Der Westen mit direktem Draht nach Düsseldorf

Von: Volker Uerlings
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Große regionale Koalition unterstützt den Strukturwandel im Rheinischen Revier: (v.l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes, Oliver Krischer (Grüne), Dietmar Nietan (SPD), Josef Wirtz (CDU), Josef Johann Schmitz (SPD) und Landrat Wolfgang Spelthahn. Foto: Uerlings

Kreis Düren/Jülich. Der Westen von NRW fristete in der Landespolitik in der Vergangenheit nicht nur geografisch ein Randdasein. Über viele Jahrzehnte lag das politische Hauptaugenmerk auf dem Ruhrgebiet.

Eine große Koalition aus der Braunkohlenregion freut sich darüber, dass sich das nun ändert. Das gesamte rheinische Revier wird laut rot-grünem Koalitionsvertrag „Innovationsregion” und soll den Strukturwandel vor dem Ende des Braunkohlenbergbaus frühzeitig starten. Dazu bezieht eine Geschäftsstelle unter Führung der IHK Aachen im April Büros im Technologiezentrum Jülich. Wenn sich auch der bis zu 30-köpfige Beirat noch vor Ostern gegründet hat, kann die Arbeit losgehen.

Die neue Agentur mit drei Stellen in Jülich darf man sich samt Beirat als Ideenschmiede vorstellen. Aufgabe ist es, die vielfältigen Kompetenzen im rheinischen Revier zu bündeln und zu konzentrieren. Oder wie IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes im Dürener Kreishaus formulierte: „Wir haben eigentlich alles, wir müssen es nur verdichten.”

Damit spielte er zum Beispiel auf die erstklassigen Forschungseinrichtungen und Hochschulen an, aber auch auf bereits vorhandene Kompetenzen wie in der Solarthermie, die Forschung nach der automobilen Zukunft oder auch die Suche nach der Energieerzeugung von morgen. Die „Innovationsregion” ist ein Erfolg, wenn am Ende die Weichen dafür gestellt werden, im gesamten Revier Arbeitsplätze der Zukunft entstehen zu lassen - von Düren über die Städteregion Aachen, den Rhein-Kreis Neuss, den Kreis Heinsberg bis zum Rhein-Erft-Kreis.

Drewes wurde im Kreishaus von Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) begrüßt, der auch die beiden „Autoren” dieses Vorhabens würdigte: die Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan (SPD) und Oliver Krischer (Grüne). Sie hatten sich bei den Düsseldorfer Koalitionsverhandlungen genau in dieser Sache stark gemacht. Das würdigten nicht nur Spelthahn, sondern auch die beiden umsiedlungserfahrenen Indener Politiker Josef Wirtz (MdL CDU) und Josef Johann Schmitz (SPD/Braunkohlenausschuss). Die Zukunft der gesamten Region eigne sich nicht zum Parteiengezänk, sagte Wirtz.

Mit einer Stimme zu sprechen, wird Agentur und Beirat der Innovationsregion vor ihre mutmaßlich schwerste Aufgabe stellen: Sie muss im Konzert regionaler Begehrlichkeiten dafür sorgen, dass große Mehrheiten entstehen. Denn das neue Landeskabinett hat hier keinen „zahnlosen Tiger” geschaffen, sondern eine Schnittstelle mit direktem Draht zur Düsseldorfer Regierung: Was der Beirat an Vorschlägen produziert, erreicht über die Runde der Staatssekretäre sofort auch die Ministerpräsidentin und hat gute Chancen, bestmöglich gefördert zu werden. Das könnte zum Beispiel ein drittes Bahngleis von Aachen nach Düren „befeuern” und einer Forderung des fast gesamten Rheinlandes wesentlich mehr Nachdruck verleihen, erklärte Drewes.

Die IHK erhält ab 2012 aus Düsseldorf jährlich 500.000 Euro für die Arbeit von Agentur und Beirat sowie Gutachten, braucht aber natürlich weitaus mehr, um die Ideen in die Tat umzusetzen. Das soll zu einem Teil auch vom Bergbautreibenden kommen, der durch die Schaffung eines Restsees in Inden gegenüber der Erdverfüllung Investitionen im geschätzt dreistelligen Bereich einspart. Landrat Wolfgang Spelthahn, zugleich Aufsichtsratschef der Entwicklungsgesellschaft Indeland, mag vor diesem Hintergrund auch seine Sorgen nicht verhehlen: „Der Bergbautreibende sollte sich nicht als Wohltäter im Rhein-Kreis Neuss oder im Rhein-Erft-Kreis mit Geld betätigen, das er auf kreisdürener Boden gespart hat.”
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