Große Sorgen wegen drastischer Kürzung

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Kreis Düren. „Bildung für die Schwächsten!?” lautete das Thema der Podiumsdiskussion in der Fabrik für Kultur- und Stadtteil in Düren. Eingeladen hatte das Sozialwerk Dürener Christen anlässlich seines 25-jährigen Bestehens.

Fast trotzig stand das Ausrufezeichen im Titel, der zusammenfasste, was sich das Sozialwerk auf die Fahnen geschrieben und erfolgreich durchgeführt hat: Unterstützung arbeitsloser Jugendlicher aus der Region, die mit Hilfe von Ausbildungs- und Integrationsmaßnahmen etwa im Jülicher Roncallihaus in den Arbeitsmarkt kommen sollen. Dazu zählen Berufsausbildung in eigenen Werkstätten, Motivationshilfen für Schulverweigerer, Berufsvorbereitung und zahlreiche Qualifizierungsprojekte. Kurzum: Benachteiligte Jugendliche sollen für den Beruf fit gemacht werden.

Das Fragezeichen im Titel richtete sich jedoch an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Die Bundestagsabgeordneten Thomas Rachel (CDU), Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung und Bildung, Dietmar Nietan (SPD) und Oliver Krischer (Die Grünen) waren aufgefordert, Stellung zu beziehen, inwieweit Bildung für die Schwächsten künftig noch stattfinden kann.

Günter Kirschbaum, Geschäftsführer des Sozialwerks, sieht dunkle Wolken am Horizont heraufziehen: „Die Bundesmittel, die der Jobcom im Kreis Düren für derlei Eingliederungsmaßnahmen zur Verfügung stehen, werden 2011 von 18 auf 14 Millionen reduziert.” Diese drastischen Kürzungen verringerten die Chancen vieler Jugendlicher, die einen Berufsabschluss und eine Ausbildung benötigten, erklärte Nietan, weil die Maßnahmen faktisch um 45 Prozent verringert würden.

„An der Basis fehlen die entscheidenden Mittel”, kritisierte er. Auch Oliver Krischer sieht die Zukunft wenig rosig: „Für neue Projekte wird das Geld fehlen”, prognostizierte er und beklagte nicht nur die „dürftige Substanz” mancher Programme, sondern auch die geringe Bereitschaft der Bundesregierung, die Bildungsinfrastruktur auszubauen.

Abgesehen davon, dass Bildung Ländersache und der Bund deswegen nur eingeschränkt handlungsfähig ist, wies Rachel die Vorwürfe zurück und konterte: „Es fließen erhebliche Mittel in Programme, die Jugendliche nachqualifizieren.” „Startklar” oder „Die zweite Chance” seien nur zwei erfolgreiche Beispiele.

Kirschbaum rügte, dass die Programme oftmals dem Bedarf der Jugendlichen nicht gerecht würden. Inzwischen sei erkannt worden, dass man noch früher ansetzen müsse, entgegnete Rachel. Die „Bildungsketten-Initiative” habe zum Ziel, förderungsbedürftige Jugendliche bereits in der Schule zu unterstützen, um von vornherein zu verhindern, dass sie ohne Abschluss die Schule verlassen.

„Mit Hilfe von Berufseinstiegsbegleitern sollen schulische Defizite individuell verringert werden. Das ist ein qualitativ neuer Schritt und setzt schon in der 7. Klasse an”, erklärte der Christdemokrat.

Als das Thema Schule aufkam, entwickelte sich eine lange und heftige Diskussion nicht nur zwischen den Bundestagsabgeordneten, sondern auch unter Einbeziehung der rund 80 Zuhörer. „Das war ein Parforceritt durch das Schul- und Bildungssystem”, resümierte Paul Elmar Jöris, WDR-Korrespondent für die Landespolitik NRW, am Ende der zweistündigen Podiumsdiskussion. Souverän moderierte er die Veranstaltung und verstand es, den Parteienvertretern mit der gebotenen Sachlichkeit auf den Zahn zu fühlen.

Günter Kirschbaum ging nicht ganz zufrieden nach Hause. Denn er hätte gerne gewusst, ob das Sozialwerk im nächsten Jahr auch den 26. Geburtstag feiern kann. Diese Frage blieb unbeantwortet.
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