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47 Lehm-Nester unterm Scheunendach

Von: Jörg Abels
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Foto: Abels
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Boich/Kreis Düren. Es zwitschert. Eine Mehlschwalbe nach der anderen fliegt vom nahen Feld über den Hof ein, steuert eines der Nester an, aus denen schon etwas größere Jungvögel mit weit aufgerissenen Schnäbeln herausgucken, in der Hoffnung, etwas Fressbares zu ergattern.

Familie Franken in Kreuzau-Boich erfreut sich jeden Tag aufs Neue an den geschützten Flugkünstlern und Sommerboten, die rund um das landwirtschaftliche Anwesen ideale Lebensbedingungen vorfinden.

„Besonders in den Morgen- und Abendstunden herrscht hier reges Treiben”, berichtet Sohn Stephan Franken. Gleich eine ganze Kolonie Mehlschwalben hat die rau verputzte Wand unter einem geschützten Dachvorsprung einer Scheune in Besitz genommen. „Begonnen hat alles vor gut 15 Jahren mit zwei, drei Nestern”, erinnert sich Walter Franken. Heute sind es 47. „Und das Besondere: Alle wurden von den Vögeln selbst gebaut. Das ist selten,” weiß Achim Schumacher vom NABU-Kreisverband Düren. „Den Lehm finden die Vögel in viele kleinen Pfützen rund um unseren Hof, die durch die Bewässerung entstehen”, erklärt Stephan Franken.

Mit der Kreisvorsitzenden Gertraud Eberius ließ es sich Schumacher nicht nehmen, die ungewöhnlich große Kolonie in Augenschein zu nehmen und das „Schwalbenfreundliche Haus” mit der entsprechenden Plakette auszuzeichnen. Seit dem vergangenen Jahr vergibt der NABU diese Auszeichnung. Bewerben können sich Hausbesitzer, die das Brutgeschehen der gefährdeten Schwalben dulden und fördern, ganz gleich, ob es sich bei dem Gebäude um ein Wohnhaus, einen Bauernhof oder ein Fabrikgebäude handelt. „Über 20 Hausbesitzer haben sich in diesem Jahr bereits beworben”, berichtet Gertraud Eberius. „Zusätzlich möchten wir aber auch noch weitere Personen aus dem Kreis Düren auszeichnen, die sich schon seit Jahren auch mit Hilfe von Kunstnestern für die Schwalben an ihrem Gebäude einsetzen.” Eine kleine Feierstunde soll Ende September in der Dürener Marienkirche stattfinden.

Weil die für den Nistbau der Schwalben notwendigen Lehmpfützen in der modernen Kulturlandschaft immer seltener werden und es für die Vögel immer schwerer wird, geeignete Fassaden zu finden, haben der NABU-Kreisverband, der BUND, die Biologische Station und die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Düren in einem Kooperationsprojekt „Hilfe für Schwalben” über 300 Mehlschwalben-Doppelnester an Hausbesitzer gegen eine Spende von zehn Euro abgegeben. Diese wird für weitere Schwalbenschutzprojekte zur Verfügung gestellt. „Darüber hinaus haben wir auch viele Hausbesitzer durch das Anbringen sogenannter Kotbretter unterstützt, die dazu beitragen, die Verschmutzung der Fassade zu verringern”, erklärt die NABU-Kreisvorsitzende weiter.

Dass die geschützten Schwalben so einiges während des Sommers hinterlassen, hat Familie Franken noch nie gestört. Sie liebt die fliegenden Glücksbringer, die ganz nebenbei auch noch dafür sorgen, dass es so gut wie keine Mücken und Fliegen rund um den Hof gibt. „Dann akzeptiert man auch den Kot”, betont Stephan Franken. „Im Herbst, wenn sich die Zugvögel Richtung Afrika aufmachen, machen wir die Fassade wieder sauber und streichen sie neu.” So viel Vogelliebe ist selten. Oft werden die Tiere vergrämt, wird der Nestbau gestört oder werden Nester illegal beseitigt, obwohl das laut Bundesnaturschutzgesetz grundsätzlich verboten ist.

Ein Nest zu entfernen, käme für Familie Franken nie in Frage. Im Gegenteil: Sie plant sogar bauliche Veränderungen, damit Katzen nicht mehr an die Nester herankommen und im kommenden Jahr vielleicht noch mehr Vögel unter dem Scheunendach brüten. Schon jetzt freut sich Stephan Franken auf seinen Geburtstag am 11. April. „Dann kommen in der Regel die ersten Schwalben”, berichtet er - ein Zeichen, dass der Winter endgültig vorbei ist.

Wer mehr über die Aktion „Schwalbenfreundliches Haus” und den Schutz der Vögel erfahren will, kann sich an Gertraud Eberius vom NABU-Kreisverband Düren unter Tel. 02421/54163 oder per E-Mail an ge-ebe@gmx.de wenden.

Bewerbungen für die Schwalbenplakette sind zu richten an den NABU-Landesverband Nordrhein-Westfalen, E-Mail Schwalben@NABU-NRW.de und Tel. 0211/159251-0).

Schwalbenbeauftragter bei der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Düren ist Lothar Gerhards (E-Mail: l.gerhards@kreis-dueren.de und Tel. 02421/222788)

Infos gibt es auch bei der Biologischen Station im Kreis Düren (Tel. 02427/94987-0).

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