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5149 Fototermine und kein Ende in Sicht

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Unterwegs mit Klemmbrett und K
Unterwegs mit Klemmbrett und Kamera: Käthe und Bernd Limburg haben alle Denkmale im Kreis Düren fotografiert. Foto: Johnen

Kreis Düren. Es gibt 1315 Baudenkmale im Kreis Düren - und Bernd Limburg kennt sie alle. Der 63-Jährige hat sie alle besucht, er hat sie alle fotografiert und katalogisiert. Eigentlich verwunderlich, denn Bernd Limburg und seine Frau Käthe wohnen in Wegberg, im Kreis Heinsberg.

Dort gibt es übrigens 1375 Baudenkmale, die Bernd Limburg alle kennt, die er alle besucht und fotografiert hat. Auch die 1457 Denkmale im Kreis Viersen haben die Limburgs schon durch den Sucher der Kamera gesehen, ebenso die 1002 in der Stadt Mönchengladbach. Irgendwann ist also geschehen, was geschehen musste: Bernd und Käthe Limburg (61) haben sich ins Auto gesetzt - und den Kreis Düren, die dort lebenden Menschen und selbstverständlich die Denkmale kennengelernt. Noch Fragen?

Ja, eine: Warum machen Bernd und Käthe Limburg so etwas? Nun, die Reise durch die Denkmal-Landschaft des Westzipfels der Republik begann nicht nur an, sondern mit der eigenen Haustür. Die Limburgs wohnen in einem Fachwerkhaus. In den Türsturz ist die Jahreszahl 1719 eingemeißelt, ein Hauskreuz stammt aus dem Jahr 1746 und trägt die Nummer 108 in der Wegberger Denkmalliste. Bernd Limburg, der bis zum Eintritt in den Ruhestand in einem Krankenhaus arbeitete, entdeckte das Feld der Familien- und Heimatforschung als Hobby - und wollte herausfinden, was es mit den Denkmalen seiner Heimatstadt so auf sich hat - und welche Geschichte hinter der Nummer 108 in der Liste steckt. Bei seinen Recherchen stellte er schnell fest: Das Bildmaterial, das in Amtsstuben zu Denkmalen existiert, war - etwas zugespitzt formuliert - beizeiten so alt wie Denkmale selbst. Auch die Erklärungen zu den einzelnen Objekten waren mal opulent, mal schlank. „Der eine Verfasser hat sich Mühe gegeben, der andere lieferte nur Stichworte”, sagt Limburg. Jedenfalls erkannte er eine Aufgabe - und griff zur Kamera.

Anfangs war er mit dem Rad unterwegs, radelte der offiziellen Denkmalliste folgend die nummerierten Kreuze, Burgen, Mühlen und Häuser ab, schoss Fotos. Wenn er zusätzliche Informationen fand, fügte er sie den amtlichen Beschreibungen hinzu. Und er erstellte eine Homepage, die alle Objekte auflistet. Nach Wegberg kam der Kreis Heinsberg an die Reihe. Im vergangenen Jahr - Bernd Limburg war mittlerweile im Ruhestand - erreichte das Ehepaar aus Wegberg die Grenzen des Kreises Düren.

„Wir möchten kein Geld damit verdienen. Wir wollen etwas für die Nachwelt festhalten”, erklärt Käthe Limburg. Die großen Burgen und Schlösser kenne jeder. „Doch die kleinen Objekte sind genauso wichtig. Alle Denkmale haben ihre Geschichte”, erklärt Bernd Limburg seine Passion. Der Hobby-Forscher möchte bei den Menschen auch ein Bewusstsein dafür wecken, wie wichtig es ist, die Denkmale in den Orten zu bewahren, das Wissen um ihre Geschichte lebendig zu halten.

Wenn die Limburgs unterwegs sind, sind die Aufgaben klar verteilt: Käthe Limburg erstellt aus der amtlichen Denkmalliste einen Routenplan und übernimmt auf den Straßen die Navigation, ihr Ehemann Bernd ist der Fahrer und Fotograf im Team. Etwa 40 Mal haben sie sich von Wegberg aus auf den Weg durch den Kreis Düren gemacht. Und dabei die Dimensionen anfänglich etwas unterschätzt. „Der Weg nach Heimbach dauert schon etwas”, sagt Bernd Limburg augenzwinkernd. Also plante Ehefrau Käthe um - und die Limburgs machten mit ihrem Campingmobil mehrere Tage lang Station in der Eifel. „Wir sind ja schließlich nicht auf der Flucht. Das ist ja ein Hobby”, sagen die Hobby-Forscher. Während sie im ganzen Kreis viele Geschichten gehört und viel über Geschichte gelernt hätten, sei vor allem die Eifel mit ihren Fachwerkhäusern in besonders guter Erinnerung geblieben. 5000 Kilometer haben die Limburgs zurückgelegt, mehrere tausend Bilder geschossen, auf allen Amtsstuben nach Informationen gefragt.

Während ihrer „Arbeit” stolperten die Limburgs nicht nur über die ein oder andere Völkerschlacht, sie kamen auch in regen Kontakt mit den Menschen, durften manches Denkmal sogar von innen betrachten - auf Einladung der Eigentümer. „Die Hilfsbereitschaft war groß”, blickt Limburg zurück, der schon das nächste Projekt in Angriff genommen hat: Auch im Rhein-Kreis Neuss gibt es Denkmale. Nach 5149 Fototerminen ist kein Ende in Sicht. . .
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