Diskriminierungsvorwurf: Ermittlungen gegen Schiedsrichter

Von: kte
Letzte Aktualisierung:
13082699.jpg
Der Fußballverband Mittelrhein ermittelt gegen einen Schiedsrichter aus dem Kreis Düren. Foto: imago

Langerwehe/Kreis Düren. Wenn ein Fußball-Schiedsrichter „Wo ist der Türke?“ in einer Spielunterbrechung fragt, dann führt das wohl zwangsläufig zu verwunderten Gesichtern rings um ihn herum. Doch genau das habe Schiedsrichter S., der für den FC Inden/Altdorf pfeift, in der Begegnung Jüngersdorf/Stütgerloch gegen Alemannia Lendersdorf II (Kreisliga B, Düren) gesagt, erklärt Alemannia-Torwart Erkan Cörtlek.

„Wir haben uns zwar gewundert, uns aber nicht viel mehr dabei gedacht“, sagt Cörtlek. Der Schiedsrichter habe dem türkischstämmigen Mitspieler Tugay Yildirim die Gelbe Karte in eben dieser Spielunterbrechung gezeigt. Yildirim solle „fuck you“ gesagt haben. Eine Beleidigung, die zwingend eine Rote Karte zur Folge haben müsste. Nach dem Spiel soll sich der Unparteiische in Gegenwart des Lendersdorfer Spielers Florian Ubrich zu der Szene geäußert haben. So habe er nicht zuordnen können, welcher Spieler die Beleidigung formulierte. „Das sind meistens eh die Scheiß-Türken“, habe S. gegenüber Ubrich verlauten lassen, sagt Cörtlek.

„Auch darüber hätte ich hinweggesehen“, empfand Cörtlek die ihm zugetragene Aussage zwar als nicht gerade schön, aber auch nicht zwingend meldungswürdig.

Er erkundigte sich lieber bei S.: „Haben Sie etwas gegen Türken?“ S. habe darauf geantwortet, dass „alle Türken Anhänger Erdogans“ (Recep Erdogan, türkischer Präsident; Anm. d. Red.) seien, sagt Cörtlek. Und weiter habe S. zu Cörtlek gesagt: „Das ist doch so bei euch. Deshalb gebe ich die Gelbe Karte als Erziehungsmaßnahme.“

Verfahren eingeläutet

Das wiederum meldete Cörtlek am Dienstag dem Fußballkreis Düren und dem Fußballverband Mittelrhein. Der Verband läutete ein Verfahren gegen S. wegen des Tatverdachts einer Diskriminierung ein. Cörtlek meldete den Vorfall, weil „politische Diskussionen meines Erachtens nicht auf einen Fußballplatz gehören“ und „wir unterbinden wollten, dass andere Fußballer durch so ein Verhalten Woche für Woche benachteiligt werden“. „Solche Aussagen sollte man nicht treffen. Das ist einfach unqualifiziert und bei einer Freizeitveranstaltung unangebracht.“

S. mochte gegenüber unserer Zeitung keine Angaben machen: „Ich werde mich erst nach Abschluss des Verfahrens öffentlich äußern.“ Sein „Chef“, Kreisschiedsrichtervorsitzender Bernd Jungherz, gab an, dass der Fall geprüft werde, ihm die Berichterstattung in einigen überregionalen Zeitungen allerdings aufstoße: „Da wurde komplett verharmlost, dass der Begriff ‚fuck you‘ fällt.“ Natürlich dürfe sich ein Schiedsrichter auch dann nicht zu den laut Cörtlek gefallenen Aussagen hinreißen lassen.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert