„Zum Teufel mit der Vernunft”: Böses Lustspiel mit skurrilen Mitteln

Von: ptj
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Hauen und Stechen um Liddy (Mi
Hauen und Stechen um Liddy (Mira Boes). Die Handlung verfolgt eine der beiden Dichterinnen „Rattengift” (Eva Olk r.). Foto: Jagodzinska

Jülich. „Dass der Teufel auf die Erde kommt, fanden wir interessant. Deshalb haben wir das Stück unter drei Möglichen ausgewählt”, sagte Nina Möller, die in der Inszenierung „Zum Teufel mit der Vernunft...” die Naturhistorikerin IV spielte.

Die Rede ist von der zweiten Auflage des Theaterfestivals der 12er Literaturkurse des Gymnasiums Zitadelle - diesmal in der gut gefüllten Stadthalle auf die Bühnenbretter gebracht. „Teuflisch inszeniert” wurde frei nach Christian Dietrich Grabbes Lustspiel „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung.

Wie Georg Büchner, dessen Stück zum Festivalstart zur Aufführung kam, ist Grabbe seiner Zeit weit voraus. Er wirft in seinem bösen Lustspiel mit skurrilen Mitteln klassische Dramenprinzipien über den Haufen. Unter Leitung von Pedro Obiera hatte der Literaturkurs Grabbes Version gemeinsam bearbeitet, um den Konflikt zwischen Vernunft und satanischem Einfluss zu verstärken.

Theaterkenner aus der Herzogstadt bemerkten während der tadellos umgesetzten Inszenierung sogleich Obieras Handschrift. Worum geht es in der schrill überdrehten Handlung? Die Vernunft in Person einer schönen Frau im Brautkleid (Samiat Martins) bringt Chaos in das Wirken der Höllenbewohner: Teufels Großmutter (Tabea Breuer), seine Gattin (Chiara Hansen), Diabola, seine böse Tochter (Saskia Bremen) und Angela, seine gute Tochter (Kristina Kisner). Der Teufel (Fabian Stroh), flüchtet auf die Erde, wo er auf dem Schloss der Baronin von Haldungen (Karen Hülsmann) den Oberkirchenrat gibt.

Fünf Naturhistorikerinnen, Liesa Wölm, Anna Esposito, Hannah Kurtz, Nina Möller und Kirsten Bittner wollen ihn wissenschaftliche ergründen und denken sich dabei förmlich die Köpfe blutig, ohne eine Lösung zu finden. Derweil stiftet der Satan Verwirrung und sät Böses. Er kauft Liddy (Mira Boes), die hübsche Nichte der Baronin, ihrem Bräutigam, Herrn von Wernthal (Richard Wegner) ab. Er verspricht sie dem wüsten Freiherrn von Mordax (ein herrlich lüsterner Jesse Knapstein), der als Gegenleistung zwölf Schneidergesellen erschlagen soll.

Diese Szene wurde nach der Pause als kreativ eindrucksvolles Schattenspiel umgesetzt. Ein weiterer Bewerber um Liddys Hand ist der grundehrliche und wenig selbstbewusste Herr Mollfels (Ben-Lukas Schuran).

Weitere Rollen in dem bizarr überdrehten Hauen und Stechen um Liddys Gunst oder Mitgift spielen zwei schillernde, aber feige Dichterinnen namens Rattengift (Eva Olk und Riccards Schmitz), ein versoffener Schulmeister (Tobias Tholen als Selbstparodie Grabbes), der Bauer Tobies (Manuel Stahl) und der strohdumme Bauernsohn Gottliebchen (Kevin Evers), der als „Genie” die Welt retten soll. Verwirrung pur.

Wo bleibt die Vernunft in der immer grotesker werdenden Handlung? Genie und Bosheit stehen Seite an Seite, doch der Teufel zieht den Kürzeren, das „Genie bleibt als Weltkind in der Mitte”.

Zwischenapplaus verdienten einige einfallsreiche Details der Inszenierung. Regie führten Liesa Wölm und Oliver Mork. Letzterer wollte „wie Shakespeare auch selber auftreten” und verkörperte einen Schmetterling.

Der abschließende donnernde Applaus belohnte das überzeugende, textsichere Spiel der Akteure und die vielen helfenden Hände hinter den Kulissen. Die Theaterfans aus der Region dürfen sich auf vier weitere Aufführungen im Theaterfestival der Literaturkurse bis Ende Juni freuen.
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