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Für den Frieden: Themenabend am Franziskus-Gymnasium

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Ein Zeichen für den Frieden in der Welt: Die Schüler des Vossenacker Franziskus-Gymnasiums hatten auf dem benachbarten Soldatenfriedhof eine 245 Quadratmeter große Taube „gezeichnet“. Foto: Jan Kappen
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Die Schüler um Clemens Amendt (vorne, 2.v.r.) und Theo Kersting (vorne rechts) laden in die FGV-Aula ein. Foto: Stephan Johnen

Vossenack. Was Krieg bedeutet, kann Michael Gratias nur erahnen. Es sei noch nicht lange her, da habe er nicht viel über Krieg und Frieden nachgedacht, ist der Schüler des Vossenacker Franziskus-Gymnasiums ganz ehrlich.

„Wir leben, lachen, können zur Schule gehen, unsere Meinung frei sagen und müssen uns morgens keine Gedanken darüber machen, ob wir abends wieder hungrig ins Bett gehen“, fasst der Abiturient zusammen, was für viele Menschen in unseren Breiten zwar Alltag, aber durchaus keine Selbstverständlichkeit ist.

„Wir müssen uns jeden Tag bewusst machen, was Frieden bedeutet – und dass Frieden schaffen und wahren harte Arbeit ist“, fügt Schülerin Ann-Christin Schleupner hinzu. Zwei Geschichtskurse des Vossenacker Gymnasiums haben sich ganz intensiv mit Krieg und Frieden auseinandergesetzt – und laden für Sonntag, 9. November, zu einem Themenabend „Frieden aus nächster Nähe“ in die Aula ihrer Schule ein.

Film, Musik und Interviews

Der Themenabend ist aus den Ergebnissen und Erfahrungen zweier Geschichtskurse des Gymnasiums entstanden. Im vergangenen Jahr hat ein Kurs damit begonnen, neue Dokumentationstafeln über das Kriegsgeschehen im Hürtgenwald 1944/45 zu erarbeiten, der andere Kurs drehte den Dokumentarfilm „Die letzte Hoffnung war dahin“ über das Schicksal zweier Wollseifener. „Die Arbeit war ein Anstoß, sich mit der eigenen Geschichte, der Geschichte der Eltern und Großeltern auseinanderzusetzen“, sagt Michael Gratias. Es war eine Art Initialzündung. „Danach hatte ich eine völlig andere Sicht auf viele Dinge“, berichtet der Schüler.

„Frieden ist kein Produkt, das man aus gewiss gut gemeinten Zutaten irgendwann fertiggestellt hat“, sagt Clemens Amendt, Lehrer am Franziskus-Gymnasium und Initiator des Abends. Vielmehr handle es sich um einen Prozess, der eine immerwährende Anstrengung darstelle und eine unendliche Aufgabe sei.

Von einem „Nachholbedarf“ spricht Schüler Martin Kreutz. „Wir wollen nicht missionarisch auftreten und predigen. Aber wir möchten ein Bewusstsein dafür wecken, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.“ Ghandi habe einmal gesagt: „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“ Die Schüler wollen nicht, dass diese Aussage wahr bleibt.

Obwohl die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg der Anstoß waren, fassen die Schüler den Abend deutlich weiter. Neben der Uraufführung des Dokumentarfilms und wird der Film gezeigt, der im Sommer bei der Friedenstauben-Aktion der Schule entstanden ist. Die Schüler und ihre Lehrer hatten auf dem benachbarten Soldatenfriedhof mit ihren Körpern eine 245 Quadratmeter große Taube „gezeichnet“. Es kommen am Sonntagabend auch Menschen zu Wort, die Krieg, Vertreibung und Flucht im Zweiten Weltkrieg, in Vietnam und in Syrien erlebt haben. Pater Chí Thién Vu wird beispielsweise darüber berichten, wie er als Kind mit seiner Familie aus Vietnam flüchtete. Die Akteure des „exArt-Musiktheaters“ unterstützen die Schüler mit einer Musik-Performance.

Ein Lied komponiert

Musiker Theo Kersting hat für den Abend unter anderem ein Friedenslied komponiert, das aufgeführt werden soll. Sein Wunsch: Aus Fakten, aus Aufarbeitung, aus Verstand und Vernunft, aus Gestaltung und vor allem Begegnung soll eine Emotion erwachsen, „die Frieden schafft und erhält“.

Eine zentrale Botschaft möchten alle Akteure an diesem Sonntagabend den Besuchern mit auf den Weg geben: „Friedensarbeit ist eine harte Arbeit.“ Und genau aus diesem Grund müsse jeder einzelne Mensch jeden Tag aufs Neue sein Scherflein dazu beitragen, dass Frieden geschaffen und bewahrt wird. „Wir sollten diese wichtige Aufgabe nicht allein in die Hand der Politik geben“, findet Theo Kersting. „Das Volk hat die Macht. Es liegt an den Menschen, diese Macht auch zu nutzen.“

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