Bewährungsstrafe für Enkeltrickbetrüger

Von: Hartmut Prüss
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Düren/Eschweiler. Schamlos hat eine Tätergruppe Vertrauen und Naivität älterer Menschen ausgenutzt. Zudem kennzeichnete die meisten Opfer eine gewisse Unbeholfenheit, weil sie aus Ländern der ehemaligen Sowjetrepubliken stammen und in Deutschland noch Sprachprobleme haben.

Jedenfalls sollten fünf Frauen aus Düren, Eschweiler und Menden an zwei Tagen im April 2012 offensichtlich mit dem „Enkeltrick“ um ihre Ersparnisse erleichtert werden.

Bei solchen Taten werden Senioren telefonisch angerufen und so geschickt ausgefragt, dass sie schnell glauben, tatsächlich mit ihrem Enkel zu sprechen, der in finanzielle Not geraten sei. Den meist in Banden organisierten Tätern gelingt es immer wieder, über einen ebenfalls am Telefon angekündigten Bekannten auch größere Summen Bargeld bei ihren Opfern abzuholen.

Bei den im Dürener Schöffengericht verhandelten Taten ging es zwar statt um den Enkel um den Sohn, der angeblich nach einem Unfall schnell Geld brauchte, ansonsten wurde nach der bekannten Masche gearbeitet. Eine Besonderheit: Die Anrufer hatten gezielt Frauen kontaktiert und die Gespräche stets in Russisch geführt. Angeklagt war ein 38-Jähriger aus Litauen, der bei einer Kontrolle im November festgenommen worden war.

Die Staatsanwaltschaft Aachen warf ihm die Beteiligung an zwei vollendeten und drei versuchten Taten vor, die der Mann auch umfänglich gestand. Bei den „erfolgreichen“ Verbrechen kassierte die Bande einmal 2500 Euro in Düren, ein anderes Mal 1300 Euro in Eschweiler. Der Angeklagte erklärte, dass er einen Tag vor der ersten Tat nach Deutschland gekommen sei, um einen Job als Bauhelfer zu suchen. Von den anderen Beteiligten, deren Namen er aus Furcht vor Konsequenzen nicht nennen wollte, sei er zum Mitmachen überredet worden.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den 38-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Das Gericht berücksichtigte dabei, dass der Angeklagte zuvor in Deutschland nicht als Straftäter aufgefallen ist und sich möglicherweise selbst in Not befunden habe. Allerdings müsse man auch daran denken, dass die Geldforderungen zwischen 10.000 und 18.000 Euro beträchtlich seien, auch wenn drei Versuche scheiterten und in den beiden anderen Fällen deutlich weniger Geld erbeutet wurde.

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