Wodka-Besäufnisse enden in Aggressivität und Rohheit

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Richter Gerd Nohl, Vorsitzender des Aachener Schwurgerichts, fasste eine Reihe von gleich gelagerten Fällen zusammen. Nachdem die Kammer den Jülicher Igor B. (27) wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung an seinem Cousin Aleksander A. (30) zu vier Jahren Haft verurteilt hatte, sprach der Vorsitzende ein generelles Problem an.

„Wir haben in den vergangenen Monaten fünf oder sechs Verfahren gehabt, in denen ein anfänglich geselliges Beisammensein in den jeweiligen Wohnungen mit brutaler und roher Gewalt endete.” Warum, das wisse so richtig niemand.

Immer seien Unmengen von Wodka im Spiel gewesen, so wie im Fall von Igor B., der zur Tatzeit am Morgen des 8. Februar, einem Sonntag, nach durchzechter Nacht einen Blutalkoholwert von mehr als drei Promille aufwies. Oftmals, so der Richter besorgt, endeten solche Gelage „in ungewöhnlicher Aggressivität und Rohheit”, meist mithilfe von Gebrauchsmessern schwer verletzte oder sogar getötete Opfer würden zurückbleiben. Ein Motiv sei meistens überhaupt nicht oder höchstens ansatzweise in den Prozessen zu ergründen - alles wird in solchen Nächten anscheinend vom dichten Alkoholnebel überdeckt.

So auch im Fall von Igor B., dem Nohl bis zu jener Tat vom Februar ein sozial durchaus positives Zeugnis ausstellte. „B. ist ein junger Mann, der sich einschlägig nichts hat zuschulden kommen lassen.” Er war bislang „nur” wegen Alkohol am Steuer und wegen eines kleinen Diebstahls verurteilt worden. Er habe, so Nohl weiter, regelmäßig in seinem Beruf gearbeitet, besaß eine nette Wohnung und wollte gerade zarte Bande zu einem Mädchen knüpfen, als die Saufnacht alles zunichte machte.

B. habe ein deutliches Alkoholproblem, erklärte der Richter und machte klar, dass er sofort in eine Entziehungsmaßnahme kommen müsse. Wegen des hohen Alkoholisierungsgrades bekam der Angeklagte verminderte Schuldfähigkeit zugerechnet, der Strafrahmen vermindert sich dadurch. Die als „Zumutung” empfundene Aussage des Opfers A., der von Beginn an seinen Vetter vor jedweder Strafe schützen wollte, konnte das Gericht nicht verwerten. „Wir können uns da nicht die Rosinen herauspicken”, meinte der Richter.

Auch im Fall Igor B. sei ein wie auch immer geartetes Motiv für die zwei Messerstiche, davon einer lebensgefährlich dicht am Herzen, nicht zu ergründen gewesen. Die Staatsanwältin hatte fünf Jahre Haft gefordert, der Verteidiger zwei Jahre auf Bewährung.
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