Jülicher Börde: Sophienhöhe ein Fremdkörper

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Jülich. Prof. Michael Gramm, Wirtschaftsgeograph an der RWTH Aachen, Josef Wirtz (Mitglied des Landtags) und Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren, haben die Chancen und Risiken der Region nach dem Ende der Braunkohlenförderung erörtert.

Die Gesprächsrunde fand auf einer Mitgliederversammlung des Ortsverbandes der CDU Jülich Nord/Broich statt. Es moderierte Alfred Hermes, Ortsverbandsvorsitzender.

Die Statements in geraffter Form: Michael Gramm erklärte, dass Zucker, ein hochwertiges Produkt der Region, für Energie und Ernährung stehe. Darum werde es in Zukunft Verteilungskämpfe geben. Die Bevölkerung werde abnehmen, und der Bedarf an qualifizierten Arbeitnehmern bleibt dabei hoch.

Um junge Familien an die Region zu binden oder für die Region zu gewinnen, müsse man ein attraktives Umfeld und zukunftsorientierte Arbeitsplätze bieten. Es gelte unter diesem Blickwinkel, die Stärken der Region zu nutzen und Synergien aus den guten klimatischen Bedingungen, den hervorragenden landwirtschaftlichen Böden und dem geballten Wissenschaftspotenzial mit Hochschule und Forschungszentren zu ziehen: „Da hat Jülich eine große Chance!”

Nahe Konkurrenz

Unter dem Gesichtspunkt der Attraktivität seien auch die in die Zukunft reichenden Entscheidungen zur Schullandschaft, zum Brückenkopf-Park, zum Jugendgästehaus und zum Schwimmleistungszentrum zu sehen. In Konkurrenz zur Eifel und zur Maaslandschaft werde man die landschaftlich wenig attraktive Börde auch durch die Tagebauseen wohl kaum in eine touristische Wohlfühlregion verwandeln können. Vielmehr sei auf eine Wechselwirkung zwischen Forschung, Industrie und Wirtschaft zu setzen.

Es gehe um Win-Win-Modelle, die jedem Beteiligten und Betroffenen Vorteile brächten. Auf die Frage nach klimatischen Auswirkungen der großen Wasserflächen erwartet Gramm eher kleinere mikroklimatische Veränderungen in der Region, wie möglicherweise leichte Verschiebungen der Jahreszeitenverhältnisse, da sich Wasser langsamer aufwärme und abkühle als Landmassen und so beispielsweise die Vegetation im Frühjahr etwas später einsetzen könnte, während es im Herbst länger mild bleibe.

Josef Wirtz forderte, da die zahlreichen Arbeitsplätze im Bereich Braunkohle wegfallen, so bald wie möglich die Weichen für eine attraktive Zukunft der Region zu stellen. Politisch sei die Förderung von Wissenschaft, Zukunftsenergie, Landwirtschaft, Freizeitangeboten und guter Infrastruktur angebracht.

Leere Tagebaue

Viele Argumente sprächen für und gegen eine Verfüllung der Tagebaue. Zu bedenken sei, dass der Kohleanteil des Abraums sehr hoch ist, so dass tiefe Gruben zurückblieben, die mit der ausgebaggerten Erde nicht annähernd gefüllt werden könnten. Um das Kernproblem zu visualisieren, stellte der Schophovener Christdemokrat schmunzelnd ein Horrorszenario vor, in dem Berge aus der Eifel zur Verfüllung abgetragen werden, was keiner wolle.

Erich Gussen unterstrich, dass die Jülicher Börde eine äußerst fruchtbare Landschaft sei. Der Ertrag sei fünfmal so hoch wie auf anderen Böden. Gussen forderte eine Flächenkompensation für die durch den Tagebau beanspruchten landwirtschaftlichen Böden. Dabei schloss er auch die Sophienhöhe mit ein.

Die Hochkippe sei ein Fremdkörper in der Bördenlandschaft, obwohl sie mittlerweile einen hohen Freizeitwert besitze. „Der Flächenverbrauch ist ein Problem für die ganze Gesellschaft. Für die Produktion von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen sind wir auf die produktivsten Flächen und Regionen angewiesen”, betonte der Güstener Landwirt und Jülicher CDU-Politiker.
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