Wie lässt sich die Energieversorgung künftig sichern?

Von: Nicola Gottfroh
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Dr. Joachim Göttsche, Jürgen Hake, Harald Bold und Ulrich Schurr (v.l.) diskutierten zum Thema Energie. Moderiert wurde der Abend von Volker Uerlings (Mitte). Foto: Gottfroh

Jülich. Der Filmprojektor wirft ein Sattelitenbild der Erde an die Leinwand. Strahlend schön zeigt sich der blaue Planet. Dann ändert sich die Perspektive. Die folgenden Bilder wurden von der Kamera auf der Erde eingefangen. Sie zeigen Erschreckendes: Verendete Tiere, ausgetrocknete Flüsse und gerodete Wälder.

Zum Einstieg in die „Nacht der Energie”, die vom Forschungszentrum Jülich gemeinsam mit unserer Zeitung im Kulturbahnhof veranstaltet wurde, zeigten die Organisatoren dem Publikum den Kinofilm „Der Planet”.

Neun Milliarden Menschen werden sich den Planeten im Jahre 2050 teilen, so lautet eine Aussage des Films. Um ihnen das Lebensniveau von heute zu ermöglichen, wären fünf Erden notwendig. Wenn die vorhandenen Ressourcen erschöpft sind, könne es zu Völkerwanderungen und Auseinandersetzungen kommen. Die Botschaft des Films war bei den Besuchern angekommen.

Deshalb ging es bei der anschließenden Diskussion mit Jülicher Fachleuten um eine zentrale Zukunftsfrage: Wie sichert man die Energieversorgung einer Menschheit, die rapide wächst?

Auf dem Podium

Was man für eine nachhaltige Energieversorgung tun kann, um damit die Natur und nicht zuletzt die Menschheit vor massiven Veränderungen des Lebensraumes zu schützen, erörterten Harald Bold, Mitglied im Vorstand des Forschungszentrums, Dr. Joachim Göttsche, Abteilungsleiter Effiziente Energienutzung am Jülicher Solarinstitut, Jürgen Hake, Leiter des Institutes für Energieforschung, Systemforschung und technologische Entwicklung, sowie Professor Ulrich Schurr, Leiter des Institutes für Chemie und Dynamik der Geosphäre-Pytosphäre. Moderiert wurde der Abend von Volker Uerlings, Redakteur unserer Zeitung.

„Ich bin der Meinung, dass man angesichts der dramatischen Lage nicht früh genug anfangen kann, entgegenzuwirken. Wir Menschen in den Industrieländern dürfen unseren Luxus nicht auf Kosten anderer ausleben”, machte Göttsche seinen Standpunkt klar. Dem schloss sich Ulrich Schurr an: Die Probleme der Ausbeutung der Erde und der damit einhergehenden globalen Erwärmung seien „die Probleme des Menschen, nicht die der Natur. Der Mensch hat nur eine Erde. Die Natur wird, da bin ich überzeugt, überleben”.

Es sei nicht nur Aufgabe der Wisenschaft herauszufinden, wie man nachhaltig mit Ressourcen umgeht. Jeder sei gefragt - schließlich gebe es jede Menge Einsparpotenzial. „Wer 15 Kilometer mit dem Auto fährt, verbraucht soviel Energie, als würde er eine Stunde lang duschen”, nennt Göttsche ein Beispiel. Deshalb forderte er die Publikumsgäste auf, häufiger mit dem Rad zu fahren. Außerdem seien schlecht gedämmte Häuser wahre Energiefresser.

Die moralische Komponente

Doch während Deutschland sich der Klimaproblematik durchaus bewusst ist und versucht, den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren, verbrauchen aufstrebende Länder wie etwa China und Indien so viel Energie wie noch nie. Umweltschutz steht dort nicht oben auf der politischen Agenda. „Aufstrebende Nationen überholen uns rechts, was den Energieverbrauch angeht. Sind sie klüger als wir, oder haben sie das Problem einfach noch nicht verstanden?”, fragte Moderator Volker Uerlings.

„Bei dieser Frage gibt es auch eine moralische Komponente. Dürfen wir Industrieländer, die für die derzeitige Situation verantwortlich sind, aufstrebenden Schwellenländern überhaupt Ratschläge geben? Das ist ein Teil des Dilemmas, an dem die Energiedebatte krankt. Ich habe darauf keine Antwort”, sagte Hake. Eine besonders interessante Frage stellte ein Zuschauer: „Wo sind denn die ganzen jungen Menschen, die diese Frage angeht. Ich sehe überwiegend die ältere Generation vertreten - und wir werden 2050 nicht mehr da sein.”

Allein die Form der Diskussion und die „ausschweifenden Antworten, bei denen man in der Mitte der Ausführungen die Frage schon nicht mehr wusste”, störten zwei Vertreterinnen der jungen Generation, wie sie im Anschluss sagten. Kontrovers diskutiert wurde das Thema der Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke. Das letzte Wort der Diskussion hatte eine Zuschauerin, die ein höchst pessimistisches Fazit der Veranstaltung zog: „Wer Optimist ist, der ist nicht informiert.”
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