Jülich/Kreis Düren - Kein Wandel ohne Industrie

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Kein Wandel ohne Industrie

Von: Volker Uerlings
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Das Kraftwerk Weisweiler vom T
Das Kraftwerk Weisweiler vom Tagebau Inden aus betrachtet: Auch wenn die Kohleförderung und -verstromung 2030 endet, soll der Industriestandort erhalten werden, fordert die SPD. Foto: hfs.

Jülich/Kreis Düren. Für den Strukturwandel im Kreis Düren steht seit knapp einem Jahrzehnt ein Gewässer symbolisch. Wenn der Restsee Inden vor den Toren von Jülich, Düren und Eschweiler einmal entstanden ist, dann ist die Zeit der Braunkohlenförderung und -verstromung definitiv vorbei, und die Zukunft hat begonnen.

Aber welche? Mit Paddelboot-Verleih und Tauchschule, daneben Unmengen an Windrädern und Solarmodulen, die den Strom frei Haus liefern? Das ist in dieser Ausschließlichkeit schwer vorstellbar. Zum einen wird sich in knapp vier Wochen das Landesverfassungsgericht mit der Klage der Stadt Düren gegen eben jenen Restsee befassen. Zum anderen müsse das Rheinland die kompetente und moderne Industrieregion bleiben, die es ist. So haben es drei führende Sozialdemokraten in einem Positionspapier formuliert, das sie am Freitag in Jülich präsentierten.

Dietmar Nietan (Düren) als Vorsitzender der SPD Mittelrhein: „Durch den Atomausstieg ist die Bedeutung des rheinischen Reviers dramatisch gestiegen.” Damit meint der Bundestagsabgeordnete den ganz besonderen Zuschnitt: Im Rhein-Erft-Kreis, dem Kreis Düren und der Städteregion Aachen liegen nicht nur die „Dinosaurier” der Energieerzeugung wie an einer Perlenschnur. Hier befinden sich auch wichtige Forschungs- und Demonstrationseinrichtungen für die Stromproduktion von morgen. Das gibt es laut Nietan in Deutschland so nicht noch einmal, „wenn nicht in Europa”. Sein Parteigenosse Rudi Bertram pflichtet ihm bei.

Arbeitsplätze adäquat ersetzen

Der Bürgermeister von Eschweiler plädiert nicht nur für eine Standortsicherung „seines” Kraftwerks im Stadtteil Weisweiler. „Wir haben hier Wertschöpfung, wir haben Arbeitsplätze. Das muss adäquat ersetzt werden.”

Schon vor der Atomkatastrophe in Japan sei er vom Ausstieg überzeugt gewesen. „Das muss aber mit Augenmaß geschehen. Wir haben Zeit nötig, um die Energiewende zu schaffen”, sagt Bertram und will das mit RWE gemeinsam hinkriegen. Das Kraftwerk in Weisweiler lasse sich zum Beispiel auch mit Gas betreiben und insgesamt modernisieren. Bertram ist ein überzeugter „Indeländer”, setzt jetzt aber auch große Hoffnungen auf die „Innovationsregion Rheinisches Revier”. Von ihr, die in Jülich ihren Sitz hat, erwartet er Entwicklungsimpulse für die Kraftwerksstandorte im Rheinland.

Im Positionspapier, das auch der Vorsitzende der Rhein-Erft-SPD, Guido van den Berg, unterzeichnet hat, plädieren die Genossen grundsätzlich für die weitere Nutzung der Braunkohle. Es sei ein „zu wertvoller Rohstoff, um ihn einfach nur zu verbrennen”. Eine stärkere Vernetzung von Energie- und Chemieindustrie biete die „große Chance für Innovationen” im Bereich Kohle. Ihre Nutzung in „effizienten und flexibler zu fahrenden Kraftwerken” bei Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes sei laut SPD ebenfalls erstrebenswert. Dietmar Nietan: „Es geht nicht um die Ablösung von etwas, sondern um die Weiterentwicklung.”

Dabei helfe die Innovationsregion dabei, dass das Rheinland seine Zukunft selbst gestaltet, hofft die SPD. Hier sitzen Akteure aus allen gesellschaftlich relevanten Gruppen an einem Tisch. Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben.
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