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Neu-Imkerin erntet im ersten Jahr 23 Kilo Honig

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Die erste Ernte: Anne Bergschneider hat vor einem Jahr mit der Imkerei begonnen. Foto: sj

Brandenberg. So einfach ist die Sache mit den Bienen und Blumen nicht. Auch Biologielehrer können noch viel lernen, wenn es um die Imkerei geht. „Ich hatte mir eingebildet, ich wüsste etwas über Bienen“, sagt Anne Bergschneider und lacht. Die Diplom-Biologin, die als Lehrerin arbeitet, ist vor kurzem in die Imkerei eingestiegen.

Sie nutzte das Angebot des Imkervereins Rurtal und besuchte eine Schulung für Anfänger, die der Verein auch in diesem Jahr anbietet. Ob Bienentanz oder Honigherstellung: Die Pädagogin drückte selbst noch einmal die Schulbank. 23 Kilogramm Honig sind das Ergebnis ihres ersten Jahres als Imkerin, zweimal konnte sie ernten. Ja, man kann es so sagen: Anne Bergschneider hat Honig geleckt.

Eigentlich sei es nicht verwunderlich, sagt sie. „Meine Oma aus Ostpreußen hieß immer nur ‚Oma Bienchen‘. Sie hatte einige Völker“, erklärt Anne Bergschneider. Als sie mit einer Schulklasse einen Imker besuchte, reifte der Entschluss, es selbst einmal zu versuchen. In der Zeitung dann stieß sie auf die Vorankündigung einer Schulung – und meldete sich an.

„Das Hobby wurde früher vor allem in der Familie weitergegeben“, erklärt Anselm Heiß vom Imkerverein Rurtal. Meist übernahm der Sohn die Ausrüstung des Vaters. Die Imker freuen sich auf Unterstützung und neue Mitstreiter. Der Altersdurschnitt liegt aktuell etwas über 60 Jahre. „Ab 70 wird es schwieriger“, erklärt Heiß. Die Arbeit mit Bienen sei schließlich auch körperliche Arbeit. Neuimker, die sich beim Verein zu Schulungen anmelden, haben meist das 30. Lebensjahr hinter sich gelassen, oft sind die Interessenten auch älter als 40. „Viele Menschen machen sich Gedanken, was sie später im Ruhestand machen“, sagt Anselm Heiß. Es freut ihn aber, dass auch viele Kinder ihren Eltern über die Schultern schauen.

Drei Dinge sind für den Imker grundlegend: Interessenten sollten keine Bienenallergie haben, über ein ausgeprägtes Interesse an der Natur verfügen und mit ihren Nachbarn über die geplante Einflugschneise für ein Bienenvolk gesprochen haben. Angst müsse niemand vor den Bienen haben, betont Heiß. Die Tiere seien dank entsprechender Züchtung immer friedfertiger geworden.

Platz genug gibt es im Garten der Bergschneiders ohne Frage. Etwa 40 Obstbäume stehen dort. Auch deswegen hat sich Anne Bergschneider für die Imkerei interessiert. Mehrere Ausweichplätze gibt es im Garten, doch die Beute, die moderne Form des Bienenkorbs, steht direkt vor dem Haus. Kein einziges Mal habe sich eine Biene ins Haus verirrt. Doch Anne Bergschneider war viel draußen: Abräumen, Krankheitsprävention, Wabenpflege und das Beifüttern im Winter – zu tun gibt es das ganze Jahr über etwas. Langweilig wird es auf keinen Fall.

Was müssen Neueinsteiger anlegen? Anselm Heiß überschlägt die Investitionskosten für Beute, Zubehör und Bienenvolk und kommt auf rund 1000 Euro, die in den ersten Jahren investiert werden müssen. „Vielleicht findet ein Neueinsteiger ja auch einen alten Imker, der aufhört“, sagt Heiß. Eine eigene Schleuder müssen Neueinsteiger jedenfalls nicht anschaffen: Der Verein besitzt eine, die genutzt werden kann.

Obligatorisch sind die Anmeldung bei der Tierseuchenkasse NRW, damit der Imker gegen den Verlust seiner Völker im Falle einer Seuche versichert ist, und eine Anmeldung beim Veterinäramt. In der Schulung für Neuimker werden rechtliche Grundlagen der Bienenhaltung ebenso vermittelt wie die Völkerführung während des Jahres, Bienenkrankheiten und ein Honiglehrgang. Dieser berechtigt die Teilnehmer zur Vermarktung des Honigs unter dem Label „Deutscher Imker Bund“. Eine spätere Mitgliedschaft in einem Imkerverein ist nicht zwingend erforderlich, Anselm Heiß empfiehlt aber gerade Einsteigern, vom „Wissenstransfer in den Vereinen“ zu profitieren. Das ganze Jahr über bieten Vereine praktische Arbeiten und theoretische Übungsstunden an, wer Hilfe sucht, erfährt sie auch.

Diese Erfahrung hat auch Anne Bergschneider gemacht. Als die Bienen in ihrem Garten schwärmten, wusste sie nicht, was ihr geschieht. „Rein theoretisch wusste ich schon, was ich tun sollte“, blickt sie zurück. Rein praktisch aber griff sie zunächst zum Telefon und rief einen befreundeten Imker an, der ihr erklärte, wie genau sie die Bienenschwärme wieder „einfängt“. „Es war fast so laut wie ein Düsentriebwerk“, erinnert sich Anne Bergschneider. Mit den Tipps vom erfahrenen Imker-Kollegen und einem beherzten Vorgehen hat sie die Schwärme wieder eingefangen. „Imker sprechen eine eigene Sprache“, schätzt sich Anne Bergschneider glücklich, dass es auch Imker gibt, die als Dolmetscher fungieren. Viele wertvolle Tipps gebe es auch zu Aufzucht und Pflege der Bienen.

Stunden vergehen wie im Fluge

Drei Völker sind zunächst das Ziel der Brandenbergerin, danach möchte sie weiterschauen. Etwas mehr Honig darf es im kommenden Jahr auch sein. „Wir müssen die Gläser festhalten“, sagt sie augenzwinkernd. Ihr Hobby wecke offenbar den Appetit der Bekannten auf Honig, scherzt Anne Bergschneider. Die Zeit, die sie im vergangenen Jahr investiert hat, hat sie nicht nachgehalten, doch vermutlich sind im Laufe des Jahres einige (Über-)Stunden am Bienenstock zusammengekommen. „Ich dachte aber, es wäre mehr“, sagt sie. Imkerei kann ein sehr zeit- und arbeitsintensives Hobby sein. Doch vermutlich vergeht für einen Imker, der mit dem Herzen bei der Sache ist, so manche Stunde wie im Fluge.

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