen und das Gespräch mit ihnen zu suchen, war Julius Brink davon überzeugt, dass man bei der Mehrzahl eher auf Granit beiße, weil diese Leute gar keine Diskussion zuließen. Allerdings sieht Brink auch ein Problem, wenn jetzt gerade Berlin und Hamburg als Ausrichter in der Diskussion sind: „Diese beiden beweisen doch mit ihrem Flughafen und der Elbphilharmonie gerade, dass sie Großprojekte nicht auf die Reihe kriegen.“

Michael Scharf bemängelte, dass die olympische Erziehung in den Schulen zu kurz komme und auch die gesundheitliche Stärkung durch den Sport kaum berücksichtigt werde. Die ehemaligen Olympioniken unterstrichen auch, wie interessant es für sie gewesen sei, bei diesem unvergesslichen Erlebnis mit Sportlern anderer Disziplinen in so direkten Kontakt gekommen zu sein.

Für die Sportler selbst ist auch die finanzielle Seite eines bis zur Olympiareife führenden Trainings ein Thema. Einig waren sich alle Diskutanten, dass der Staat hier viel mehr investieren müsse. Immer wieder wurde dabei der Vergleich zum Bereich Kultur gezogen, in die bei etwa gleicher Interessentenzahl ein Vielfaches der Sportförderung gesteckt werde. „Dabei spielt kein Kind mehr Geige, wenn die Elbphilharmonie eines Tages fertig ist. Wenn wir aber im Beachvolleyball die Goldmedaille gewinnen, stehen eine Woche später jede Menge Jugendliche bei den Volleyball-Vereinen vor der Tür.“ Darüber hinaus forderte Julius Brink, die Strukturen im Sport zu verbessern. Für ihn ist „Olympia ein kränkelndes Produkt, das überarbeitet werden muss.“

Dem stimmte die Runde zu und verwies sowohl auf junge Sportler wie auf die Schulen und die Verbände wie auch das nationale und Internationale Olympische Komitee. Vor allem aber richte sich diese Aufforderung an potente Sponsoren in der Wirtschaft, die im Vergleich zu ihrem Engagement beispielsweise im Profi-Fußball viel zu wenig Interesse an den olympischen Sportarten hätten.

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