Jülich - Wenn Männerherzen „tuff tuff“ machen

Wenn Männerherzen „tuff tuff“ machen

Von: Daniela Martinak
Letzte Aktualisierung:
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Ganz schön spannend: Der sechsjährige Philipp aus Linnich lässt sich von Michael Wagener erklären, wie eine solche Anlage überhaupt funktioniert und warum die Eisenbahnen darauf fahren können. Foto: Martinak

Jülich. Die Frage, ob die Augen der Kinder oder die der Männer mehr strahlten, konnte tatsächlich gestellt werden. Auch, wenn Michael Wagener sich tagein, tagaus mit Modelleisenbahnen beschäftigt, wurde er einfach nicht müde, die Technik zu erklären.

Egal ob da gerade der sechsjährige Philipp aus Linnich vor ihm stand und fragte, ob die Züge auch „tuten“ können oder gar erwachsene Männer, die sich für dieses Hobby interessieren.

Das Kind im Manne kam beim zweiten offenen Fahrabend des Eisenbahn-Amateur-Klubs Jülich (EAKJ) eindeutig zum Vorschein. „Wir haben diesen Tag ins Leben gerufen, weil wir es einfach langweilig fanden, jedes Jahr einen Tag der offenen Tür zu veranstalten“, erklärte Wagener, der als Pressesprecher im Eisenbahn-Amateur-Klub zuständig ist, im Kulturbahnhof. Seitdem die großen Wagen, die der Klub einst besessen hat, aufgrund des Abrisses der Schienen, verkauft werden mussten – damit wurden noch regelmäßige Sonderfahrten gemacht – ist der Klub leider nicht mehr so bekannt in Jülich.

Bahnhöfe im Miniaturformat

Die Idee, den Leuten, die entweder eine solche Eisenbahn unter dem Weihnachtsbaum liegen hatten oder denjenigen, die sich schon immer dafür interessieren, die Gelegenheit zu bieten, ihre Modellbahnen auf dem Schienensystem des Klubs im Klubheim fahren zu lassen, kam jedenfalls auch diesmal wieder gut an. Etliche Besucher strömten in die Räume des Kuba und konnten sich kaum sattsehen an Tälern, Bahnhöfen, Zügen, Loks und Gebirgen im Miniaturformat.

Vergnügen konnten sie sich mit 50 Metern Gleislänge, die dafür sorgten, dass die Züge sicher in die vier aufgebauten Bahnhöfe fahren. Entsandt wurden sie aus dem so genannten Schattenbahnhof, ein Zimmer im hinteren Teil, aus dem ein Tunnel in den eigentlichen Anlagenraum führt. Und ausnahmsweise kamen die Züge beinahe alle pünktlich.

„Leute die viel rangieren möchten, einen richtig langen Zug fahren lassen wollen oder einfach nur gerne ihr Modell durch wunderschöne Landschaften gleiten sehen würden, sind hier genau richtig“, versicherte Wagener. Es sei ein Hobby für jede Generation. Eine Beschäftigung, die so manches Männerherz höher schlagen lässt. Frauen könnten sich nur selten für die filigranen Bastelarbeiten, die höhere Technik und die Kosten, die solch ein Hobby mit sich bringt begeistern.

„Günstig ist es nicht. Solche eine Lok gibt es ab 50 Euro aufwärts. Und was ist eine Lok ohne mindestens drei Waggons?“, fragte der Eisenbahnliebhaber. Die Schienenanlage, die die 44 Mitglieder des Klubs über mehrere Jahre aufgebaut haben, hat mittlerweile einen stolzen Wert von 8500 Euro.

Da sind aber gerade mal die Gebäude und Schienen enthalten. „Ein kleines Taschengeld reicht dafür nicht aus. Das ist wohl auch der Grund, warum es an Nachwuchs mangelt. Die Jugendlichen finden es bequemer zu Hause am Computer zu sitzen“, bedauerte das Klubmitglied.

Züge mit im Gepäck

Zu Zeiten, als Dietrich Glasenapp ein Heranwachsender war, gab es für ihn nichts Schöneres. Der Rentner hatte gleich mehrere Züge mit im Gepäck, als er im Kuba ankam. „Die Fahrzeuge sind über 40 Jahre alt. Ich wollte meine Söhne dafür begeistern und habe sie damals neu gekauft. Allerdings sind die Kinder auch schon lange aus dem Haus und die Züge seitdem nie wieder auf Schienen gesetzt worden“, erklärte der Bourheimer.

Als er von dem offenen Fahrabend erfuhr, kitzelte ihn die Neugier: „Ich würde ja nur gerne wissen, ob sie überhaupt noch fahren.“ Und ja, kaum wurde der Strom eingeschaltet, setzte sich die V200 in Bewegung. Stolz lächelte Glasenapp. Und die kleine Lok hatte sich binnen Sekunden wieder in sein Herz geschlichen.

„Tuff tuff“ witzelte Wagener und wandte sich sich schon wieder dem nächsten Gast und dessen „Schätzchen“ zu.

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