Kreis Düren/Pier - Baumstämme verbessern das Fließverhalten

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Baumstämme verbessern das Fließverhalten

Von: Jörg Abels
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Foto: Abels
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Kreis Düren/Pier. Die in der Rur bei Pier liegenden Holzstämme wirken wenig spektakulär. Aber sie sind effektiv; und Teil der Bemühungen des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER), den Fluss in den kommenden Jahren nach den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie in einen „guten Zustand” zu bringen.

„An der Wasserqualität der Rur liegt es nicht, dass mancherorts nur wenig Fische vorhanden sind”, erklärt Dr. Antje Goedeking vom WVER. „Der Ausbau des Flusses als Autobahn ist das Problem.” Durch die Begradigung der Rur und die Befestigung der Uferböschungen in früheren Jahrzehnten wurden vielerorts zwar landwirtschaftliche Flächen hinzugewonnen, auf der anderen Seite wurde die natürliche Selbstverlagerung des Flussbettes unterdrückt.

Die Folge: Ein sehr gleichmäßiger Gewässerboden ohne Ruheräume für Fische, erklärt die Biologin. Und genau hier setzt das Totholz-Renaturierungsprojekt des WVER an. „Das Holz wirkt als Störkörper und verändert die Strömung”, erklärt WVER-Dezernent Robert Steegmans. Sedimente werden abgetragen und an anderer Stelle wieder abgelagert, langfristig verändert sich auch der Uferverlauf, so dass die Rur zumindest in diesem Bereich ihren geraden Autobahncharakter verliert.

„Geringer Aufwand, großer Nutzen”, spielt Steegmanns auf die überschaubaren Kosten der Maßnahme bei Pier an, die inklusive der permanenten Überwachung der fest in der Böschung verankerten Holzstämme bis zum Jahr 2013 gerade einmal 20.000 Euro umfassen und zur Hälfte noch von der Europäischen Union im Rahmen des sogenannten WAVE-Projekts bezuschusst werden.

Dort, wo mit schwerem Gerät Flussbette neu modelliert werden müssen, um Retentionsraum zu schaffen, wird es wesentlich teurer.

Auf der anderen Seite haben sich erste Erfolge bereits eingestellt. „Binnen Jahresfrist hat sich die Zahl der Fische in den Totholzbereichen bereits vervierfacht”, erklärt Antje Goedeking.

„Vor allem Forellen und Barben finden wieder Unterstände”, freut sich die Biologin. Das Holz ist zudem Lebensraum für Kleinlebewesen im Wasser, das anhaftende Treibgut zusätzliche Nahrungsquelle.

Sollte sich das Totholz-Projekt weiter derart positiv entwickeln, will der WVER die Strahlwirkung auch in anderen Rurabschnitten nutzen. Allerdings, und darauf weist Steegmanns hin, müssen auch geeignete Uferflächen zur Verfügung stehen.

Der Abschnitt bei Pier bot sich an, weil die Rur dort einst weiträumig naturfern begradigt worden war und außerdem der notwendige Platz für die Selbstentwicklung des Flusses zur Verfügung steht. Landwirtschaftliche Nutzung gibt es nicht mehr.

Das ist andernorts natürlich anders. Auf jeden Fall werden die aus der Maßnahmen gewonnenen Erkenntnisse in die Leitlinien des WVER für die zukünftige Gewässerentwicklung einfließen.

Nutzer des Rur-Uferradwegs können sich an zwei Schautafeln über die Totholz-Maßnahme informieren. Steegmanns versichert zudem, dass die in der Böschung verankerten Baumstände regelmäßig kontrolliert werden, so dass keine Gefahr von ihnen ausgehe.
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