Jülich - Wo Städtehüpfer und Weltenbummler abtauchen

Wo Städtehüpfer und Weltenbummler abtauchen

Von: Nicola Gottfroh
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Jülich. Marine, 16, zupft noch ein letztes Mal an dem Delphin, den sie unter der Decke des Bonhoeffer Haus hübsch drapiert hat, und steigt zufrieden von der Leiter. Der große Saal kann sich sehen lassen. Bunte Girlanden, Wasserbälle, Krokodile und andere aufblasbare Schwimmtiere schmücken die Decke.

Selbstgemalte Bilder und gebastelte Fische geben dem Betrachter das Gefühl, sich in der Welt des Ozeans zu befinden. Das Highlight wartet aber am anderen Ende des Raumes: Dort ist eine „Unterwasserhöhle” entstanden, der den Ferienkindern einen gemütlichen Unterschlupf bieten soll.

Für die bunte Meereslandschaft, die für die Kinder-Ferienfreizeit im Bonhoeffer-Haus entstanden ist, haben sich 20 junge Erwachsenen aus Deutschland - viele davon aus Jülich - und 13 Jugendliche aus den verschiedensten Ländern lang ins Zeug gelegt.

Tausende Jugendliche

Drei Tage lang bereiten die 30 Teilnehmer des Internationalen Workcamps das bunte Ferienprogramm vor. Die jungen Erwachsenen gehören zu den vielen Tausend Jugendlichen, die jedes Jahr nach Deutschland kommen, um an verschiedenen Projekten zum Thema Klimaschutz oder Bauen und Renovieren teilzunehmen, aber auch um Kinderferienaktionen zu betreuen oder ein Festival zu organisieren.

Auch Marine gehört zu der 13-köpfigen Gruppe internationaler Jugendlicher im Bonhoeffer-Haus, die mit ihren Teamer-Kollegen aus Deutschland rund 70 Ferienkinder betreuen werden. Die 16-Jährige kommt aus Frankreich und wollte in Jülich eigentlich ihre Deutschkenntnisse aufbessern. „Aber das kann ich vergessen - hier wird nämlich gar kein Deutsch gesprochen. Weil Jugendliche aus Spanien, Korea, Armenien, Taiwan und natürlich aus Deutschland dabei sind, ist das Verständigungsmittel hier Englisch”, erklärt die Pariserin. Dafür sieht sie aber eine Menge vom Land.

In den freien Stunden macht die Gruppe nicht nur die Herzogstadt unsicher, sondern auch Ausflüge nach Köln oder Düsseldorf stehen an. Dass in Deutschland eine Sache ganz anders ist als in Frankreich, hat Marine schon feststgestellt: „Ich liebe Eis und bin begeistert, wie billig eine Kugel in Deutschland ist.” In Paris zahle man oft das Vierfache, erzählt sie.

Campingcharme

„Für die Jugendlichen ist ein solches Workcamp, in dem sie gemeinsam ein Projekt realisieren, eine tolle Gelegenheit, für einige Wochen ins Ausland zu kommen und mit anderen Jugendlichen in einem Camp zu leben”, sagt Stefanie Arndt von der evangelischen Kirchengemeinde. Spanien, Korea, Armenien und Taiwan sind einige der Herkunftsländer der Jugendlichen, die sie aufzählt. Tatsächlich hat die Wohnsituation, in der sich die Jugendlichen befinden, echten Campingcharme, denn die internationalen Teamer sind nicht etwa in Gastfamilien untergebracht, sondern leben in einem provisorischen Lager. Während sie drei Tage lang die Ferienspiele vorbereiteten, verbrachten sie auch die Nächte im Boenhoeffer-Haus, während die Teilnehmer aus Jülich am Abend nach Hause zu ihren Familien gehen konnten. „Wir schlafen alle verteilt in verschiedenen Räumen des Hauses und verpflegen uns selbst. Das macht riesig Spaß und ist immer lustig”, sagt Marine, die das Schlaflager im Haus toll findet.

Am letzen Tag des Aufbaus ist allerdings gleichzeitig ein Umzug angesagt. Weil die 70 Ferienkinder im Anmarsch sind und das Bonhoeffer Haus die nächsten Wochen proppevoll sein wird, schlägt die Gruppe ihr Lager in einer Jülicher Kindertagesstätte auf. Dort gibt es die Möglichkeit zu duschen - bislang ging das nur im Hallen- oder Freibad. Für Alberto aus Madrid ist genau das das Besondere am Workcamp: „Es macht Spaß, sich in einer großen Gruppe mit wenigen Mitteln zu organisieren. Wir gehen gemeinsam einkaufen und kochen gemeinsam. Das ist der Charme des Workcamps.”

Der spanische Student nimmt an der Aktion teil, weil er auf diesem Weg viele verschiedene Menschen aus allen Teilen der Welt kennenlernen kann. Und weil der 21-Jährige besonders gern mit Kindern zusammenarbeitet, hat er sich für das soziale Projekt in Jülich entschieden.

Dreiwöchiger Austausch

Während die Mädels vor allem kreative Arbeiten erledigen, müssen der Student und seine männlichen Kollegen auch mal maskuline Aufgabe erledigen: etwa die Sofas von einem Raum in den anderen schleppen.

Auf dem Innenhof malt eine Gruppe Jugendlicher lebensgroße Delphine auf Pappe, die bei der Kinderfreizeit die Wände schmücken sollen. Unter den Malern ist auch Dennis. Der 16-Jährige aus dem niedersächsischen Cloppenburg ist ein als echter Städtehopper. Für ihn haben die Ferien schon vor einigen Wochen begonnen, in Jülich nimmt er an seinem zweiten Workcamp in diesen Ferien teil. „Ich war nur drei Tage zu Hause. In den Workcamps sehe ich etwas von der Welt, komme mal aus Cloppenburg raus und lerne neue Leute kennen. Das ist total cool”, findet er.

In knapp 14 Tagen ist der dreiwöchige Austausch für ihn und seine Teamer-Kollegen vorbei - in ihren Koffern nehmen alle Teilnehmer dann sicherlich Erfahrungen fürs Leben mit nach Hause - wo immer das auch sein mag.
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