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Zitadellenbüchernacht: Gäste wechseln ständig die Orte

Von: ptj/jago
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Heino Bücher übersetzt simul
Heino Bücher übersetzt simultan Schirmers Lebenserinnerungen ins Ripuarische. Foto: Jagodzinska

Jülich. Der Publikumszuspruch hat gestimmt. So zeigten sich die Veranstalter der ersten Zitadellenbüchernacht - das Museum Zitadelle und die Buchhandlung Fischer - durchaus zufrieden.

Zudem man „am 11.11.11 hätte heiraten können, mit den Karnevalisten feiern oder schauen können, wie sich die deutsche Nationalmannschaft plagt”, wie Schirmherr Wolfgang Spelthahn es ausdrückte.

„Heute sind die Autoren bereit, Auge in Auge mit dem Publikum zu treten, eine ganz neue Herausforderung”, beleuchtete der Landrat die Büchernacht von allen Seiten. Besonders erfreut zeigte er sich über die Möglichkeit, „hier in Jülich an prominenter Stelle das Kreisjahrbuch vorzustellen. Wir, die wir die Bücher lieben, kämpfen mit vielfältiger Konkurrenz”, setzte er nach.

Marcell Perse führte mit einer augenzwinkernden Demonstration des Mantelteilens, die sich mehr als modische Aktion denn als selbstlose Tat entpuppte, in die Veranstaltung ein. Wolfgang Hommel bekundete bereits seine Absicht, „eine zweite oder dritte Büchernacht daraus zu machen”, bevor er zur Organisation Stellung nahm: Zwischen 19 und 22 Uhr stellten 12 Autoren an vier festlich beleuchteten Orten jeweils wiederholt neun Werke vor. Für die wissenschaftlich/historischen Lesungen war jeweils eine Viertelstunde anberaumt, den beiden Autoren historischer Romane und den fünf Verfassern des Kreisjahrbuchs stand jeweils eine halbe Stunde zu.

In den Pausen bestand Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen, mit den Autoren oder untereinander. Ein Büchertisch mit den vorgestellten Werken war im Südostturm aufgebaut. Gerne machten die Gäste von der Gelegenheit Gebrauch, ihren Abend selbst zu gestalten. In bester Laune wechselten sie zwischen Schlosskapelle, Lehrerzimmer, Kapelle und Küche im Schlosskeller hin und her - immer den Organisationsplan in Händen.

Erwähnenswert ist der außergewöhnliche Beitrag von Mundartkenner Heino Bücher, der aus Schirmers unvollendeten Lebenserinnerungen las und sie simultan in Mundart übersetzte. Nur wenige schwierige Sätze hatte er auf einem Zettel notiert. „Man kriegt ein Bild davon. Was war da los?”, brachte Bücher selbst den besonderen Reiz der Aktion auf den Punkt. Förmlich miterleben durften die Besuchergruppen, wie Schirmer „in die fromme freie Natur hineinwuchs” oder „am Nikolausabend Tuschfarbe geschenkt bekam”, oder seinen Schrecken über die Nachricht der bevorstehenden Festungsbelagerung. Mit einem Blick auf die Uhr stellte Bücher abrupt fest: „Ich jlöv, ich moss ophüre” und erntete einige Lacher.

Sehr viel wissenschaftlicher, aber nicht weniger spannend, gestaltete sich Guido von Bürens Aufsatz über die militärischen Auseinandersetzungen am Niederrhein infolge des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites, aus der Perspektive von Stadt und Festung Jülich. Obwohl „optisch der unspektakulärste Band”, hat sein Inhalt laut von Büren „fundamentale Bedeutung”. Es handele sich um „äußerst komplizierte Materie mit mystischer Dimension”. Deswegen gebe es auch „drei Herausgeberschaften an zwei Orten”. Die historische Dimension erschloss sich auch den Freunden der Belletristik, die im Kellergewölbe den Passagen lauschten, die Michael Kuhn und Tatjana Lehnen aus Kuhns neuestem Werk „Marcellus, der Merowinger” lasen.

Gleich im ersten Kapitel erteilt sein bester Freund Marcellus den Rat, er möge sich vor dem Bastard hüten und sich in Sicherheit bringen. Damit war die Saat für eine packende Geschichte gelegt, die Zuhörer ließen sich in Gedanken mitten in das Geschehen mitnehmen. Eine Treppe aufwärts zu gehen bedeutete, in der Schlosskapelle etwa 500 Jahre später zur Zeit der ersten Jahrtausendwende wieder aufzutauchen.

Dort lauschte das Publikum gebannt den Worten von Günter Krieger, der aus seinem Historienroman „Rosen für die Kaiserin” die Umgebung der Kaiserin Theophanu und deren Ausstrahlung schilderte: „Wie ist es möglich, dass eine Frau in einer solchen Schönheit erstrahlt”, fragten sich Zeitgenossen. Zwangsläufig musste es zu Intrigen kommen, in die der Autor seine Zuhörer mitnahm.
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