Kreiswehrersatzamt zieht aus Jülich ab

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Noch stehen die Türen offen.
Noch stehen die Türen offen. Bald aber schließt das Kreiswehrersatzamt in Jülich seine Pforten.Leiter Ulf Hacker und die verbliebenen 25 Mitarbeiter werden werden an andere Arbeitsplätze versetzt. Foto: Guido Jansen

Jülich. Die Sitzfläche der blauen Stahl-Stühle sind hochgeklappt. Kein einziger junger Mensch hat am Montagmittag auf ihnen Platz genommen. „Früher hatten wir hier Sitzplätze zu wenig”, sagt Ulf Hacker, der Leiter des Kreiswehrersatzamtes in der Neusser Straße in Jülich.

Früher, damit meint Hacker die Zeit vor dem Juli vergangenen Jahres. Seit dem gibt es die allgemeine Wehrpflicht nicht mehr. Der Dienst an der Waffe oder ein Ersatzdienst ist für junge Männer keine Pflicht mehr. Und seit dem hat die Kundschaft im Kreiswehrersatzamt Jülich rapide abgenommen.

Jedes Jahr waren bis zu 4000 junge Männer aus dem Kreis Düren der Musterung halber in Jülich zu Besuch. 51 Jahre lang. Heute gleicht das Gebäude in der Neusser Straße beinahe einer Geisterbehörde. Der Pförtner-Posten ist nicht mehr besetzt, die Kundschaft, die mehr oder weniger motiviert auf den Gängen der militärischen Eignungsprüfung harrte, bleibt größtenteils aus, zahlreiche Büros stehen mittlerweile leer.

Demnächst wird die Behörde ganz aus Jülich verschwinden. Wann genau demnächst ist, das weiß auch ihr Leiter Ulf Hacker nicht. „Das Ministerium wird uns mitteilen, wann es so weit ist.” Von den einst 60 Mitarbeitern sind jetzt noch 25 da. Die anderen Kollegen sind bereits versetzt worden. Gerüchte gibt es, die besagen, dass die Wehrdienstberater irgendwann in Zukunft in ein neues Büro nach Düren umziehen werden. Wehrdienstbereater sind Soldaten, die junge Menschen informieren, die mit einer Laufbahn als Zeitsoldat liebäugeln.

Die zivilen Mitarbeiter im Jülicher Amt werden irgendwann möglicherweise nach Düsseldorf versetzt. In der Landeshauptstadt soll ein Karrierezentrum entstehen, im dem Menschen, die sich für das Militär interessieren, beraten und untersucht werden sollen. Eine Präsenz in der Fläche ist aufgrund der deutlich reduzierten Kundschaft in Zukunft nicht mehr notwendig.

Am Dienstag war ein Medizinier im Kreiswehrersatzamt, um junge Frauen und Männer zu untersuchen. Ganz weggebrochen ist die Kundschaft nicht, seit die Wehrpflicht im vergangenen Jahr ausgesetzt wurde. Zwischen drei und sechs junge Menschen klingeln derzeit an jedem Arbeitstag an dem Gebäude in der Neusser Straße.

Sie interssieren sich für den freiwilligen Grundwehrdienst oder die längerfristige Soldatenlaufbahn. „Wir haben gut zu tun. Das Interesse ist erstaunlich hoch”, erzählte Hacker, dass die Zahl der Freiwilligen hoch sei. Im Juli, Oktober und Janaur seien bereits jeweils 60 junge Menschen aus dem Kreis in die freiwillige Wehrpflicht vermittelt worden.

Das Interesse an dem freiwilligen Dienst ist aus Hackers Sicht erfreulich hoch, weil die Bundeswehr ein neues Angebot geschaffen. Die freiwillig Grundwehrdienstleistenden erhalten nicht mehr den Wehrsold, sondern höhere Bezüge. Nach einem halben Jahr Probezeit belaufen sich diese laut Hacker mitunter auf 1000 Euro. Berufsfördernde Maßnahmen könnten ebenfalls in den freiwilligen Wehrdienst eingebaut werden.

„Das ist finanziell und beruflich eine interessante Alternative”, so der Jülicher Amtsleiter. Natürlich hofft die Bundeswehr, auf diesem Weg Menschen zu finden, die sich längerfristig als Zeit- oder Berufssoldaten verpflichten.

Eine andere Neuerung seit dem vergangenen Jahr: Im Kreiswehrersatzamt werden nicht mehr nur Männer untersucht. Auch Frauen können den freiwilligen Dienst absolvieren. „Wir richten dann eigens Termine ein, an denen bei uns nur Frauen untersucht werden”, erklärte Hacker.

Denn eine Sache ist geblieben: Die angehenden Soldaten werden genau so ausführlich von einem Arzt untersucht wie früher. Mit allen Handgriffen und Schikanen. Mehr noch: Die Untersuchung heute ist wesentlich ausführlicher als früher. Bewerber werden 45 Minuten lang auf den Prüfstand gestellt.
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