Klassenausflüge werden zur Zeitreise

Von: Stephan Johnen
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Soldatengrab im Hürtgenwald
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Relikte wie gesprengte Bunker und Kreuze, die an Orte erinnern, an denen die Überreste vermisster Soldaten gefunden wurden, gibt es im Hürtgenwald viele. Die sogenannten History-Guides sollen den Besuchern auch die Hintergründe der Kämpfe erklären. Foto: Stephan Johnen
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Rureifel. Foto: Johnen Foto: Johnen

Nordeifel. Das Interesse am Weltkriegsgeschehen in der Region wächst. Die „Schlacht im Hürtgenwald“ hat längst auch eine touristische Dimension, viele Besucher reisen in die Rureifel-Kommunen, um sich die Schauplätze anzuschauen und etwas über die Kämpfe im Kriegswinter 1944/45 zu erfahren.

Diese Kämpfe jähren sich zum 70. Mal – und zum Gedenken hat der Verein Rureifel-Tourismus ein Projekt angestoßen, das sich als touristisches Angebot versteht, aber auch dazu beitragen möchte, das Geschichtsbewusstsein zu schärfen und eine kritische Auseinandersetzung mit den Geschehnissen anzuregen. „Zeitreisen Eifel 44/45“ ist das Projekt überschrieben, das sich aus mehreren Bausteinen zusammensetzt.

Neue Angebote

Neben einem mit allen regionalen Akteuren abgestimmtem Veranstaltungsprogramm, das als Broschüre und im Internet vorliegt, wurden mit den History-Guides, die als Fremdenführer beim Verein Rureifel-Tourismus gebucht werden können, neue touristische Angebote entwickelt.

Zielgruppe sind neben Besuchern aus dem In- und Ausland vor allem Schulklassen aus der Region. „Wir müssen an die jungen Leute herankommen, damit das Gedenken auch in Zukunft lebendig bleibt“, sagt Geschäftsführer Gotthard Kirch. Der Hürtgenwald sei – in der Sprache der Lehrer ausgedrückt – ein außerschulischer Lernort.

Der Verein hat dafür in Zusammenarbeit mit einigen History-Guides und dem Referendar Benedikt Schoeller neue Touren entwickelt, die sich speziell an junge Menschen wenden und entsprechend der schulischen Kernlehrpläne konzipiert wurden. „Wir haben festgestellt, dass wir methodischer und pädagogischer werden müssen“, sagt Kirch.

Der Verein bietet nun drei Exkursionen für Schulklassen an, die die Geschehnisse entlang des sogenannten Westwalls im Kriegswinter 1944/45 beleuchten. Sie dauern jeweils etwa fünf bis sechs Stunden. Die erste Exkursion befasst sich mit dem Westwall, die zweite mit der „Schlacht im Hürtgenwald“ und die dritte mit den Gedenkstätten im Hürtgenwald.

Kosten fallen für die Buchung des History-Guides an, der Verein zahlt bis Ende des Schuljahres 2014/15 aber Zuschüsse an die Klassen. Ein weiterer Baustein ist eine Inszenierung von Orten zum Thema „Zerstörung und Wiederaufbau“ (siehe Infokasten), die sich an Hotel- und Pensionsgäste sowie Tagestouristen richtet.

Zur Umsetzung des Projekts hat der Verein 50.000 Euro aus einem Fördertopf der EU bekommen, Sparkassen-Vorstand Udo Zimmermann überreichte Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch, der Vorsitzender des Vereins Rureifel-Tourismus ist, einen Scheck der Stiftung Kultur und Natur der Sparkasse Düren über 10.700 Euro.

Die gleiche Summe gab es bereits vor einem Jahr zur Vorbereitung des Projekts. Auch die Städteregion Aachen ist mit im Boot. Die Unterstützung des Projekts bringe zum einen die touristische Entwicklung des Südkreises voran, helfe aber auch, ein „schwieriges historisches Thema zu vermitteln“, waren sich Axel Buch und Udo Zimmermann einig.

Im kommenden Jahr rückt Schmidt in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Vom 10 bis 31. Januar macht die europäische Wanderausstellung „Routes of Liberation“ Station in der Kirche St. Hubertus. Diese „Befreiungsroute“ verbindet die wichtigsten Regionen, durch die die West-Alliierten von Südengland zur Küste der Normandie bis nach Berlin kamen.

Der Hürtgenwald markiert einen wichtigen Punkt. Die Ausstellung richtet das Hauptaugenmerk auf die Befreiung des europäischen Festlands von der nationalsozialistischen Besatzung und auf die Folgen des Zweiten Weltkriegs.

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