„Xynthia” macht den Straßenfeger

Von: jago/ma.ho/ojo
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Auf halber Höhe aufgefangen wurde der abgebrochene Turm der Müntzer Pfarrkirche. Er ruht nun auf dem Seitenschiff. Foto: Jagodzinska

Jülicher Land. Am Tag danach offenbart sich das ganze Ausmaß des Schadens, den das Orkantief „Xynthia” am Sonntag im Jülicher Land angerichtet hatte. Prominentestes Sturmopfer ist die Kirche in Müntz. Schon von Weitem erkennbar, fehlt die markante Helmspitze auf dem hochgebauten Kirchturm der gotischen Müntzer Pfarrkirche St. Peter, die am Sonntag Opfer des Sturmtiefs „Xynthia” wurde.

Sie krachte mitsamt Kreuz und Bleikugeln herunter und bohrte ein Loch in die Kirchendecke des Hauptschiffes, ein Glasfenster zerbrach. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die im Innern zum Teil mit Bimsbrocken bedeckte Kirche ist zurzeit abgesperrt. Beim Geländer auf der Turmspitze ist nun eine Schiefstellung zu beobachten.

„Unter einer halben Million ist da nichts zu machen”, schätzt Architekt Bernd Stehlmann vom Bistum Aachen den Kostenaufwand zur Behebung des Schadens. Die Turmsanierung war sowieso für dieses Jahr geplant. Jetzt muss allerdings zusätzlich der Schaden im Hauptschiff behoben und das Seitenschiff komplett saniert werden.

Gleich vor Ort

Der Turm muss zudem bis über seine jetzige Spitze hinaus eingerüstet, das Helmstück neu gebaut werden. Mitarbeiter der Baufirma Krings Bedachungen aus Baesweiler, die bei der Auftragsvergabe Kirchturmsanierung den Zuschlag bekommen hatte, waren gleich am Montagmorgen vor Ort, um mit Sicherungsarbeiten weiteren Schäden vorzubeugen und mit der Ausbesserung im Hauptdach zu beginnen. Dieter Telorac, Pfarrer der GdG Titz, besprach sogleich mit den Fachleuten vor Ort die Möglichkeit einer Absperrung der Schadensstelle in der Kirche für Gottesdienstbesucher.

Müntz war nur ein Schauplatz von vielen. Im gesamten Stadtgebiet Jülich herrschte Vollalarm, und die Löschgruppen der Gemeinden Titz, Inden/Altdorf und Aldenhoven wurden in Bereitschaft gehalten. In Linnich richtete die Wehrleitung wie in den übrigen Feuerwachen Titz, Aldenhoven, Inden/Altdorf und Jülich eine eigene Leitstelle ein, um die Kreisleitstelle in Stockheim zu entlasten.

Fliegende Fassadenteile

Nachdem die ersten witterungsbedingten Einsätze eintrafen, waren die Feuerwachen auch schnell besetzt, die die Einsätze autark koordinierten. Es waren vor allem unzählige umgefallene Bäume, die Straßen und Wege blockierten oder auf Autos und in Häuser stürzten. Schilder, Fassadenteile und Dachziegel riss „Xynthia” aus der Halterung. Mehrfach mussten Straßen gesperrt werden, weil abgerissene Äste oder umgestürzte Bäume den rollenden Verkehr gefährdeten.

Tandemhänger hebt ab

Im Stadtgebiet Jülich waren rund 150 Helfer in 45 Fällen im Orkaneinsatz. Hilfe erhielt die Jülicher Wehr durch die Drehleiter des Forschungszentrums Jülich. In Aldenhoven sperrte man aus Sicherheitsgründen den kompletten Radweg am Rathaus. Dieser war übersät mit Ästen. Ein umherfliegender Tandemhänger verursachte eine zeitweise Sperrung der B56 zwischen Aldenhoven und Dürboslar. Windböen erfassten das Gefährt, rissen es vom Zugfahrzeug und schleuderten es über weitere Pkw, so dass die Feuerwehr Aldenhoven den Hänger festlegen mussten.

Dass bei all den gemeldeten Schadensfällen niemand verletzt wurde, grenzt an ein Wunder. In Freialdenhoven hätte eigentlich zur Sturmzeit die Borussia die Meisterschaftspartie der Mittelrheinliga gegen Brühl austragen sollen. Das Spiel wurde abgesagt. Zum Glück, denn „Xynthia” riss den meterhohen Ballfangzaun zwischen Rasen- und Aschenplatz nieder - just dort, wo üblicherweise auch Zuschauer stehen.

Strom weg

Weitaus größere Folgen hatte das Umknicken einiger 20 KV-Strommasten. Teile von Aldenhoven und Dürboslar waren ohne Strom. Betroffen war auch das Feuerwehrgerätehaus, das sofort auf Notstromversorgung umschaltete. Wegen einer Funküberlastung wurde auf Handybetrieb gestellt. Insgesamt halfen 75 Wehrleute im Gemeindegebiet Aldenhoven. Gegen 21 Uhr wurde die Einsatzzentrale aufgehoben.

Der Raum Titz wurde von „Xynthia” recht heftig getroffen. So fielen in Titz und Jackerath Bäum auf Pkw, auf der L12 hob zwischen Ameln und Rödingen ein Wohnwagen ab, zahlreiche Bäume knickten im gesamten Gemeindegebiet um und in Titz drohte eine große Straßenlaterne auf die Straße zu kippen.

Schwankend

Dramatisch wurde es in Müntz. Hier alarmierten besorgte Anwohner die Feuerwehr über die Tatsache, dass der Kirchturmspitze der Müntzer Pfarrkirche so verdächtig stark im Sturm bewegte. Kaum war das letzte Fahrzeug in Sicherheit gebracht, kippte die rund 20 Meter hohe Kirchturmspitze.

Gleise blockiert

Im Raum Linnich sorgten umgestürzte Bäume, geknickte Schilder oder beschädigte Dächer für reichlich Arbeit. Einsatzschwerpunkt war die B 57, die aufgrund zahlreicher Bäume zwischen Körrenzig und Rurich zeitweise gesperrt wurde. In Tetz blockierten Bäume die Gleise der Rurtalbahn, deren Verkehr für die Zeit der Aufräumarbeiten eingestellt wurde. Für etwa 100 Wehrangehörige endete wie auch in Inden/Altdorf gegen 21 Uhr die Einsatzbereitschaft. In der Gemeinde Inden/Altdorf standen 36 Einsatzkräfte im Kampf gegen „Xynthia” bereit. Wegen eines umgestürzten Baumes musste die Feldgasse in Frenz gesperrt und in Pier einige Dächer gesichert werden.
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