Kreis Düren - Feldhase und Fasan im Kreis Düren nur noch selten vertreten

Feldhase und Fasan im Kreis Düren nur noch selten vertreten

Von: Christina Hustedt
Letzte Aktualisierung:
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Hoppelnde Hasen werden im Kreis Düren und in ganz NRW ein immer selteneres Bild: Forscher und Jagdpächter suchen nach den Ursachen für den Rückgang des Nieerwildes. Foto: Stock/Reiner Bernhardt
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Auch Fasane erblicken die Waidmänner immer seltener. Foto: Stock/Imagebroker

Kreis Düren. Hasen, die über Felder hoppeln und Fasane, die bunt gefiedert am Wiesenrand ihren Weibchen nachstellen – eigentlich kein ungewöhnliches Bild in Feld und Flur. In diesem Frühjahr wird das aber wohl anders sein.

Denn das Niederwild, wie es von Jägern genannt wird, verschwindet auf mysteriöse Weise aus der heimischen Landschaft; und das bereitet nicht nur den Waidmännern Sorgen. Seit mehreren Jahren bereits bemerken aber vor allem Jagdpächter in ganz Nordrhein-Westfalen einen rapiden Rückgang von Feldhase und Fasan, aber auch anderen Wiesenvögeln wie Kiebitz, Lerche oder Rebhuhn. Bisher galt NRW in Deutschland sogar als Fasanen- und Hasenland Nummer eins, nun ist ihre Zahl so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr.

Treibjagden abgesagt

Schossen Jäger in den Jahren 1971/72 noch 438.000 Fasane, waren es 2012/13 gerade noch 66.100. Und bei den Hasen lag die Zahl der gejagten Tiere nach Angaben der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung in Bonn im vergangenen Jahr erstmals unter 100.000. In diesem Herbst und Winter wurden aufgrund der alarmierenden Zahlen in vielen Teilen des Landes Treibjagden abgesagt.

Im Kreis Düren, erklärt Heinz Stüttgen, Sprecher der Kreisjägerschaft auf Nachfrage, habe es seines Wissens überhaupt keine Treibjagden gegeben. „Wir sind genau so betroffen wie andere Kreise auch“, weiß Stüttgen. Dass das Niederwild mit der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung seltener wird, ist nicht neu. Aber der abrupte und flächendeckende Einbruch der Tierbestände in den vergangenen zwei Jahren macht Forscher und Jäger gleichsam ratlos.

Der Sprecher der Kreisjägerschaft Düren vermutet allerdings, dass aktuelle Entwicklungen in Anbau und Ernte den Tieren den Garaus machen. Zum einen sei der vermehrt angebaute Mais als „Lebensraum“ für Hase und Co. ungeeignet. Diese Tiere brauchen offene Flächen, Wiesen und Äcker mit niedrigem Pflanzenwuchs. Zum anderen, und das ist Stüttgens Hauptvermutung, würde die Ernte mit immer größeren und schnelleren Maschinen eingebracht, und das im häufiger rund um die Uhr.

„Oft werden Lohnunternehmen beauftragt, die die Felder schnell, rücksichtslos und auch in der Nacht abmähen. Da hat das Niederwild keine Chance.“ Dabei versteht Heinz Stüttgen die Erfordernisse moderner Landwirtschaft. Deshalb sei er auch ratlos, wie dem Verschwinden der heimischen Arten beizukommen wäre.

Nun könnte man meinen, es sei außer für die Jägerschaft nicht weiter schlimm, wenn ein paar Jahre lang keine Fasane und Hasen auf den Tellern landen würden. Das Aussetzen der Bejagung von Fasan und Hase ist allerdings nur eine Konsequenz aus der derzeitigen Lage, nicht aber deren Lösung. Denn auch andere „Acker-Tiere“ wie Kiebitze, Lerchen oder Rebhühner sind kaum noch zu hören und zu sehen. Es scheint also ein grundsätzliches Problem im Lebensraum der Nordrhein-Westfälischen Kulturlandschaft zu geben.

Das sieht auch Dr. Jürgen Eylert so. Der Leiter des Sachgebietes wildökologische Landschaftsinformation an der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung in Bonn und sein Team befassen sich intensiv mit Flora und Fauna im „Offenland“ und aktuell dem extremen Rückgang einiger Tierarten. „So intensiv ist dieser Bereich noch nie untersucht worden“, betont Eylert. Doch bisher tappten die Forscher im Dunkeln, wie er einräumt.

Derzeit arbeitet die Bonner Forschungsstelle sogar mit der tierärztlichen Hochschule in Hannover zusammen. Dort werden die Kadaver erlegter und auf andere Weise zu Tode gekommener Hasen, Fasane und anderer Vögel auf Krankheiten, Schadstoffe und andere Rückstände untersucht. „Bisher können wir allerdings nur Vermutungen zu dem so stark beschleunigten Einbruch der Bestände anstellen“, sagt Eylert. Eventuell könnten neuartige Pflanzenschutzmittel eine Ursache sein, oder die vermehrte Ausbringung von Gährresten aus Biogasanlagen auf die Äcker. „Es mag sein, dass sich im Boden Stoffe anreichern, die den dort lebenden Tieren Schaden“, sagt Eylert.

Laut dem Bonner Forscher ist es aber auch durchaus möglich, dass verschiedene Faktoren verantwortlich für den Einbruch der Niederwild-Bestände sind. So gebe es in manchen Regionen eine sehr hohe Dichte an Beutegreifern wie Marder, Fuchs oder Greifvögel. „Die Jäger bejagen Füchse und Marder nicht mehr so sehr, Greifvögel stehen seit Jahren völlig unter Schutz“, sagt Eylert.

Zwar hält er das nicht für das eigentliche Problem, doch angeschlagene Bestände könnten durch zu viele Beutegreifer zusätzlich dezimiert werden. Dr. Jürgen Eylert hofft, dass die aktuellen Untersuchungen Erkenntnisse bringen und der weitere Rückgang der Arten in Feld und Flur verhindert werden kann.

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