Frauenhaus kämpft gegen Zwangsverheiratung

Von: sj
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Sonja Waltl (links) und Petra
Sonja Waltl (links) und Petra Müller aus dem Vorstand stellten den Jahresbericht des Vereins „Frauen helfen Frauen” vor. Foto: Johnen

Kreis Düren. Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. „Wenn wir diesen Satz lesen, denken wir an häusliche Gewalt, an psychischen Druck, an Traumatisierung und ihre Folgen. Aber denken wir auch an Zwangsheirat?”, fragte Petra Müller, Vorstandsmitglied im Verein „Frauen helfen Frauen” bei der Vorstellung des Jahresberichts.

Mit diesem Aspekt hatte der Verein im vergangenen Jahr vermehrt zu tun.

Vier Frauen „um die 20”, die von Zwangsverheiratung bedroht waren, haben im Dürener Frauenhaus Zuflucht gesucht. „Wir müssen die Öffentlichkeit für dieses Thema noch mehr sensibilisieren”, sieht Petra Müller daher eine Aufgabe für die Zukunft.

Oft herrscht Schweigen

Wirklich hartes Zahlenmaterial gebe es bislang nicht, da betroffene Frauen zu diesem Thema sehr oft schweigen. Petra Müller und Sonja Waltl von „Frauen helfen Frauen” gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. „Nackte Zahlen geben kein Bild vom Geschehen wieder”, betont Sonja Waltl. Und sie erzählt, was im vergangenen Jahr geschehen ist. Sie berichtet von Eltern mit Migrationshintergrund, die im Ausland den Mann für ihre in Deutschland aufgewachsene Tochter ausgesucht haben. Sie berichtet von psychischer und körperlicher Gewalt. Und sie schildert Fälle, in denen Frauen aus einem sogenannten Urlaub nicht mehr zurückgekommen sind. Ferienverschleppung nennt Waltl dies.

Der Verein „Frauen helfen Frauen” begrüßt deswegen eine Gesetzesänderung, die jüngst die Zwangsheirat deutlich als Straftatbestand formulierte. Es gelte, zum einen den Eltern klarzumachen, dass sie gegen Gesetze verstoßen und zum anderen die jungen Frauen über ihre Rechte aufzuklären. Und darüber, wie sie ihre Rechte notfalls mit Hilfe einfordern können.

Gleiches gelte für das Thema häusliche Gewalt. Über Ämter, Kindergärten, Schulen und persönliche Kontakte funktioniere diese Aufklärungsarbeit, die ausgebaut werden soll. Der Verein arbeitet eng mit dem Dolmetscherdienst des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Jülich zusammen und verfügt über gute Kenntnisse der Angebots von anderen Migrations- und Flüchtlingsberatungsstellen im Kreis Düren. Zu den Kooperationspartnern gehören unter anderem die Polizei, der Weiße Ring, die Jugendämter und die Frauenberatungsstelle Jülich.

Schwerpunkt der Arbeit ist jedoch das Frauenhaus, dessen Träger „Frauen helfen Frauen” ist. Auf drei Vollzeitstellen arbeiten sechs Mitarbeiterinnen. Im Frauenhaus gibt es 15 Plätze, acht davon für Frauen und sieben für Kinder. Im vergangenen Jahr haben 49 Frauen und 44 Kinder mit unterschiedlicher Aufenthaltsdauer im Haus gelebt. Die Belegungsquote betrug 73,64 Prozent. 20 der Frauen waren 19 bis 25 Jahre alt, 24 26 bis 40 Jahre und fünf Frauen waren älter als 40. Von den Kindern waren 30 bis zu fünf Jahre alt und 14 zwischen sechs und 14 Jahren alt.

In der Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen” an der Gutenbergstraße fanden im vergangenen Jahr 80 Beratungen statt; 106 Anruferinnen wurden telefonisch beraten. Darüber hinaus erreichten den Verein 115 Meldungen der Polizei, bei denen Frauen Opfer häuslicher Gewalt waren. Diese wurden zu Beratungsgesprächen eingeladen.

Nach Terminabsprache Beratungen möglich

Der Verein Frauen helfen Frauenist telefonisch zu erreichen unter 02421/17355. Frauen können bei Trennung und Scheidung, Gewalterfahrung, Zwangsverheiratung und Stalking Unterstützung erfahren.

Persönliche und telefonische Beratungsgespräche können vereinbart werden. Das Angebot ist kostenlos und vertraulich. Die Bürozeiten sind Mittwoch und Freitag von neun bis elf Uhr und nach Vereinbarung, das Büro befindet sich an der Gutenbergstraße 20 in Düren.

Kontakt zum Frauenhaus gibt es unter 02421/37188. Im Internet gibt es Infos unter http://www.frauen-helfen-frauen-dueren.de

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