Bei Gelb aufs Gas gedrückt: Über 1000 Verstöße pro Jahr

Von: Sarah Maria Berners
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Wer an der Ampel vorbeifährt, wenn diese schon länger als eine Sekunde rotes Licht gezeigt hat, ist seinen Führerschein für einen Monat los und muss 200 Euro zahlen. Am Dienstag kontrollierte die Polizei mit der Videokamera an der Schoellerstraße. Foto: Sarah Maria Berners
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Kurz vor dem Friedrich-Ebert-Platz fischen die Polizisten die Autofahrer aus dem Verkehr. Später erstatten sie bei Verstößen Anzeige. Foto: Sarah Maria Berners

Kreis Düren. „Aber es war noch Gelb.“ Das ist der Satz, den Ralf Stoffels und seine Kollegen vom Verkehrsdienst der Polizei immer wieder hören, wenn sie Autofahrer anhalten, die bei Rotlicht über eine Kreuzung gesaust sind. „Aber das gelbe Lichtsignal zeigt eigentlich an, dass die Fahrer bremsen sollen und nicht, dass sie Gas geben sollen“, betont Stoffels.

Die Verkehrspolizisten haben jedoch den Eindruck, dass es immer mehr Menschen gibt, die bei „Spätgelb“ oder Rot doch noch über die Kreuzung fahren. „Vor allem im Berufsverkehr huschen die Menschen noch schnell über die Kreuzung“, weiß Karl-Heinz Hamacher, Leiter des Verkehrsdienstes.

„Kein Bagatelldelikt“

Statistisch belegt ist die Zunahme nicht, die Rotlichtverstöße werden nicht einzeln erfasst, sondern im polizeilichen Zahlenwerk unter den Vorfahrtsverstößen zusammengefasst. Nach einer Überschlagsrechnung geht die Polizei davon aus, dass sie im Jahr 2013 mehr als 1000 Rotlichtverstöße dokumentiert hat. „Es handelt sich nicht um ein Bagatelldelikt“, betont Polizeisprecher Ralf Meurer. Letztlich könne es bei so einem Verstoß um Leben und Tod gehen. „Schließlich vertraut der Querverkehr an einer Kreuzung darauf, dass niemand von der anderen Seite kommt, wenn die Ampel grünes Licht zeigt.“

Im Jahr 2013 waren im Kreis Düren 21 Unfälle auf Rotlichtverstöße an Landes- und Bundesstraßen zurückzuführen, 21 Menschen wurden verletzt, zwei davon sogar schwer. Um die Zahl der Rotlichtverstöße zu verringern, setzt die Polizei mobile Videotechnik ein. Mehrmals im Monat stellen sich die Einsatzkräfte vom Verkehrsdienst an den Kreuzungen im Kreis auf. „Eine konsequente Verfolgung dieser Verstöße ist sehr wichtig, wenn wir etwas bewirken wollen“, sagt Karl-Heinz Hamachers, Leiter des Verkehrsdienstes.

Dienstagmorgen hat Polizeioberkommissar Markus Valder die Videokamera an der Kreuzung Bismarckstraße/Schoellerstraße aufgebaut, seine Kollegen vom Anhalteteam standen am Friedrich-Ebert-Platz. Eine Viertelstunde lang passiert nichts, und dann meldet Markus Valder – dem Auffangteam einen Verstoß nach dem anderen. Er gibt Fabrikat, Wagenfarbe, Kennzeichen und die Art des Verstoßes durch. Auch Personen, die bei Gelblicht über die Kreuzung gefahren sind, werden angehalten.

Die Polizei spricht von „gravierenden Gelblichtverstößen“, die den Fahrer zehn Euro kosten. Nach jeder Grünlichtphase schalte Valder die Kamera aus. „Eine dauerhafte Überwachung ist rechtlich nicht erlaubt“, erklärt Valder. Zudem würden alle Daten, die nicht relevant sind, gelöscht.

„Die Reaktionen der Autofahrer sind sehr unterschiedlich“, sagt Polizist Ralf Stoffels. Es gebe wütende Menschen und solche, die in Tränen ausbrechen würden. Es gibt Einsichtige und diejenigen, die bezweifeln, dass sie bei Rotlicht über die Kreuzung gefahren sind. Die können sich das Video bei der Polizei anschauen und dort auf die Sekunde genau sehen, wie lange die Ampel schon auf Rotlicht stand, als sie die Haltelinie überfahren haben.

„Die Fahrer nehmen die Situation anders war“, weiß Stoffels, aber das Video ist beweissicher. Drei Sekunden dauern die Gelblicht-Phasen innerorts, je nach Tempolimit vier bis fünf Sekunden auf Landstraßen. „Ich bin in Eile, hatte wegen der Baustelle noch etwas Zeit verloren und habe einfach nicht richtig auf die Ampel geachtet“, gibt eine junge Frau zu, die vermutlich ihren Führerschein abgeben muss. „Gefährlich wird es dann, wenn der eine bei Rotlicht noch fährt und der andere schon bei Gelblicht startet“, betont Stoffels.

Wer erst über die Kreuzung fährt, wenn die Ampel schon eine Sekunde lang rotes Licht gezeigt hat, der ist seinen Führerschein los, bekommt vier Punkte in Flensburg und muss ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro zahlen. Wenn die Ampel noch keine Sekunde auf Rot stand, gibt es drei Punkte und 90 Euro sind fällig.

In beiden Fällen gilt: Wenn Personen gefährdet oder Dinge beschädigt werden, wird es teurer. Wenn der Verlust des Führerscheins die berufliche Existenz gefährdet, wird bei Ersttätern gelegentlich das Bußgeld erhöht und sie dürfen den Führerschein behalten.

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