Wo in Linnich der Wind weht

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Windräder gibt es heute schon in der Gemeinde Titz. Gegner befürchten, dass noch einige dazu kommen. Foto: Kròl

Linnich. „Wie viele genau das sind, weiß ich im Augenblick nicht. Wir haben da etwas den Überblick verloren.” Was Vorsitzender Hans-Friedrich Oetjen (SPD) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung ansprach, ist eine Antragsflut, mit der sich die Verwaltung derzeit konfrontiert sieht. Grundstückseigentümer und Investoren melden zuhauf den Wunsch nach Bau von Windkraftanlagen an. Diesem Boom kann sich die Stadt nicht entziehen.

Die Frage, ob auf Linnicher Stadtgebiet weitere Flächen zur industriellen Nutzung von Windenergie freigegeben werden, beschäftigte schon im vergangenen Jahr die Kommunalpolitik - und sie schreit nicht zuletzt der steigenden Nachfrage wegen nach einer Antwort.

Topografie und Windpotenzial als Auswahlkriterien

Eine fachliche Grundlage lieferte jetzt das Erkelenzer Ingenieurbüro VDH Projektmanagement GmbH. Auftragsgemäß hatte es das Stadtgebiet nach potenziellen Windkraftkonzentrationszonen untersucht. Grundkriterium bei dieser Untersuchung war ein Radius von 1000 Metern als Mindestabstand zwischen den hoch aufragenden Windrädern und der Wohnbebauung. Die Ingenieure hatten darüber hinaus die Topografie und das Windpotenzial in Betracht gezogen. Ersteres ist eher wichtig für die Entscheidung des Rates. Ein oder mehrere der weit über 100 Meter hohen Spargel fallen auf dem flachen Land sehr viel stärker - und damit störend - ins Auge als in einer welligen oder hügeligen Landschaft. Zweiteres hätte eher Einfluss auf die Bauentscheidung eines Investors. Wo nur ein laues Lüftchen weht, lässt sich weniger Geld verdienen.

Sechs Bereiche

Den Kriterienkatalog angelegt, ergaben sich sechs Bereiche im gesamten Linnicher Stadtgebiet, die sich für die Errichtung von Windkraftanlagen eignen. Sie sind unterschiedlich groß und unterschiedlich gestaltet. Allen ist gemein, dass es sich ausschließlich um landwirtschaftlich genutzte Flächen handelt.

Ein großflächiges Areal fand sich oberhalb von Körrenzig in Nachbarschaft zu den bestehenden Windkraftanlagen. Weit weniger ausgedehnt und nur für eine geringe Anlagenzahl geeignet wäre eine Fläche südöstlich von Gevenich. Ähnlich flach wie das Gevenicher Areal wäre ein Bereich südlich von Boslar. Eingebettet in das Hügelland fielen die Windräder dort weniger auf. Zwei Bereiche - einer von mittlerer, der andere von geringer Größe - ließen sich bei Ederen nutzen. Der größere der beiden wäre schon vorbelastet durch die benachbarten Windkraftparks der Stadt Jülich und der Gemeinde Aldenhoven.

Die sechste potenzielle Windkraftkonzentrationszone im Bereich Linnich steckte VDH nördlich von Gereonsweiler ab. Dort ließe sich eine größere Zahl von Anlagen errichten; außerdem wäre es die Fläche mit dem besten Windpotenzial überhaupt. Diese Fläche sowie die bei Körrenzig, befanden die Gutachter, wären zu empfehlen, wenn die Stadt neue Windkraftzonen ausweisen wolle. Mit Abstrichen ebenfalls empfehlenswert seien das größere Areal bei Ederen sowie das bei Boslar.

Hans-Otto von der Heide warnte vor einer voreiligen Bewertung der Untersuchung. „Wir haben überhaupt nicht untersucht, welche Auswirkungen von welcher wie auch immer gearteten Anlage ausgehen. Das wird sich erst bei der konkreten Planung ergeben.” Die Kartierung von Flächen sei nur der erste Schritt. „Deswegen lässt sich derzeit noch gar nicht sagen, wie viele Anlagen in welcher Anordnung gebaut werden können.” Auch der Abstand zur Wohnbebauung müsste dann noch festgelegt werden, reagierte von der Heide auf eine Nachfrage von Dr. Klaus Selter (FDP). 1000 Meter seien der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand. Eine politische Entscheidung sei die Festlegung auf 1200 Meter (Beispiel Titz) oder gar 1500 Meter.

Bürgervotum

Eine politische Antwort hatte Hans-Willi Dohmen (CDU) parat. „Wir sollten den Bürgern keine weiteren Windkraftanlagen zumuten.” Er ging noch einen Schritt weiter und kündigte an, im Stadtrat am vergangenen Donnerstag den Antrag auf einen Ratsbürgerentscheid zu stellen. Das geschah freilich nicht. Das Thema Windkraft stand nicht auf der Ratstagesordnung. Die grundsätzliche Flächendebatte aber ist unvermeidlich.
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