Wenn die Liebe in Gewalt endet

Von: Kr.
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Gemeinsam hatten sie zu der Lesung zum Buch „Und das soll Liebe sein?” eingeladen (v.li.): Edith Beleites, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jülich, Katarina Esser, Dagmar Ahrens und Maria Brenner von „Frauen helfen Frauen” sowie Eva Behrens-Hommel. Foto: Krol

Jülich. Es war wahrhaftig kein schönes, dafür aber umso wichtigeres Thema, das im Mittelpunkt einer Lesung in der Buchhandlung Fischer stand. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hatte die Gleichstellungsstelle der Stadt Jülich, der Verein „Frauen helfen Frauen” und die Buchhandlung diese Veranstaltung organisiert.<br />

Jede dritte Frau macht im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch oder häuslicher Gewalt. Es spielt sich in allen Gesellschaftsschichten und meist hinter verschlossenen Türen ab.

Da ist beispielsweise Rosalinde B. Penfold, erfolgreiche Grafikerin und Geschäftsfrau, aufgehoben in einem gut funktionierenden Netzwerk aus Familie und Freunden. Und da ist Brian. Zunächst ist es die ganz große Liebe, doch schon bald beginnt Brian, Roz immer mehr zu vereinnahmen. Küsse und Liebeserklärungen wechseln mit verbalen Angriffen, die später zu körperlicher Gewalt führen. 13 Jahre hält Roz dieses Leben aus, schweigt und hofft auf Besserung. Dann nimmt sie all ihre Kraft zusammen und verlässt diesen Mann.

Für das Erfahrene fehlten Rosalind Penfold (der Name ist ein Pseudonym) allerdings die Worte, doch sie hatte eine andere Art, Tagebuch zu führen. Sie zeichnete. Dieses Tagebuch wurde 2005 als Comic veröffentlicht und ist mittlerweile in neun Sprachen übersetzt, in 14 Ländern erschienen.

„Und das soll Liebe sein?” lautet der deutsche Titel des Buches, das von Edith Beleites übersetzt wurde. Sie knüpfte außerdem eine enge Freundschaft zur Autorin und entwickelte mit ihr gemeinsam „Warnsignale”, Arbeitskarten, mit denen auch im Dachverband autonomer Frauenberatungsstellen gearbeitet wird.

Sie war nun in Jülich zu Gast, um über die Entstehung und die Hintergründe des Buches zu sprechen. Häusliche Gewalt und Unterdrückung kommt nicht von ungefähr, sie bauen sich langsam auf. Es steckt ein Schema dahinter, das sich immer wiederholt. Es gibt also auch Warnsignale, die es zu beachten gilt und die in den Arbeitskarten deutlich gemacht werden.

Dies kann auch Maria Brenner von „Frauen helfen Frauen” bestätigen, die in ihrer Beratungsstelle häufig mit diesen Problemen konfrontiert wird. „Ja, so war es bei mir auch”, hört sie immer wieder. „Doch es ist nicht immer körperliche Gewalt, auch Worte können schmerzen” so Beleites. Und sie gibt zu bedenken: „Auch Gewaltbeziehungen beginnen als Romanze. Liebe macht verletzbar, erpressbar”. Doch sie erklärt ihren Zuhörerinnen auch, dass es auch umgekehrt gehen kann.

Männer können ebenfalls Opfer von Gewalt, wenn auch selten körperlicher Gewalt, im häuslichen Bereich werden. „Es dreht sich aber immer darum, Macht über den Partner zu erlangen, ihn zu unterdrücken und zu zerstören”, erklärte Edith Beleites.

Neueste Untersuchungen haben übrigens ergeben, dass rund 29 Prozent der Männer als Kinder Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch machen mussten.
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