Castor-Transport ein „Gebot der Vernunft”

Von: Jörg Abels
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Fachbereichsleiter Rudolf Printz (r.) und FZJ-Vorstand Dr. Ulrich Krafft (3.v.r.) erläuterten den Mitgliedern des Kreistages die Lagerung der Castor-Behälter im Zwischenlager Jülich und die Vorzüge einer Verlagerung der 152 Behälter nach Ahaus. Foto: Abels

Jülich/Kreis Düren. Das Atommüll-Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich (FZJ) „strahlt” an diesem Abend. Aber es sind nur die Scheinwerfer auf dem Dach, die das 1993 in Betrieb genommene Gebäude hell erleuchten.

Von den 152 im Inneren gelagerten Castor-Behältern mit rund 300.000 Brennelementkugeln aus dem bis 1988 betriebenen Hochtemperaturreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor (AVR) geht keine Gefahr aus. Sie halten dicht - seit ihrer Einlagerung vor 17 Jahren.

Blick aufs Dosimeter

„Es gab seitdem keine einzige Leckage oder defekte Dichtung”, erklärt Rudolf Printz, Fachbereichsleiter „Nuklear-Service” im FZJ, den Mitgliedern des Kreistages, die mit Interesse die Ausführungen inmitten der Castor-Behälter verfolgen, bei allem Vertrauen in die Technik aber immer wieder auch einen Blick auf ihr persönliches Dosimeter werfen, das etwaige Strahlung anzeigen soll. Doch auch nach einer halben Stunde im hoch gesicherten Allerheiligsten des FZJ bleibt die Anzeige bei Null. „Bei jedem Kurzstreckenflug ist sie 20 Mal höher als in fünf Metern Entfernung vom Castor”, betont Printz.

Die FZJ-Spitze will nach dem Jülicher Stadtrat und einzelnen Bundestagsabgeordneten an diesem Abend auch die Politiker des Kreises für die Atommüll-Problematik angesichts des immer noch fehlenden nuklearen Endlagers in Deutschland sensibilisieren, insbesondere über den geplanten Transport der Castoren ins Zwischenlager Ahaus informieren, Bedenken zerstreuen, Ängste nehmen. „Deshalb gehen wir sehr offen mit dem Thema um”, betont Prof. Dr. Achim Bachem.

Es sei ein Gebot der Vernunft, die Castoren nicht über das Jahr 2013 hinaus in Jülich zu lagern, erklärt der FZJ-Vorstandsvorsitzende mit Blick auf die immensen Kosten. In drei Jahren läuft bekanntlich die Genehmigung für das Zwischenlager in Jülich aus.

Eine langfristige Verlängerung lehnt das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz ab, so dass ein mindestens 40 Millionen Euro teurer Neubau entstehen müsste; nicht weil das bisherige Zwischenlager unsicher geworden ist, sondern weil eine neue Genehmigung nicht nur nach dem neuesten Stand der Technik verlangt, sondern auch den aktuellen Stand der Forschung berücksichtigt sehen will, erläutert Printz den Politikern.

Geld würde der Forschung fehlen

Transport und Lagerung im bis 2037 genehmigten, sicheren und längst nicht ausgelasteten Zwischenlager Ahaus hingegen wären weitaus günstiger. Während FZJ-Vorstandsmitglied Dr. Ulrich Krafft bei einer weiteren Lagerung in Jülich mit Kosten für den Steuerzahler im dreistelligen Millionenbereich rechnet, sei die Miete in Ahaus bereits für rund zehn Prozent dieser Summe zu haben.

Geld, dass das FZJ viel lieber in seine zukunftsgerichtete Forschung stecken würde als in die Altlasten der AVR. „Und wir als Einrichtung von Bund und Land sind verpflichtet, die uns überlassenen Steuermittel so effizient und zukunftsgerichtet wie möglich einzusetzen”, begründet Krafft noch einmal den Beschluss der FZJ-Spitze, die Castoren bis 2013 zu verlagern.

Die auch von den Kreistagsmitgliedern aufgeworfenen Sicherheitsbedenken beim Transport können die Experten glaubhaft zerstreuen, ganz egal, ob er per Bahn oder Lkw erfolgen sollte. „Die Castoren sind absolut sicher”, verweist Printz auf entsprechende Prüfungen des Bundesamtes für Materialforschung. Wann und wie der Transport erfolgen soll, wird derweil noch geprüft. „Noch ist überhaupt kein Antrag auf Transportgenehmigung gestellt worden”, erklärt Dr. Krafft. Der könne erst erfolgen, wenn der von den Ahaus-Betreibern gestellte Antrag auf Einlagerung der Jülicher Castoren genehmigt ist.

Weitere Transporte nach Ahaus seien im Übrigen nicht geplant, erklärten die FZJ-Experten. Die in Jülich zwischengelagerten und im Zuge des Rückbaus noch vorhandener Anlagen weiter anfallenden mittel- und schwach radioaktiven Stoffe sollen einmal in der Schachtanlage Konrad endgelagert werden.
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