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Windräder lassen Kassen klingeln

Von: bugi/gep
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Windkraftanlagen lassen nicht nur die Kassen der Betreiber und Grundstückseigentümer klingeln, auch die Kommunen profitieren. Die Gemeinde Vettweiß will möglicherweise sogar als Investor mitmischen. Foto: gep

Kreis Düren. Finanzielle Not macht erfinderisch. Ab dem kommenden Jahr hat die Gemeinde Vettweiß jährliche Einnahmen in Höhe von 200.000 Euro aus der Verpachtung von Flächen für Windkraftanlagen in den Gemeindehaushalt eingesetzt, um überhaupt einen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen zu können.

Mit Windkraft kalkuliert die Gemeinde Aldenhoven, als Kommune im NRW-Stärkungspakt Stadtfinanzen noch unter einem weitaus stärkeren finanziellen Druck, schon längst. Mit jährlichen Einnahmen von 11.600 Euro bis zum Jahr 2021 rechnen die Haushälter am Merzbach alleine durch die Ausweisung von Windkraftkonzentrationszonen. Bis 2021 soll die Kommune ohne Konsoldierungshilfe des Landes schwarze Zahlen schreiben.

Wenn die Vettweißer Verwaltung nun ein Strategiepapier zur Windenergie in der Gemeinde vorlegt, in dem davon die Rede ist, dass man sich eben nicht der „gesamtstaatlichen Aufgabe“ der angestrebten Energiewende verschließen solle, sondern „aktiv an der Umgestaltung der Energiegewinnung mitwirken“ möge, dann sind es also nicht nur edle Motive, die man als Beweggrund nennen darf. Dabei kommt das Strategiepapier, das erstmals in der Sitzung des Bauausschusses am 19. Februar (18 Uhr im Rathaus) beraten wird, zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Hunderte Megawatt

In einer Studie des Landes NRW liegt Vettweiß in der Spitzengruppe der Kommunen mit dem größten Potenzial für Windkraftanlagen. Bei einer berechneten Fläche von knapp 1150 Hektar könnten theoretisch 252 Megawatt Strom produziert werden. Dabei hat es die Kommune aufgrund der Planungshoheit selbst in der Hand, wie stark man sich in diesem Bereich engagieren will.

Als größte Hürde erkennt man dabei die möglicherweise mangelnde Akzeptanz der Bürger, die in der Vergangenheit schon zu Beschränkungen beim Ausbau der Windenergieanlagen geführt hat. „Diese Akzeptanz ist nicht damit zu erreichen, dass wenige an der Energiewende verdienen und der überwiegende Teil der Bevölkerung dafür zu zahlen hat beziehungsweise mit dem Erscheinungsbild vor Ort leben muss“, heißt es denn auch in dem Strategiepapier.

Die logische Konsequenz aus Sicht der Vettweißer Verwaltung: „Alle Bürger sollten am Prozess der Energiewende positiv beteiligt werden und nicht nur diejenigen, die durch den Planungsstrich der Gemeinde nicht unerhebliche wirtschaftliche Vorteile generieren können.“

So erhalten Grundeigentümer, die ihr Land an Windkraft-Betreiber verpachten, im Rheinland pro Anlage ein jährliches „Mindestnutzungsentgelt“ von derzeit 10.000 bis 40.000 Euro. Zugleich wird empfohlen, zudem eine prozentuale Beteiligung am Einspeiseerlös ins Stromnetz zu verlangen

Die Gemeinde Vettweiß überlegt zum Beispiel, selbst Mitgesellschafter von Windenergieanlagen zu werden oder aber darauf drängen, dass Teile der Pacht, die die Grundstückseigentümer kassieren, in eine Bürgerstiftung fließen zu lassen, die wiederum gemeinnützige Aufgaben finanziert, um so die Gemeindekasse zu entlasten.

Und wenn es dann doch um „edle Motive“ gehen sollte, hat die Kommune noch einen anderen Trumpf in der Hand: Um die vergleichbare Strommenge einer Windkraftanlage neuester Generation zu produzieren, würde man eine Sonnenkollektorfläche von 100.000 Quadratmetern benötigen oder 400 Hektar Mais für die Biogasanlage.

Weiterer Pluspunkt der Windenergie: Dank der deutlich geringeren Einspeisevergütung gilt sie nicht als Preistreiber.

„Durch die Verbesserung und Erweiterung von Windkraftanlagen könnte die Gemeinde ein autarke Versorgung sicherstellen“, wird in dem Strategiepapier festgestellt.

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