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Worte öffnen eigene Welten

Von: ptj
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Führt in fremde Lebenswelten ein: Die Jülicher Buchhändlerin Eva Behrens-Hommel stellt im Bonhoeffer-Haus einige Bücher zur Themenreihe „Das Fremde” vor. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wenn das Ich sich fremd wird” oder „wenn das innere Team in uns aus dem Gleichgewicht gerät”, mit solchen Reflektionen beschäftigte sich der erste Themenabend nach der Auftaktveranstaltung der Reihe „Das Fremde” der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich.

Die kompetente Jülicher Buchhändlerin und Diplompädagogin Eva Behrens-Hommel hatte gleich einige Bücher parat, die „mal nicht in der Migration, sondern in der eigenen Lebenswelt anfangen”.

Die meiste Zeit widmete sie der Autobiografie der Niederländerin Sophie van der Stap „Heute bin ich blond”: Durch einen plötzlich auftretenden, seltenen und aggressiven Krebs verändert sich plötzlich die Lebenswelt der attraktiven Hauptdarstellerin.

Stark und ängstlich zugleich schlüpft Sophie mit Hilfe einiger Perücken in ständig wechselnde neue Rollen hinein. Sie findet den Mut, ihren Todesängsten ins Auge zu sehen, widmet sich einer seelischen Aufräum- und Reinigungsaktion und genießt die plötzliche Fülle an Zeit.

„Die Welt wird ihr einerseits banal, andererseits beneidet sie die Anderen, die sich Zeit für diese Banalitäten nehmen können”, fasste Behrens-Hommel später einige wichtige Details zusammen. Sophie überlebt und steht in der Fortsetzung des Buches „Morgen bin ich wieder da” ihrer Leidensgenossin Chantal bei, die ihr sterbend rät „folge stets deinem Herzen”. Daraufhin flüchtet Sophie in eine Weltreise, muss allerdings feststellen: „Die Lebenszeit lässt sich nicht verlängern” und „Man kommt gar nicht zum Normalmaß zurück”.

Die überwiegend weiblichen Zuhörer nahmen regen Anteil an Sophies Schicksal, noch mehr aber bewegte sie das von Axel Brauns in seiner Autobiografie „Buntschatten und Fledermäuse”. „Er nimmt uns in seine Welt hinein voller Licht, Farben und Geräusche, wo Menschen nur stören. Hat dieser Asperger (eine leichtere Form des Autismus) das wunschlose Glück?”, fragte sich die Gastleserin im Vorfeld.

Brauns, der unbekannte Menschen nur als mimiklose Grauschleier wahrnimmt, schildert seine für einen „normalen” Menschen tragische Emotionslosigkeit und Schmerzunempfindlichkeit aus seiner Sicht, in seiner ganz eigenen, poetischen Sprache: „Ich berauschte mich an der Berührung der Halmspitzen, ich versank in mir, die Zeit ertaubte.” „Endlich begreif´ ich, was in so einem Menschen vor sich geht, die Tür zu dieser wirklich fremden Welt geht ein bisschen auf”, resümierten Organisatorin Elke Bennetreu und Behrens-Hommel.

Letztere ging kurz auf ein weiteres Buch von Brauns ein: In „Kraniche und Klopfer” beschreibt er das Leben eines „Messies”, der unfähig ist, die eigene Umgebung sauber und ordentlich zu halten. Lesenswert, doch „man liest sich wund und mag es nicht mehr”, so wiederholt der aspergische Autor unter anderem „Straßennamen oder Ende”, eine Tatsache, die dem Normalbürger wenig plausibel erscheint.

Im Zusammenhang mit Autisten und Asperger, zu denen auch Einstein gezählt haben soll, kamen „Inselbegabungen” zur Sprache. Hier vollbringen Menschen mit kognitiver Behinderung in einem Teilbereich außergewöhnliche Leistungen.
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