Wetterstation ist ein Erbe aus KFA-Zeiten

Von: Antonius Wolters
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Dr. Axel Knaps demonstriert den Fortschritt in der Messtechnik: Das Schalenstern-Anemometer (l.) zeichnete in den 1960er Jahren Windgeschwindigkeit und -richtung rein mechanisch auf einem Registrierstreifen auf. Das daneben stehende Ultraschall-Anemometer kommt völlig ohne bewegliche Teile aus und berechnet Windgeschwindigkeit, -richtung und -neigung über Laufzeit-Verschiebungen. Foto: Wolters

Jülich. Eigentlich könnten Dr. Axel Knaps und seine Kollegin Larissa Henschke, die die Wetterstation im Forschungszentrum Jülich (FZJ) seit mehr als 20 Jahren betreuen, heute eine Flasche Sekt köpfen, denn weltweit wird der Tag des Wetters gefeiert.

Dass die Wetterbeobachtung im FZJ praktisch seit dem ersten Tag betrieben wird, hat auch und vor allem mit seinen Wurzeln als Kernforschungsanlage (KFA) zu tun. Überall dort, wo große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt werden könnten, sind die Betreiber durch gesetzliche Bestimmungen angehalten, Vorsorge zu treffen und eine Art Frühwarnsystem einzurichten, um die Menschen in der Umgebung im Falle eines Störfalles warnen zu können.

So ist die Wetterstation des FZJ dem Bereich Sicherheit und Strahlenschutz zugeordnet. Deshalb gehört zu den Aufgaben weniger die Wettervorhersage, sondern die Wetterbeobachtung, um im Notfall rasch abschätzen zu können, in welche Richtung und in welcher Geschwindigkeit sich beispielsweise eine radioaktive Wolke bewegen würde.

Dafür wird im FZJ ein hoher messtechnischer Aufwand betrieben. Die erste Wetterstation befand sich nach Gründung des Zentrums vor dem Hauptgebäude und verfügte über einen kleineren Wetterturm, der etwa 30 bis 40 Meter hoch war, berichtet Dr. Knaps, der diese Zeit nur aus alten Berichten und Erzählungen kennt. Er hat seine Tätigkeit in Jülich erst im Juni 1994 nach dem Meteorologie-Studium in Darmstadt aufgenommen.

1963 begann der Neubau der Wetterstation, die im Sommer 1964 eingeweiht wurde. Paradestück und ein Wahrzeichen des FZJ ist der Wetterturm, mit 124 Metern das höchste Gebäude des Zentrums. Bestückt ist der Turm mit insgesamt sieben Messplattformen, die sich in Höhen zwischen 10 und 120 Metern befinden. Dort befinden sich nicht allein Messinstrumente rund um die Meteorologie, sondern die Möglichkeiten des Turms werden auch gerne von diversen Instituten genutzt, um in verschiedenen Höhenlagen Daten aller Art zu erfassen. Nicht zuletzt markiert der Turm das Ende einer Richtfunkstrecke, die Daten des vom FZJ auf der Sophienhöhe errichteten Wetterradars Teodoor ins Zentrum überträgt, wo die Signale aufbereitet und ins Internet gestellt werden und weltweit abrufbar sind.

Das gilt auch für die Daten, die auf der Wetterseite des FZJ stündlich aktualisiert werden. Nicht nur viele Landwirte im Jülicher Land informieren sich auf der Wetterseite des FZJ über Luftdruck, -temperatur und -feuchte, Windstärke und -richtung sowie deren Verlaufskurven in den vergangenen 24 Stunden. „Die Wetterseite ist die am meisten abgerufene des Forschungszentrums“, sagt Axel Knaps mit einem gewissen Stolz. Auf der Seite sind neben aktuellen Werten auch Wetterdaten des Vortages wie höchste und niedrigste Temperatur, Windstärkemaximum oder Niederschlagsmengen und Sonnenscheindauer verzeichnet. Abgerundet wird das Angebot mit astronomischen Daten für Jülich mit Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Da die aktuellen Wetterdaten in zehnminütigen Intervallen einlaufen, möchte er sie auch in dieser Frequenz ins Netz stellen. Der Probebetrieb ist angelaufen, die Umstellung hängt aber davon ab, wann der Wetterturm grundsaniert wird. Nach 53 Jahren bei Wind und Wetter ist nicht allein ein neuer Anstrich notwendig.

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