Donum Vitae: Mit einfachen Worten Zugang zur Beratung schaffen

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
9044617.jpg
Einfache Worte und Sätze, größere Schrift, mehr Zeilenabstand: Die Beratungsbroschüren von Donum Vitae in einfacher Sprache zum Thema „rechtliche Betreuung“. Foto: smb
8974497.jpg
Beate Nießen, Vorsitzende, und die Donum-Vitae-Beraterinnen Petra Müller und Ruth Maiß (v.l.). Foto: smb

Kreis Düren. Sich verlieben, küssen, Sex haben, vielleicht heiraten – Menschen haben Bedürfnisse. „Das ist bei Menschen mit geistigen Behinderungen nicht anders“, sagt Petra Müller, Beraterin bei Donum Vitae. „Ihre Körper entwickeln sich, sie verlieben sich und sie haben Bedürfnisse und – wie andere auch – Fragen zu den Themen Liebe, Sexualität, Partnerschaft und Schwangerschaft.“

Beratungsangebote zu diesen Themen gab es für geistig behinderte Menschen aber bislang keine. „Die Mitarbeiter in den Werkstätten haben diese Aufgabe quasi nebenbei übernommen“, weiß Petra Müller. Im Rahmen der Inklusion soll behinderten Menschen auch der Zugang zu Beratungsangeboten erleichtert werden. Eine Barriere, die bisher bestand, ist die Sprache.

Modellberatungsstelle

Seit einem Jahr ist Donum Vitae in Düren Modellberatungsstelle für ein bundesweites Projekt, an dem acht Beratungsstellen beteiligt sind. In dem Projekt geht es darum, passgenaue Angebote für Menschen mit einer geistigen Behinderung zu entwickeln. Die Dürener Beratungsstelle ist die Einzige in NRW, die an dem Projekt teilnimmt.

Im Fokus des Projektes steht die „leichte Sprache“, die die Beraterinnen wie eine Fremdsprache erlernt haben. „Leichte Sprache zu sprechen, bedeutet, auf Fremdworte zu verzichten oder sie zu erklären. Wer leicht verständlich sprechen möchte, sollte kurze Sätze mit einfacherem Satzbau bilden. Er sollte langsam sprechen und häufiger nachfragen“, erklärt Müller. Bei vielen Dingen müsste man nur auf seine innere Stimme hören und sich von festgefahrenen Wendungen lösen.

Bei geschriebenen Texten, auch in der Online-Beratung, sollten lange Worte wie „Verhütungs-Mittel“ mit Bindestrichen getrennt werden, die Schriftgröße und der Zeilenabstand etwas großzügiger sein als in gewöhnlichen Texten.

Natürlich war es für die Beraterinnen zunächst gewöhnungsbedürftig, anders zu sprechen. „Aber wir haben gemerkt, dass eine leichtere Sprache auch im Gespräch mit vielen anderen Menschen sinnvoll ist“, betont Beraterin Ruth Maiß. Schließlich würde man sich auch selbst manches Behördenschriftstück gerne in einer einfacheren Sprache durchlesen.

„Leichte Sprache“ in Wort und Schrift erleichtere nicht nur behinderten Menschen, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund und damit einhergehenden sprachlichen Problemen den Zugang zur Beratung. Entsprechende Broschüren sind auch für Menschen mit Lese-Rechtschreibschwäche oder niedrigerem Bildungsstand hilfreich. Außerdem arbeiten die Beraterinnen im Gespräch, in Broschüren und im Internet verstärkt mit Bildern.

Petra Müller hat damit begonnen, Werkstätten und Einrichtungen zu besuchen, um das Beratungsangebot bekanntzumachen. Wenn Ratsuchende nicht mobil sind, können die Beraterinnen auch zu ihnen kommen. Auf der Internetseite gibt es ein blau-weißes Symbol, das angeklickt werden kann und dann auf die Beratungsseiten in leichter Sprache führt. Neben den Themen Sexualität, Verhütung, Partnerschaft, geht es auch um die rechtliche Betreuung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert