Kreis Düren - Anonyme Spurensicherung: Bis das Opfer bereit ist zur Aussage

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Anonyme Spurensicherung: Bis das Opfer bereit ist zur Aussage

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Kreis Düren. 32 Vergewaltigungsfälle sind im vergangenen Jahr bei der Polizei im Kreis Düren angezeigt worden, bis September dieses Jahres waren es 31. Eine Großzahl der Fälle kann zwar aufgeklärt werden. „Aber die Dunkelziffer ist immer noch groß”, befürchtet Elke Ricken-Melchert, die den „Runden Tisch gegen Gewalt an Frauen im Kreis Düren” leitet.

Angst, den eigenen Partner anzuzeigen, spielt aufgrund des oft vorhandenen Abhängigkeitsverhältnisses dabei eine derart bestimmende Rolle, dass sich Frauen manchmal überhaupt niemandem anvertrauen, geschweige denn Anzeige erstatten wollen.

Spuren werden anonym gesichert

Für Opfer, die noch Zeit brauchen, bei der Polizei Anzeige zu erstatten, kann das Projekt „Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftat” (ASS) ab sofort auch im Kreis Düren eine Alternative sein. Mit ausdrücklicher Zustimmung der Staatsanwaltschaft Aachen können Gynäkologen Vergewaltigungsopfern anbieten, vorhandene Spuren anonym zu sichern. Diese werden dann 20 Jahre lang mit einer Chiffrenummer bei der Polizei gelagert, ohne dass die Behörde tätig wird.

„Dadurch hat das Opfer genügend Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, ob es in der Lage ist, ein Strafverfahren durchzustehen”, erklärt Sigrid Bergsch vom Verein „basta!”. Das Verfahren kann innerhalb der 20 Jahre jederzeit aufgenommen werden, wenn sich das Opfer stark genug fühlt. Vorteil der ASS: Die einmal gesicherten Beweise können auch später noch vor Gericht verwendet werden.

Anlaufstellen sind die gynäkologischen Abteilungen der Krankenhäuser Düren, Birkesdorf und Jülich, die Spurensicherungssets vorhalten. Der Untersuchungsbericht bleibt anschließend im Krankenhaus, die gesicherten Spuren gehen anonym zur Polizei.

Binnen 72 Stunden

Wichtig: Damit die Spuren vor Gericht als Beweismittel anerkannt werden, müssen sie spätestens 72 Stunden nach der Tat gesichert werden, erklärt Maike Baumanns von der Kreispolizeibehörde, die auch die Kosten der anonymen Spurensicherung bezahlt, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden.

Mit einem vom Land NRW geförderten Flyer, der in einer Erstauflage von 5000 Exemplaren auch Hinweise auf Hilfsangebote nach Sexualstraftaten beinhaltet und kreisweit ausgelegt wird, will der „Runde Tisch gegen Gewalt an Frauen” auf das Angebot aufmerksam machen. Auch eine türkische Version ist geplant”, erklärt Elke Ricken-Melchert.
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