Die Ernte wird für Landwirte zum Wechselbad der Gefühle

Von: Jörg Abels
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Nach der späten Aussaat im Frühjahr sollte die Getreideernte eigentlich erst in zwei Wochen beginnen. Durch die hitzebedingte „Notreife” aber laufen die Mähdrescher schon jetzt auf Hochtouren. Foto: Abels

Kreis Düren. Die Ernte 2010 wird für die Landwirte zu einem Wechselbad der Gefühle. Die extreme Trockenheit und Hitze der letzten Wochen hat vor allem bei der nun anstehenden Weizenernte große Qualitäts- und Quantitätseinbußen zur Folge.

Anders als bei der Wintergerste, die größtenteils bereits vor der derzeitigen Hitze- und Trockenperiode ihre Entwicklung abgeschlossen hatte, erwartet Ackerbauberater Heinrich Brockerhoff von der Außenstelle der Landwirtschaftskammer Rheinland in Düren beim Weizen Einbußen von 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt.

Nach einem ungewöhnlich langen Winter, der eine späte Aussaat zur Folge hatte, sind die Ähren in den letzten Wochen einfach zu schnell gereift, der Mehlkörper konnte nicht richtig ausgebildet werden. Der Landwirt spricht deshalb von „Notreife”.


„Keine höheren Brotpreise”

Auf der anderen Seite sind die Trockenschäden kein lokales Phänomen. In ganz Deutschland, Mitteleuropa und auch in den Schwarzmeerländern wird angesichts der Hitze mit deutlich geringeren Ernteeträgen gerechnet, mit der Folge, dass die Erzeugerpreise ansteigen. „Das Wetter brennt unsere Preise durch die Decke” berichtet beispielsweise die Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft in ihrem aktuellen Marktbericht beim Getreide von „Preissprüngen gen Norden”.

Das könnte die mengenmäßigen Einbußen der Landwirte kompensieren, glaubt Heinrich Brockerhoff. Franz-Josef Kügelgen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, beeilt sich aber bereits mit einer Entwarnung in Richtung Verbraucher.

„Selbst wenn die Getreidepreise für die Bauern steigen sollten, wird das den Preis im Geschäft nicht maßgeblich beeinflussen, Denn der Anteil des Getreidepreises am Ladenpreis für Brot und Brötchen liegt nur noch bei vier Prozent.”

Steigende Preise sind auch bei der Kartoffel zu erwarten. Brockerhoff spricht von einer „äußerst schwierigen Entwicklung”, weil die Knollen sehr sensibel auf die Hitze reagieren. Selbst stetige Beregnung könne nicht sicherstellen, dass die von der Industrie zur besseren Verarbeitung geforderten Einheitsgrößen erreicht werden.

Qualitätsprobleme erwartet der Ackerbauberater auch beim Mais, der in diesen Tagen seine Kolben ausbilden sollte. Ohne Feuchtigkeit aber steht auch hier das Wachstum still, betont Kügelgen und erklärt: „Ähnlich wie viele Menschen haben die Pflanzen den absoluten Spargang eingeschaltet und lagern kaum noch Reserven ein.”

Und weil auch auf den Heuwiesen kaum mehr Halme wachsen und der nun anstehende Schnitt wohl ausfällt, müssen die „Rinder- und Pferdehalter mit weniger Gras- und Maisilage auskommen”, rechnet Kügelgen hier ebenso mit steigenden Preisen wie beim Stroh, „das in diesem Jahr knapp und teurer werden dürfte”.

Allein bei Zuckerrüben scheinen die Aussichten noch nicht ganz so trüb zu sein. Probleme infolge der Trockenheit sind zwar auch hier festzustellen, weiß Brockerhoff, sie halten sich auf den guten Böden aber noch in Grenzen.

Aber auch die Rüben brauchen jetzt dringend Feuchtigkeit, um Zucker einlagern zu können.
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